05.02.2013, 20:21

Plagiatsverfahren Ministerin Schavan verliert Doktortitel und wehrt sich

Bruno Bleckmann, Dekan der philosophischen Fakultät, vor der Presse: Die Universität Düsseldorf entzieht Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) den Doktortitel

Foto: Marius Becker / dpa

Bruno Bleckmann, Dekan der philosophischen Fakultät, vor der Presse: Die Universität Düsseldorf entzieht Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) den Doktortitel Foto: Marius Becker / dpa

Die Universität Düsseldorf hat Annette Schavan den Doktortitel aberkannt. Die Bildungsministerin will juristisch dagegen vorgehen.

Die Universität Düsseldorf hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) den Doktortitel entzogen. Der zuständige Fakultätsrat habe im Plagiatsverfahren für die Aberkennung gestimmt, sagte der Ratsvorsitzende, Prof. Bruno Bleckmann, am Dienstag.

Für den Entzug des Doktorgrades hätten zwölf Mitglieder des Rats gestimmt bei zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung. Der Rat habe es als erwiesen angesehen, dass Schavan "systematisch und vorsätzlich über ihre Dissertation verteilt" gedankliche Leistungen vorgegeben habe, die sie nicht selbst erbracht habe, so Bleckmann.

Schavan will klagen

Schavan ging umgehend in die Offensive: Sie will gegen den Entzug ihres Titels klagen. Das teilten ihre Anwälte am noch am Abend mit.

Die Kritik an der 1980 von Schavan eingereichten Dissertation "Person und Gewissen – Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" war erstmals im April 2012 anonym im Internet aufgetaucht. Schavan wurde dabei unkorrektes Zitieren und die Verschleierung geistigen Eigentums vorgeworfen.

Die Prüfung der Arbeit in mehreren Instanzen zog sich seit rund neun Monaten hin. Vor zwei Wochen hatte der Fakultätsrat mit seinen 19 Mitgliedern mit 14 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung die Einleitung eines Hauptverfahrens zum Entzug des Doktortitels beschlossen. Es folgte damit einer Empfehlung des Promotionsausschusses.

Täuschungsabsicht bestätigt

In einem internen Bericht war der Kommissionsvorsitzende Prof. Stefan Rohrbacher zu der Erkenntnis gekommen, dass in der Arbeit Schavans an zahlreichen Stellen plagiiert worden sei.

Aufgrund der systematischen Vorgehensweise liege eine mutwillige Täuschungsabsicht vor. Der Bericht war an die Öffentlichkeit durchgesickert.

Schavan hatte Flüchtigkeitsfehler in ihrer Dissertation eingeräumt, den Vorwurf der Täuschung aber stets zurückgewiesen. Die Ministerin kann binnen vier Wochen gegen die Entscheidung klagen. Zurzeit hält sie sich zu politischen Gesprächen in Südafrika auf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich hinter Schavan gestellt und betont, sie habe volles Vertrauen in die Arbeit der Ministerin. Auch Schavan hatte immer wieder erklärt, sie wolle auch nach der Bundestagswahl Ministerin bleiben.

Im Jahr 2011 war Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zurückgetreten, nachdem er wegen einer Plagiatsaffäre um seine Dissertation den Doktortitel abgegeben hatte.

Auch den FDP-Politikern Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis wurden wegen Abschreibens ihre Doktortitel aberkannt.

(dpa/AFP/mim)
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