03.02.13

Berliner Erzbistum

Kardinal Woelki will über "Pille danach" diskutieren

Nach dem Kurswechsel des Kölner Erzbischofs Meisner bei der "Pille danach" fordert das Erzbistum Berlin eine klare Ausrichtung der Kirche.

Foto: M. Lengemann

Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Berlin.
Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Berlin.

Nach der Erklärung des Kölner Kardinals Joachim Meisner zur "Pille danach" sehen die katholischen Bischöfe in Deutschland weiteren Gesprächsbedarf. "Wenn es neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Wirkungsweisen der 'Pille danach' gibt, dann ist es notwendig und wichtig, dass sich die Kirche bundesweit damit auseinandersetzt", teilte das Erzbistum Berlin am Wochenende mit.

Berlins Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki kündigte zugleich an, seine Diözese werde sich "intensiv" an der Debatte über eine medizinische Behandlung von vergewaltigten Frauen in katholischen Einrichtungen beteiligen. "Unsere Krankenhäuser und Ärzte brauchen Orientierung, wie sie in Zukunft Frauen in dieser Situation unterstützen können – auch was den Einsatz von bestimmten Formen der 'Pille danach' angeht."

In den Krankenhäusern des Erzbistums Berlin würden Frauen nach einer Vergewaltigung über alle Möglichkeiten der Hilfe informiert - auch über die "Pille danach", sagte Woelki.

In Köln hatten zwei katholische Kliniken zuletzt eine vergewaltigte Frau abgewiesen. Die Ärzte befürchteten, gegen die Richtlinien der katholischen Kirche zu verstoßen, wenn sie bei der Untersuchung auf die "Pille danach" hinwiesen.

Im Erzbistum Hamburg will sich laut Angaben eines Sprechers die Kommission für Medizin- und Gesundheitsethik in den kommenden Tagen mit dem Thema befassen. Das Magazin "Focus" zitierte den Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke mit den Worten, er "begrüße die Klarstellung des Kölner Kardinals".

Befruchteter Eizelle kommt Schutz der Menschenwürde zu

Meisner hatte am Donnerstag seine Position zur "Pille danach" korrigiert: Im Falle einer Vergewaltigung sei nichts gegen Präparate einzuwenden, die eine Befruchtung verhindern. Allerdings seien nach wie vor jene Pillen ethisch nicht zu vertreten, die eine bereits befruchtete Eizelle an der Einnistung in der Gebärmutter hindern und dieser die Lebensgrundlage entziehen. Denn einer befruchteten Eizelle komme der Schutz der Menschenwürde zu.

Der Kölner Erzbischof hatte zunächst betont, dass die "Pille danach" auch im Fall einer Vergewaltigung abzulehnen sei. In seiner jüngsten Stellungnahme verwies er auf Beratungen mit Fachleuten, in denen deutlich geworden sei, dass unter dem Begriff "Pille danach" unterschiedliche Präparate mit verschiedenen Wirkprinzipien verstanden werden.

Meisner machte damit vom eigenständigen Lehramt des Ortsbischofs Gebrauch, das innerhalb des vom römischen Lehramt vorgegebenen Rahmens gewisse Spielräume hat. Die Frage, ob er diesen Schritt mit dem Vatikan abgestimmt habe, bejahte sein Sprecher Christoph Heckeley im "Focus". Mit wem er dies getan habe, habe Meisner ihm allerdings nicht gesagt. "Und er würde es auch nicht sagen", so Heckeley.

Nach Angaben des Berufsverbands der Frauenärzte verschiebt oder verhindert die "Pille danach" lediglich den Eisprung, so dass keine Befruchtung stattfinden kann – sie wirkt also empfängnisverhütend. Sei die Eizelle bereits befruchtet, verhindere die Einnahme des Präparats nicht deren Einnistung.

Der "Spiegel" berichtete unterdessen, dass die von Meisner gutgeheißenen Formen der "Pille danach" hierzulande gar nicht erhältlich seien. Auf dem deutschen Markt gebe es zwar zwei Präparate, die einen Eisprung der Frau verhinderten. Gleichzeitig könnten diese beiden Produkte jedoch auch bereits befruchtete weibliche Lebenskeime vernichten. Genau hier habe Meisner aber eine Grenze gezogen.

Quelle: KNA/dpa/sei
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