05.02.13

Alkoholmissbrauch

Zahl sehr junger Komasäufer steigt alarmierend

Völlig betrunken in die Klinik – das passiert mehr als 26.000 Heranwachsenden in Deutschland pro Jahr. Vor allem Jungen trinken maßlos. Gesundheitsexperten sind über die neuesten Zahlen entsetzt.

Foto: dpa

Alarmierende Statistik: Komasaufen ist bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland auf dem Vormarsch
Alarmierende Statistik: Komasaufen ist bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland auf dem Vormarsch

Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen ist kein einfaches Thema. Umso mehr erschüttern die neuesten Zahlen, die das Statistische Bundesamt herausgegeben hat.

Demnach müssen immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland wegen eines Vollrauschs in Krankenhäusern behandelt werden.

Im Jahr 2011 seien 26.349 Heranwachsende im Alter von 10 bis 20 Jahren wegen akuten Alkoholmissbrauchs stationär behandelt worden, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Dies entspreche einer Zunahme um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als 25.995 derartige Fälle gezählt wurden.

Die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr

Bereits das fünfte Jahr in Folge mussten deutlich mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche wegen Alkoholvergiftungen stationär behandelt werden. Im Jahr 2002 hatte die Zahl noch bei 12.794 gelegen.

Aus den Daten der Krankenhausdiagnose-Statistik für das Jahr 2011 geht außerdem hervor, dass vor allem Jungen gefährdet sind.

Obwohl sie nur 51 Prozent der betreffenden Altersgruppe ausmachen, sind unter den behandelten Vollrausch-Patienten unter 20 Jahren 62 Prozent männlich.

Psychische Störungen durch Alkohol

Aber nicht nur junge Menschen fallen in der Diagnosestatistik durch Alkoholmissbrauch auf: Mit 338.400 Fällen lagen alkoholbedingte psychische und Verhaltensstörungen im Jahr 2011 auf Platz zwei der häufigsten Gründe für einen Krankenhausaufenthalt.

Der häufigste Behandlungsgrund waren mit 380.100 Fällen Herzinsuffizienzen, die Herzerkrankungen Vorhofflattern und Vorhofflimmern lagen mit 262.900 Fällen auf Platz drei.

Insgesamt wurden im Jahr 2011 rund 18,8 Millionen Menschen in Deutschlands Krankenhäusern stationär behandelt.

Sowohl die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) als auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), äußerten sich besorgt über den hohen Alkoholkonsum. "Die Zahl der Krankenhauseinweisungen ist erschreckend. Alkohol ist immer noch das am weitesten verbreitete Suchtmittel", erklärte BZgA-Direktorin Elisabeth Pott. Das gelte für Jugendliche wie Erwachsene.

Gezieltere Aufklärung gefordert

Junge Leute, die gesundheitliche Folgen exzessiven Alkoholkonsums unterschätzten, müssten noch gezielter als bisher mit Präventionsangeboten angesprochen werden.

Dyckmans erklärte: "Diese Zahlen zeigen, dass wir nicht nachlassen dürfen, Kinder und Jugendliche über die Gefahren des Rauschtrinkens aufzuklären." Unter 16-Jährige dürften weder Alkohol kaufen noch trinken.

Eltern müssten da klare Regeln setzen und selbst durch "maßvolles Konsumverhalten" ein Vorbild sein.

Quelle: AFP/ph
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Alkoholkonsum in Deutschland
  • Durchschnittlicher Konsum

    Jedes Jahr trinkt jeder Deutsche im Schnitt 10 Liter reinen Alkohol. Das entspricht etwa 200 Liter Bier, 90 Liter Wein oder 25 Litern Whisky.

  • Riskanter Konsum

    Frauen sollten nicht mehr als zwei Gläser Wein pro Tag trinken, Männer nicht mehr als drei. Etwa 9,5 Millionen Deutsche trinken mehr als empfohlen.

  • Alkoholabhängigkeit

    Die Merkmale einer Abhängigkeit sind: Drängendes Verlangen nach Alkohol, verminderte Kontrollfähigkeit des Konsums, körperliche Entzugserscheinungen bei Abstinenz, Toleranzentwicklung, Vernachlässigung von Familie, Freunden und Interessen, anhaltender Konsum trotz schädlicher Folgen. 1,3 Millionen Deutsche erfüllen mindestens drei dieser Kriterien und sind damit alkoholabhängig.

  • Behandlung

    Meist suchen Betroffene erst viel zu spät nach Hilfe. 10 bis 15 Jahre kann es dauern, bis sie das erste Mal einen Entzug versuchen. Wer soviel Zeit verstreichen lässt, mindert nicht nur seine Chancen auf eine dauerhafte Abstinenz. Er riskiert auch schwerwiegende Organschäden, die aus den langfristigen Alkoholmissbrauch resultieren.

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