14.02.13

Bildungsministerin

Wie der Bundespräsident Annette Schavan tröstet

Gauck hat bisherige Bundesbildungsministerin aus dem Amt entlassen und Wanka als neue ernannt. Die Nachfolgerin verspricht Kontinuität.

Von Ulrich Exner, Miriam Hollstein
Foto: dpa

Gauck fand einfühlsame Worte
Gauck fand einfühlsame Worte

Sie waren beide in Schwarz gekommen. Aber nur für eine der beiden Frauen war es ein Tag der Trauer, für die andere war es einer der Freude. Am Donnerstagvormittag entließ Bundespräsident Joachim Gauck in Gegenwart von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die bisherige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) aus dem Amt, um nur drei Minuten später Johanna Wanka (CDU) zu deren Nachfolgerin zu ernennen.

Entlassungen und Ernennungen von Ministern gehören zum Geschäft des Bundespräsidenten. Doch wer Joachim Gauck kennt, der spürte, dass dieser Moment auch für ihn ein besonderer war. Als er nach der Überreichung der Entlassungsurkunde an Annette Schavan zu einer kurzen Rede ansetzte, da sprach einen Moment lang nicht nur der Bundespräsident, sondern auch der ehemalige Pfarrer und Seelsorger. Mit Schavan gehe eine Ministerin, "die weit über die eigene Fraktion und Koalition hinaus hohe Achtung in der politischen und wissenschaftlichen Welt genießt", sagte er über Schavan, die sichtbar um Fassung bemüht war. "Viele bedauern, dass die Bildungs- und die Forschungspolitik des Bundes nicht mehr in Ihren Händen liegen."

Schavan habe auf "bescheidene und zugleich souveräne Art wichtige Weichen" gestellt. Dabei habe sie sich immer von ihren christlichen Überzeugungen leiten lassen. Das kann man auch als unausgesprochenen Kommentar verstehen, dass Gauck Schavan bei ihrer Dissertation die Täuschungsabsicht nicht zutraut, wegen der ihr die Universität Düsseldorf den Doktortitel entzog. Schavans Glaube werde ihr auch im neuen Lebensabschnitt Halt geben. Auch für Johanna Wanka fand Gauck sehr persönliche Worte. Gleich zu Beginn seiner Rede verwies er auf die gemeinsame Vergangenheit in der DDR-Bürgerrechtsbewegung. Sie gehöre wie er zu jenen, "die sich viele Jahre ihres Lebens nicht träumen lassen konnten, was mit uns als Person und unserem Land geschehen würde".

Gauck lobte Wankas "geistige Kraft, Ihre Ruhe und zupackende Art": "Auch bei Ihnen kann man sagen, dass Sie Wissenschaft und Forschung leben", fügte er hinzu. Merkel, die während der Zeremonie an Gaucks Seite stand, war die Traurigkeit über Schavans Rücktritt als Konsequenz aus dem umstrittenen Titelentzug anzumerken. Am Ende schüttelte sie der langjährigen Vertrauten noch einmal lang und herzlich die Hand; die Nachfolgerin musste sich mit einem kurzen Händedruck der Kanzlerin begnügen.

Bestelltes Haus

Kurze Zeit später gehörte die Bühne dann allein der neuen Bildungsministerin. In ihrer ersten Pressekonferenz machte Wanka deutlich, dass sie sich nicht auf Kosten ihrer Vorgängerin zu profilieren gedenkt. Schavan habe ein bestelltes Haus hinterlassen, sagte Wanka. Innovation, Forschung und Bildung seien entscheidend für die Zukunft Deutschlands. Eine reiche Nation wie die Bundesrepublik müsse es ermöglichen können, dass jeder seinen Bildungsweg gehen könne – ungeachtet seiner sozialen Herkunft.

Wanka, die sich in ihren knapp drei Jahren in Niedersachsen einen exzellenten Ruf in der Wissenschafts- und Kulturszene des Bundeslandes erarbeitet hatte, ist so zu einer der wenigen christdemokratischen Gewinnerinnen der CDU-Wahlniederlage vom 20. Januar geworden. Ansonsten wäre der kurzfristige Wechsel ins Bundeskabinett für sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zustande gekommen.

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