30.01.13

Handy-Betriebssystem

Das Blackberry Z10 lässt das iPhone 5 alt aussehen

Nach zwei Jahren strikter Geheimhaltung zeigt Blackberry, wie es gegen Apple und Co. bestehen will. Ein Kurztest der neuen Smartphones zeigt: Vor allem die Software ist streckenweise revolutionär.

Foto: AFP

Blackberry greift auf dem Smartphone-Markt wieder an.

10 Bilder

Das neue Smartphone-Betriebssystem Blackberry 10 hat mit der Software der alten Geräte kaum mehr etwas gemein. Erfreulich für Individualisten: Die neuen Geräte benötigen nicht mehr die Infrastruktur von Blackberry. Sie können unabhängig vom Enterprise Server genutzt werden.

Es muss nicht einmal ein Blackberry-Dienst beim Telekommunikationsanbieter gebucht werden. Die neuen Blackberrys verstehen sich mit den Plattformen von Google, Yahoo und Microsoft und lassen sich leicht mit ihnen verbinden.

Nicht, dass sich die Blackberrys von den IT-Abteilungen der Unternehmen abwenden wollten. Die Geräte lassen sich auch wie bisher einbinden. Für all jene, die ihren Blackberry sowohl privat als auch geschäftlich nutzen wollen, hat das neue System eine Lösung. Wird in der App-Ansicht über das Display von oben nach unten gewischt, kann der Nutzer zwischen der privaten und der geschäftlichen Nutzung wählen.

Der Hersteller nennt diese Funktion "Blackberry Balance". Diese Trennung ist tief in das Betriebssystem eingebaut, beide Teile sind sogar getrennt voneinander verschlüsselt. Es gibt keinerlei Austausch. Wer die geschäftliche Nutzung wählt, sieht nur die Anwendungen, die vom Arbeitgeber frei gegeben wurden.

Ein Gerät zum Wischen

Das Blackberry 10 ist auf das Wischen über das Display abgestimmt, als hätte RIM nie etwas anderes im Sinn gehabt. Ein Fingerwisch von links nach rechts öffnet immer den Blackberry Hub, in dem sich alle eingehenden Nachrichten befinden, egal ob E-Mail, SMS, Soziale Netzwerke oder Instant Messaging.

Facebook- und Twitter-Nachrichten lassen sich hier lesen, ohne dass die jeweilige App überhaupt geöffnet werden muss. Ein Wisch von rechts nach links öffnet den Task-Manager, in dem alle geöffneten Anwendungen angezeigt werden.

Das neue Betriebssystem ist Multitasking fähig, die Anwendungen werden also tatsächlich zugleich ausgeführt. Ein weiterer Wisch von rechts nach links öffnet die Übersicht der auf dem Gerät installierten Apps, die sich durch Antippen starten lassen. Wischt der Nutzer in einer App von unten nach oben, wird sie in den Hintergrund gelegt.

Z10 tritt gegen das iPhone an

Das nun vorgestellte Blackberry Z10 ist das Flaggschiff-Modell von Research In Motion, mit dem der Hersteller Apples iPhone 5 und Samsungs Galaxy S3 angreift. Im Kurztest machte das Gerät einen hochwertigen Eindruck. Die Rückseite ist mit einer rutschfesten Kunststoff-Oberfläche und einer Acht-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz versehen.

Die Kamera nimmt Fotos in Serie aus, so dass der Nutzer im Anschluss den besten Schuss auswählen und speichern kann.

An der rechten Seite sind Tasten für das Einstellen der Lautstärke und für die Sprachsteuerung, die in unserem Test gut funktionierte. Oben ist ein Knopf zum An- und Ausschalten des Gerätes, an der Seite befinden sich ein Mini-HDMI- und ein Mini-USB-Eingang.

Das Display misst 4,2 Zoll und verfügt über eine Auflösung von 1280 mal 768 Pixel, die Frontkamera macht ihre Aufnahmen mit zwei Megapixel. Die Sprachsteuerung macht einen soliden Eindruck. Aktiviert wird sie mit einem Knopf an der Seite. Auf Befehl per Sprache verschickt das Smartphone Kurznachrichten, wählt einen Kontakt aus dem Adressbuch oder startet die Musik-Anwendung.

Endlich ein brauchbarer Browser

Die Blackberrys wurden in der Vergangenheit immer wieder für ihre trägen Internet-Browser kritisiert. Hier hat Blackberry nachgelegt. Der nun eingebaute Browser arbeitet schnell und baut die Seiten zügig auf.

Die Karten-Anwendung auf dem Z10 verfügt auch über eine Navigation mit Sprachausgabe. Allerdings sehen die Karten nicht so elegant aus wie bei Google. Die Facebook-Anwendung hingegen ist kaum von der Anwendung auf dem iPhone zu unterscheiden.

Nach kurzer Eingewöhnung lässt sich die virtuelle Tastatur bestens bedienen. Sie macht Wortvorschläge über den Buchstaben, die durch ein kurzes Wischen nach oben akzeptiert werden. Das funktioniert auf Deutsch und Englisch, ohne dass die Sprache vorher gewählt werden muss. Das kann das Tippen enorm beschleunigen.

Der beliebte Blackberry Messenger (BBM) ist nun auch in der Lage, Videotelefonate zu führen. Außerdem lässt sich über ihn nun auch der Display-Inhalt teilen.

Blackberry bekommt neue Apps

Blackberry führt mit dem neuen System auch einige neue Apps ein. Blackberry Remember ist eine Art Gedächtnisspeicher, in dem Webadressen, Dokumente und sogar Sprachnotizen eingefügt werden können. Im Blackberry Story Maker können Fotos, Videos und Musik zusammengeführt werden. Das Ergebnis ist eine Präsentation, die auch verschickt werden kann.

Zum Start wird es für Blackberry 10 mehr als 70.000 Anwendungen geben, mehr als jedes andere Handy-Betriebssystem zum Start aufweisen konnte. Viele der wichtigsten Apps sind darunter: Skype, Twitter, Facebook, WhatsApp, Angry Birds, Kindle, LinkedIn, Soundhound, Box.

Die Kanadier hatten bereits in der vergangenen Woche ihre "Blackberry App World" in "Blackberry World" umbenannt, weil dort nun auch Musik und Videos angeboten werden.

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