20.02.13

Soziale Netzwerke

Pirat Lauer hat keine Lust mehr auf Twitter

Twitter bringt nichts, sagt ausgerechnet der Berliner Chef-Pirat Christopher Lauer. Ist das das Ende eines politischen Kommunikationsmittels?

Foto: Glanze
"Twitter ist für mich gestorben", sagt Christopher Lauer, Chef der Berliner Piraten
"Twitter ist für mich gestorben", sagt Christopher Lauer, Chef der Berliner Piraten

Die Piraten nutzen Twitter seit der ersten Stunde. Dann Regierungssprecher Steffen Seibert, später Umweltminister Peter Altmaier (CDU). Inzwischen twittert sogar der Papst.

Der Kurznachrichtendienst ist zum politischen Kommunikationsmittel geworden. Gerade jetzt, da sich immer mehr Politiker ins Netz wagen, steigt der erste Pirat öffentlich aus.

"Das Gezwitscher bringt nichts", schreibt der Berliner Fraktionschef Christopher Lauer in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Zu viel Zeit, zu wenig Ertrag. Twitter off: Er schaltet ab. Hat es sich bald auch für andere Politiker ausgezwitschert?

Lauer macht eine einfache Rechnung auf: Von seinen 22.500 Followern klicken im Schnitt nur 500 auf von ihm geteilte Links. Dafür verbringt er Stunden im Netz.

Einzelne Tweets können aus dem Zusammenhang gerissen missverstanden werden. Ein Zeitungsartikel oder Talkshow-Auftritt sei effektiver, kalkuliert Lauer. An Einladungen für solche Runden scheint es ihm nicht zu mangeln.

Von Kommentaren genervt

Und dann sind da noch die Nerven. "Jeden Tag aufstehen und mindestens einen doofen Kommentar, eine Beleidigung lesen", beschreibt der 28-Jährige den Umgang in der Twitter-Gemeinde. Immer wieder treten die Piraten "Shitstorms" los, auch Lauer hat wüste Beschimpfungen kassiert. Das Dauerrauschen auf Twitter scheint die Spitzenpiraten auszubrennen.

Auch Parteichef Bernd Schlömer beklagte den rüden Umgangston im Netz. Jetzt sagt er: "Verzichten werde ich nicht auf Twitter, große Relevanz für meine Arbeit hat es aber nicht."

Für politische Kampagnen sei der Dienst in Deutschland noch nicht groß genug. Meist erreichten Politiker nur Freunde und Parteigenossen mit ihren Twitterbotschaften.

Es könne durchaus sein, dass auch andere Politiker Twitter als Kommunikationsmittel wieder aufgäben, sagt auch der Berliner Internet-Experte Martin Emmer. "Der Großteil der Bevölkerung wird darüber nicht erreicht."

Generell nutzten Altmaier und Co. den Dienst im Gegensatz zu den Piraten auch eher für PR-Aktionen als für politische Inhalte. Eine Diskussion entspinnt selten – wie auch, wenn NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) twittert: "Tag beginnt um 5:30 mit 1,5 h Sport Ausdauer- und Aufbautraining."

Rüder Umgangston

Am Umgangston der Piraten auf Twitter entzünden sich immer wieder Streits. "Wir haben da schon einige Fettnäpfchen mitgenommen. Wir sind jetzt in einem etwas schmerzhaften Lernprozess", erläutert die brandenburgische Bundestagskandidatin Anke Domscheit-Berg. Auch sie musste schon Beleidigungen lesen. Ein Abschied von Twitter komme trotzdem nicht infrage: "Für mich ist Twitter mit Abstand die Informationsquelle Nummer eins."

Die Twitter-Gemeinde reagierte vor allem mit Häme. Lauer will nur noch Links auf seine Blogeinträge twittern – und wendet sich damit zu genau der Art einseitiger Kommunikation, die Piraten sonst kritisieren.

Jetzt prophezeit Blogger Chris Sickendieck: "Christopher Lauer wird der erste Pirat sein, der zu den Grünen übertritt." Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz schreibt: "Demokratie ist kompliziert und Politik anstrengend. Nix für Weicheier". Und ein anonymer Nutzer bissig: "Ein Metzger kann nicht Chef eines Veganer-Clubs sein!"

Quelle: dpa/mim
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Starke Unwetter Erneut Überschwemmungen im Westen
Geplatze Wasserleitung Neun Meter hohe Fontäne überschwemmt Teile von…
Paris Die Luxus-Ratten vom Louvre
Hollywood-Stars So wild feiern Lopez und Bullock Geburtstag
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Solinger Uhrenmodel

Ben Dahlhaus, der Hype um das neue Sex-Symbol

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote