07.02.13

Meinung

Das Stadtschloss, ein Schmuckstück in Deutschland

Helmut Schmidts Kritik am Berliner Stadtschloss und an der Hauptstadt, die nur am Finanztropf hänge, ist falsch.

Von Christine Richter
Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER
Berlin - Nachdem sich Alt-Bundeskanzler helmut Schmidt (SPD) in einem Interview kritisch zum Bwerlöiner Stadtschloss geäußert hat, kochen in der Hauptstadt in Emotionen. 



(FOTO: JÖRG KRAUTHÖFER)
Berlin - Nachdem sich Alt-Bundeskanzler helmut Schmidt (SPD) in einem Interview kritisch zum Bwerlöiner Stadtschloss geäußert hat, kochen in der Hauptstadt in Emotionen. (FOTO: JÖRG KRAUTHÖFER)

Schmidt-Schnauze – diesen etwas despektierlichen Spitznamen trägt Altbundeskanzler Helmut Schmidt schon seit vielen Jahren. Er ist bekannt für seine manchmal harschen Bemerkungen, seine knallharte Analyse, seine deutliche Ausdrucksweise. Jetzt, im Alter von 94 Jahren, hat Schmidt wieder einmal ein Interview gegeben, in der Wochenzeitung "Die Zeit", deren Herausgeber er seit Mitte der 80er-Jahre ist.

Und mächtig über Berlin, das angeblich schon seit Jahrhunderten von den anderen Ländern lebt, gelästert.

Sein wortgewaltiger Ärger macht sich am Wiederaufbau des Stadtschlosses fest, an dem Förderverein, an dem Nutzungskonzept, an der Finanzierung mit Bundesmitteln. Keiner brauche das Schloss, schimpfte Schmidt. Nun, da hat der Altbundeskanzler unrecht.

Ein Zentrum der Berliner, ein Weltkultur- und Denkort

Berlin braucht das Schloss, das künftig den schönen Namen Humboldt-Forum tragen wird. Dort, in der historischen Mitte der Stadt, dort, wo zu DDR-Zeiten der asbestverseuchte Palast der Republik stand und heute eine große Brache ist, wird ein Zentrum für die Berliner und ihre Besucher geschaffen. Ein Weltkultur- und Denkort, mit wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität, mit Unterstützung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Für Tagungen und Veranstaltungen, Ausstellungen, ein Ort zum Austausch und Ideen entwickeln. In einem Gebäude, das diesem Stadtteil seinen Schwerpunkt zurückgibt.

Sicherlich, der Wiederaufbau des Stadtschlosses, das eigentlich ein Neubau ist, wird viele Millionen Euro kosten. 590 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Das ist eine stolze Summe, die hoffentlich nicht mehr steigen wird – wie bei so vielen anderen Großprojekten bundesweit. Der Förderverein Berliner Schloss, der von dem umtriebigen Berlin-Fan Wilhelm von Boddien geleitet wird, hat sich verpflichtet, 80 Millionen Euro für die historische Fassadengestaltung zu sammeln. 24,5 Millionen Euro hat der Verein schon zusammen. Wetten, dass das Ziel erreicht wird, wenn die Bauarbeiten erst einmal begonnen haben?

Undifferenzierte Äußerungen

Meckern über Berlin ist in diesen Tagen ja bundesweit sehr beliebt. In Hinblick auf den Großflughafen BER ist die Kritik auch berechtigt. Aber die undifferenzierten Äußerungen, Berlin nehme immer nur die Milliarden von anderen Ländern, bringen keinen weiter. Das ist Polemik, die Wiederholung eines bundesweit beliebten Klischees. Das Thema ist unsexy, aber wahr: In der Haushaltspolitik hat der Senat Mitte der 90er-Jahre brutal umgesteuert, seitdem wurde gespart, bis es quietscht. Das sollte ein Altbundeskanzler anerkennen, wenn er sich über Berlin äußert, das sollten auch die Ministerpräsidenten von Hessen und Bayern, die gegen den Länderfinanzausgleich klagen, nicht verschweigen.

Das Stadtschloss wird gebaut, daran wird auch Helmut Schmidt nichts mehr ändern. Denn auch wenn es manch einer gerne verdrängt: Der Bundestag hat den Bau beschlossen und das Geld freigegeben. Weil Berlin die Hauptstadt aller Deutschen ist, weil das Humboldt-Forum für alle Deutschen da sein wird – und die Stadt schmücken wird.

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