31.01.13

Deutschlandtrend

Rainer Brüderle in Umfrage ganz unten angekommen

FDP-Fraktionschef Brüderle hat infolge der Sexismus-Debatte bei den Bürgern erheblich an Popularität eingebüßt. Nur Rösler noch unpopulärer.

Von Ulrich Clauß, Daniel-F. Sturm und Miriam Hollstein
Foto: dapd

Rainer Brüderles „Dirndl-Gate“ hat nicht nur Ablehnung bei Talkshow-Gästen ausgelöst, auch bei den Bürgern ist seine Beliebtheit gesunken
Rainer Brüderles "Dirndl-Gate" hat nicht nur Ablehnung bei Talkshow-Gästen ausgelöst, auch bei den Bürgern ist seine Beliebtheit gesunken

Auch einen Monat nach seinen Äußerungen über zu geringe Bezüge der Bundeskanzlerin kommt deren Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) nicht aus dem Popularitätstief. Doch nun gesellt sich – nicht eben überraschend – ein weiterer Verlierer an seine Seite: FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle (FDP).

Dies ergibt der aktuelle Deutschlandtrend von Infratest Dimap für die ARD-"Tagesthemen". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) baut dagegen ihre Position als beliebteste Politikerin des Landes aus. Nunmehr sind 71 Prozent (plus sechs Punkte) mit ihrer Arbeit zufrieden.

Steinbrück legte um einen Punkt auf 37 Prozent zu. Auch bei den SPD-Anhängern gewinnt Merkel an Zuspruch: Jeder dritte von ihnen würde bei einer Kanzlerdirektwahl für Merkel stimmen; vor einem Monat waren es 23 Prozent.

Nach Angela Merkel in der Poleposition folgt mit einigem Abstand Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), dessen Arbeit derzeit von 63 Prozent (+4) wohlwollend beurteilt wird. Die in der Bevölkerung unpopuläre Anschaffung von bewaffneten Bundeswehr-Drohnen wirkt sich auf das Urteil über den Verteidigungsminister aus: Mit der Arbeit von Thomas de Maizière (CDU) sind im Januar 2013 nur noch 57 Prozent der Bürger einverstanden, sechs Punkte weniger als zu Jahresbeginn. Seine Kabinettskollegin Ursula von der Leyen (CDU) bleibt mit 45 Prozent (+1) nahezu konstant.

Beliebteste sozialdemokratische Politiker

Die beliebtesten sozialdemokratischen Politiker sind derzeit die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (57 Prozent, -1) und der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier (53 Prozent, +2). SPD-Parteichef Sigmar Gabriel kann seinen Rückhalt auf 42 Prozent deutlich ausbauen (+7).

Peer Steinbrück verharrt hingegen im hinteren Mittelfeld: Mit seinem Wirken sind 37 Prozent zufrieden (+1). Er rangiert damit weiterhin deutlich hinter Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Der vermag seinen Rückhalt in der Bevölkerung auf 46 Prozent (+6) zu steigern und erreicht damit seinen besten Wert im Deutschlandtrend in seiner Funktion als Außenminister.

Trotz Merkels Popularität fällt die CDU/CSU in der Wählergunst zurück. Bei der Sonntagsfrage kommt die Union auf 40 Prozent, vor einem Monat waren es 42 Prozent. Die SPD stagniert bei 27 Prozent, die FDP bei vier Prozent. Die Grünen legen um einen Punkt auf 15 Prozent zu, die Linke verharrt bei sechs Prozent. Die Piraten werden bei vier Prozent (+1) taxiert. Auf dieser Basis gäbe es weder eine Mehrheit für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün. Mathematisch möglich wären eine große Koalition, eine schwarz-grüne Koalition und ein rot-grün-rotes Bündnis.

Die Mehrheit der Deutschen will offenbar keine Fortsetzung von Schwarz-Gelb. 60 Prozent sprechen sich für einen Regierungswechsel aus. Damit ist der Wunsch nach einem Wechsel der Regierungszusammensetzung so groß wie im September 2009 vor der letzten Bundestagswahl, als Union und SPD eine große Koalition bildeten. Das Vertrauen in die Regierung scheint irgendwann aufgebraucht.

Gespräch mit Brüderle auf "schlüpfriger" Ebene

Rainer Brüderles "Dirndl-Gate" hat nicht nur Ablehnung bei Talkshow-Gästen ausgelöst, auch bei den Bürgern ist seine Beliebtheit gesunken. Derzeit sind 28 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden – ein Minus von neun Punkten im Vergleich zur Umfrage vor drei Wochen.

Von der neuen personellen Aufstellung der FDP profitiert dagegen der Vorsitzende: Mit einer Zustimmung von 22 Prozent (plus fünf Punkte) verbessert sich das Ansehen Philipp Röslers deutlich, er bleibt aber Schlusslicht der abgefragten Politiker.

Ginge es allein um Brüderle, das FDP-Debakel hielte sich in Grenzen. Aber auch das Duo der Führung mit Brüderle und Rösler sehen die Deutschen skeptisch: Lediglich jeder dritte (32 Prozent) glaubt, dass die beiden die Erfolgschancen der Liberalen verbessern. Demgegenüber gehen 51 Prozent aller Wahlberechtigten davon aus, dass sich dies negativ auf das Abschneiden der FDP auswirken wird.

Um die Wogen zu glätten, heißt es bei den Liberalen jetzt: Frauen an die Front! Der FDP-Spitzenkandidat bekommt jetzt Flankenschutz von seiner Vizevorsitzenden, der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. In einem Interview des Deutschlandfunks sagte die FDP-Politikerin, Brüderle habe sich "absolut richtig" verhalten, man müsse "die Kirche im Dorf lassen". Zu Brüderles Äußerung, die von ihm angesprochene Journalistin könne "ein Dirndl füllen", sagte sie: "Ach, das war doch ein Kompliment. Das ist doch was anderes, als wenn jemand tatsächlich übergriffig wird."

Unterdessen berichtet im NDR-Politmagazin "Panorama 3" die ehemalige ARD-Hauptstadtkorrespondentin Gesine Enwaldt, Rainer Brüderle sei auch ihr gegenüber sexuell anzüglich geworden. Ein Gespräch mit ihm vor ein paar Jahren sei schnell auf eine "schlüpfrige" Ebene abgeglitten. Sie habe das damals als "extrem unangenehm" empfunden, den Vorfall anschließend aber verdrängt. Die ehemalige ARD-Hauptstadtkorrespondentin Hanni Hüsch ergänzt im selben Beitrag, unter ihren Kolleginnen sei es nicht "schicklich" gewesen, "mit dem in einem Zimmer alleine zu sein".

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