03.02.13

Energiekosten

Altmaier warnt vor starkem Strompreisanstieg

Der Strompreis könnte um weitere 10 Prozent steigen. Und die Kostenbremse von Umweltminister Altmaier droht zu scheitern.

Foto: dpa

Der Strom, der durch diese Leitungen läuft, wird immer teurer für den Verbraucher. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will zur Begrenzung der Stromkosten die Ökostrom-Umlage für zwei Jahre auf ihrem heutigen Niveau einfrieren. Dazu sollen die bisherigen Regeln für neue Wind- und Solarparks notfalls beschnitten werden.
Der Strom, der durch diese Leitungen läuft, wird immer teurer für den Verbraucher. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will zur Begrenzung der Stromkosten die Ökostrom-Umlage für zwei Jahre auf ihrem heutigen Niveau einfrieren. Dazu sollen die bisherigen Regeln für neue Wind- und Solarparks notfalls beschnitten werden.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) stößt mit seinen Plänen für eine Strompreisbremse auf zunehmenden Widerstand – nicht nur der Opposition, sondern auch aus der Bundesregierung. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hält die Idee eines befristeten Einfrierens der Ökostrom-Umlage für unzureichend. Die Opposition lehnt die Pläne ohnehin ab. Die SPD hat nun ein Gegenkonzept entworfen und will die Bürger mit einem Stromsteuerrabatt um 20 Euro entlasten.

"Wir brauchen eine gesetzliche Strompreis-Sicherung"

Altmaier erwartet einen drohenden Strompreisanstieg um weitere zehn Prozent bis zum Herbst, falls seine Pläne scheitern. "Deshalb brauchen wir eine gesetzliche Strompreis-Sicherung, die dafür sorgt, dass die Kosten für erneuerbare Energien und ihre Förderung nicht aus dem Ruder laufen", sagte er der "Bild am Sonntag".

Umstritten ist an Altmaiers Plänen besonders eine nachträgliche Förderkürzung für bestehende Wind- und Solarparks. Mit diesem "Energie-Soli" soll das Einfrieren der Ökostrom-Umlage finanziert werden. Die Idee berge "höchste rechtliche Risiken", heißt es laut "Spiegel" in einer internen Bewertung des Wirtschaftsministeriums. Statt grundsätzlich an den Fehlanreizen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) anzusetzen, greife Altmaier zu "Scheinlösungen". Auch aus den Ländern gibt es deswegen zunehmenden Widerstand. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) sagte: "Ich habe höchste Bedenken, ob sich die Vorschläge rechtlich umsetzen lassen."

Parteiübergreifende Zustimmung ist nötig

Altmaier will nach einem Spitzentreffen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den 16 Ministerpräsidenten im März entscheiden, ob die Gesetze überhaupt in den Bundestag eingebracht werden sollen. Wegen der rot-rot-grünen Mehrheit im Bundesrat hätte das Gesetz ohne parteiübergreifende Einigung keine Aussicht auf Realisierung vor der Bundestagswahl. Altmaiers Ziel ist, dass die Pläne ab August gelten.

Nach internen Berechnungen des Umweltministeriums könnte die Ökostrom-Umlage ohne Gegenmaßnahmen von derzeit 5,277 Cent bis 2014 auf bis zu 7 Cent steigen. Der zunehmende Ökostrom lässt die Einkaufspreise fallen, dadurch wächst die Differenz zu den auf 20 Jahre garantierten Einspeisevergütungen – und damit die Umlage. Bis zum Herbst droht ein zusätzliches Loch von mehreren Milliarden.

Unabhängig von der Kritik haben die Pläne eine Debatte über Rezepte gegen weitere Strompreisanstiege ausgelöst. Die SPD kann sich vorstellen, die Stromsteuer für bis zu 1000 Kilowattstunden Verbrauch auszusetzen. Ein normaler Haushalt verbraucht im Jahr etwa 3500 Kilowattstunden Strom. Derzeit macht sie 2,05 Cent je Kilowattstunde aus, so dass pro Haushalt bis zu 20,50 Euro jährlich gespart werden könnten. Das Konzept von Minister Altmaier für ein Einfrieren der Ökostrom-Umlage hält die Partei hingegen für ein "reines PR-Manöver".

SPD-Chef Gabriel will Stromsteuer senken

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel unterstrich die Position, die Stromsteuer senken zu wollen, ohne auf die Details einzugehen. "Die Regierung ist in Sachen Strompreise unehrlich: Sie meckert zwar über die steigende Ökostrom-Umlage, nimmt aber über die Mehrwertsteuer Hunderte von Millionen Euro ein", sagte er der "Bild am Sonntag". Diese erhöhten Einnahmen müsse sie an die Stromkunden zurückgeben, betonte Gabriel. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte eine Senkung der Stromsteuer ins Spiel gebracht. Am Donnerstag hatten sich die SPD-geführten Länder mit der Parteispitze in Berlin im Grundsatz auf diese Linie verständigt.

Die Grünen lehnten das Ansinnen der SPD jedoch ab. Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) betonte: "90 Prozent aus der Stromsteuer gehen in die Rente. Wenn die SPD das jetzt korrigieren will, muss sie sagen, wie die Lücke für die Rente gestopft werden soll oder ob die Renten weiter sinken sollen." Der Vorstoß Gabriels sei merkwürdig und verwundere. "Er übernimmt damit eine FDP-Position", betonte Habeck. Auch Altmaier kritisierte den SPD-Vorstoß: "Der Vorschlag ist absolut unzureichend, weil er weitere drastische Preissteigerungen zulasten der Verbraucher nicht verhindern kann", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Die Stromsteuer war 1999 von Rot-Grün aus ökologischen Gründen eingeführt worden, um Anreize zum Energiesparen zu verstärken. Sie bringt dem Bund jährlich sieben Milliarden Euro und finanziert die Renten mit. Die Grünen setzen vor allem auf ein Zurückfahren der Rabatte für energieintensive Unternehmen – sie wollen die Bürger um bis zu vier Milliarden Euro entlasten.

Die Linken-Politikerin Caren Lay unterstützte den SPD-Vorstoß, warf Gabriel aber zugleich Ideenklau vor: "Es ist schon bemerkenswert, dass der SPD-Vorsitzende zwar eine Zusammenarbeit mit der Linken ablehnt, aber permanent ungeniert seine politischen Forderungen bei ihr abschreibt."

Quelle: dpa/seg
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Bei den Lohnverhandlungen gab es eine Einigung bei den BVG
09:05Lohnverhandlungen
Einigung im Tarifstreit bei den BVG - Streikgefahr abgewendet

Am frühen Mittwochvormittag gab es einen Kompromiss in den festgefahrenen Tarifverhandlungen bei den Berliner Verkehrsbetrieben. Damit sind mögliche Streiks im öffentlichen Verkehr nun abgewendet. mehr...

Rechtsanspruch: Bis 2017 müssen insgesamt 11.000 Betreuungsplätze geschaffen werden
09:47Erfolgloses Konzept
"Ein-Euro"-Kitas werden wieder abgeschafft

Viele Berliner Kitas müssen dringend saniert werden, den Bezirken fehlt jedoch das Geld. Das zur Lösung des Problems geplante Ein-Euro-Programm wird nun beendet - der Senat hält es für gescheitert. mehr...

Die Wohnung des Rap-Musikers Bushido  wurde von der Berliner Staatsanwaltschaft durchsucht
21.05.13Rap-Musiker
Verdacht auf Steuerstraftat - Bushidos Privathaus durchsucht

Rapper Bushido sorgt immer wieder für Aufsehen. Jetzt steht er unter Verdacht, eine Steuerstraftat begangen zu haben. Seine Wohnräume wurden aufgrund dessen durchsucht. mehr...

Gefährlicher Zwischenfall am U-Bahnhof Kurfürstendamm: Zwei Schläger flüchteten nach einer Prügelattacke auf einen Passanten in den Tunnel der U-Bahn
10:34Gewalt
Schläger flüchten vor Polizei in U-Bahn-Tunnel

Nachdem drei Schläger einen Mann auf dem Berliner U-Bahnhof Kurfürstendamm überfallen hatten, flüchteten zwei der Täter in den Schacht der U-Bahn-Linie 9. Ein 19-Jähriger wurde festgenommen. mehr...

Leser-Kommentare 1 Kommentar
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Oklahoma Wiedersehen nach dem schweren Tornado
Xbox One Microsoft stellt neue Spielkonsole vor
Iran Rafsandschani darf bei Wahl nicht antreten
US-Kongress Apple verteidigt Steuersparmodell
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote