05.02.13

Plagiatsverfahren

Ministerin Schavan verliert Doktortitel und wehrt sich

Die Universität Düsseldorf hat Annette Schavan den Doktortitel aberkannt. Die Bildungsministerin will juristisch dagegen vorgehen.

Foto: dpa
Bruno Bleckmann, Dekan der philosophischen Fakultät, vor der Presse: Die Universität Düsseldorf entzieht Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) den Doktortitel
Bruno Bleckmann, Dekan der philosophischen Fakultät, vor der Presse: Die Universität Düsseldorf entzieht Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) den Doktortitel

Die Universität Düsseldorf hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) den Doktortitel entzogen. Der zuständige Fakultätsrat habe im Plagiatsverfahren für die Aberkennung gestimmt, sagte der Ratsvorsitzende, Prof. Bruno Bleckmann, am Dienstag.

Für den Entzug des Doktorgrades hätten zwölf Mitglieder des Rats gestimmt bei zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung. Der Rat habe es als erwiesen angesehen, dass Schavan "systematisch und vorsätzlich über ihre Dissertation verteilt" gedankliche Leistungen vorgegeben habe, die sie nicht selbst erbracht habe, so Bleckmann.

Schavan will klagen

Schavan ging umgehend in die Offensive: Sie will gegen den Entzug ihres Titels klagen. Das teilten ihre Anwälte am noch am Abend mit.

Die Kritik an der 1980 von Schavan eingereichten Dissertation "Person und Gewissen – Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" war erstmals im April 2012 anonym im Internet aufgetaucht. Schavan wurde dabei unkorrektes Zitieren und die Verschleierung geistigen Eigentums vorgeworfen.

Die Prüfung der Arbeit in mehreren Instanzen zog sich seit rund neun Monaten hin. Vor zwei Wochen hatte der Fakultätsrat mit seinen 19 Mitgliedern mit 14 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung die Einleitung eines Hauptverfahrens zum Entzug des Doktortitels beschlossen. Es folgte damit einer Empfehlung des Promotionsausschusses.

Täuschungsabsicht bestätigt

In einem internen Bericht war der Kommissionsvorsitzende Prof. Stefan Rohrbacher zu der Erkenntnis gekommen, dass in der Arbeit Schavans an zahlreichen Stellen plagiiert worden sei.

Aufgrund der systematischen Vorgehensweise liege eine mutwillige Täuschungsabsicht vor. Der Bericht war an die Öffentlichkeit durchgesickert.

Schavan hatte Flüchtigkeitsfehler in ihrer Dissertation eingeräumt, den Vorwurf der Täuschung aber stets zurückgewiesen. Die Ministerin kann binnen vier Wochen gegen die Entscheidung klagen. Zurzeit hält sie sich zu politischen Gesprächen in Südafrika auf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich hinter Schavan gestellt und betont, sie habe volles Vertrauen in die Arbeit der Ministerin. Auch Schavan hatte immer wieder erklärt, sie wolle auch nach der Bundestagswahl Ministerin bleiben.

Im Jahr 2011 war Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zurückgetreten, nachdem er wegen einer Plagiatsaffäre um seine Dissertation den Doktortitel abgegeben hatte.

Auch den FDP-Politikern Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis wurden wegen Abschreibens ihre Doktortitel aberkannt.

Quelle: dpa/AFP/mim
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Doktortitel entzogen Soll Annette Schavan als Bildungsministerin zurücktreten?

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Plagiatsverfahren gegen Schavan - eine Chronologie
  • Plagiatsverfahren

    Mehr als 30 Jahre nach ihrer Doktorarbeit ist Bundesbildungsministerin Anette Schavan (CDU) mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Am Dienstag teilte die Universität Düsseldorf mit, dass ihr der Doktortitel entzogen wird. Eine Chronologie der Ereignisse:

  • September 1980

    Annette Schavan reicht im Alter von 24 Jahren ihre erziehungswissenschaftliche Dissertation „Person und Gewissen“ an der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf ein. Die Arbeit wird mit „sehr gut“ benotet.

  • 29. April 2012

    Auf einer Internetplattform wird anonym der Vorwurf des Plagiats gegen Schavan erhoben.

  • 2. Mai

    Die Universität Düsseldorf beauftragt die zuständige Promotionskommission, die Vorwürfe zu prüfen.

  • 10./11. Mai

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Schavan ihr Vertrauen aus.

  • 27. September

    Der Vorsitzende des Promotionsausschusses, Professor Stefan Rohrbacher, legt intern einen Sachstandsbericht vor. Das Ergebnis: An zahlreichen Stellen der Arbeit sei plagiiert worden. Es liege eine systematische Vorgehensweise und damit eine Täuschungsabsicht vor.

  • 14. Oktober

    Der „Spiegel“ zitiert aus dem vertraulichen Bericht Rohrbachers. Schavan weist eine Täuschungsabsicht zurück.

  • 15./16. Oktober

    Merkel spricht Schavan erneut das Vertrauen aus. Rückendeckung bekommt sie auch von ihrem Doktorvater Gerhard Wehle. Auf der Suche nach der undichten Stelle erstattet die Universität Strafanzeige gegen unbekannt wegen des Verdachts auf Weitergabe vertraulicher Informationen.

  • 17. Oktober

    Die Prüfungskommission berät über den internen Bericht Rohrbachers.

  • 10. November

    Schavan reicht nach Informationen der „Rheinischen Post“ bei der Uni Düsseldorf eine schriftliche Stellungnahme ein, in der sie den Vorwurf des Plagiats bestreitet.

  • 18. Dezember

    Die Promotionskommission empfiehlt nach Prüfung der Arbeit und Anhörung Schavans, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels zu eröffnen. Befinden muss darüber der Rat der Philosophischen Fakultät.

  • 22. Januar

    Der Fakultätsrat stimmt mit 14 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung für die Einleitung des Hauptverfahrens zur möglichen Aberkennung des Doktortitels. Für den 5. Februar setzt der Rat eine weitere Sitzung an.

  • 31. Januar

    Schavan räumt im „Zeitmagazin“ Flüchtigkeitsfehler in ihrer Doktorarbeit ein, weist den Vorwurf des Plagiats oder der Täuschung aber erneut zurück.

  • 5. Februar

    Der zuständige Fakultätsrat der Universität Düsseldorf stimmt im Plagiatsverfahren für die Aberkennung des Doktortitels. Schavan hält sich zu politischen Gesprächen in Südafrika auf. Quelle: dpa

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