24.01.13

Soziale Netzwerke

Facebooks neue Suche kann heikel werden

Der "Graph Search" liefert interessante Ergebnisse, aber auch fragwürdige Personen-Listen. Mancher Teilnehmer dürfte dadurch in Bedrängnis geraten, für andere kann es sogar gefährlich werden.

Foto: dapd

Mark Zuckerberg, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Facebook, präsentierte vergangene Woche die neue Suchfunktion „Graph Search“ am Unternehmenssitz im kalifornischen Menlo Park
Mark Zuckerberg, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Facebook, präsentierte vergangene Woche die neue Suchfunktion "Graph Search" am Unternehmenssitz im kalifornischen Menlo Park

Es hat schon Facebook-Teilnehmer gegeben, die haben den "Like"-Knopf für Rassismus gedrückt, weil sie die Musik von Roberto Blanco nicht mögen. Das ist unvorsichtig, nicht lustig, und wenn es ein Scherz gewesen sein soll, dann ein schlechter.

Wenn es aber ironisch gemeint war, lässt sich zumindest nicht auf eine rassistische Einstellung der Nutzer schließen. Mit Facebooks neuer Suchfunktion "Graph Search" aber landen die Teilnehmer genau in dieser Schublade.

Der Technologie-Blogger Tom Scott gehört zu den wenigen, die Graph Search schon ausprobieren durften, und er hat skurrile, zum Teil befremdliche Ergebnisse bekommen. Zum Beispiel eine Liste "derzeit bei einem Unternehmen Beschäftigte, die Rassismus mögen" – wie auch immer deren "Likes" zustande gekommen sind.

Gefunden werden Verheiratete, die Prostituierte mögen

Die Suche ist auf die vier Bereiche Personen, Fotos, Ort und Interessen beschränkt. Das reicht aus, um manch delikate, zum Teil belustigende Konstellation herzustellen und sich als Liste anzeigen zu lassen. Scott hat zahlreiche Beispiele dafür gesammelt: "Mütter von Juden, die Frühstücksspeck mögen" oder "Mütter von Katholiken, die Durex mögen", den Kondomhersteller.

Mit dabei sind auch "derzeit bei Tesco Beschäftigte, die Pferde mögen". Dahinter steckt eine Anspielung darauf, dass in Rindfleisch-Burgern einiger Filialen der Supermarktkette kürzlich Pferde-DNA gefunden wurde.

Heikler sind schon die Ergebnisse seiner Suche nach " weiblichen Singles, die in der Nähe leben, an Männern interessiert sind und gern betrunken sind". Oder die nach "Verheirateten Personen, die Prostituierte mögen", einschließlich einer Darstellung ihrer Partnerinnen.

Es kann durchaus sein, dass einige unter den Facebook-Nutzern sind, die Prostituierte in einem ganz anderen Zusammenhang, zum Beispiel beim Kampf um Anerkennung, unterstützen wollten. Zumindest ist das nicht auszuschließen.

Vorsicht bei Drücken des "Like"-Knopfes

Nach Ansicht Scotts kann Graph Search auch gefährlich werden, zum Beispiel mit der Suche nach "Iranischen Männern, die Männer mögen" oder nach "Moslems, die an Männern interessiert sind, die in Teheran leben". Scott mutmaßt, dass viele von ihnen an Gesprächen und Treffen interessiert sind, nicht aber an einem Date.

Doch wie iranische Behörden das sehen, ist ungewiss, in einem Land, in dem homosexuelle Handlungen strafbar sind. Auch die Ergebnisse der Suche nach "Familienmitgliedern von Personen, die in China leben und Falun Gong mögen" ist mehr als heikel: Mitglieder dieser religiösen Bewegung werden in China verfolgt.

Scotts Fazit: Facebook-Nutzer sollten ihre Privateinstellungen überprüfen, noch bevor Graph Search weltweit und für alle eingeführt wird, und sie sollten sich gut überlegen, wann sie den "Like"-Button bedienen. Ironie zumindest könnte fehl am Platz sein.

Facebook hat gegenüber dem "Guardian" darauf hingewiesen, dass Graph Search die vom Nutzer ausgewählten Einstellungen nicht verändert und auch nur das gezeigt wird, was auch sonst zu sehen ist und die Nutzer zugelassen haben. In der komprimierten und übersichtlichen Form von Graph Search bekommt das jedoch eine ganz neue Qualität.

Quelle: dapd
16.01.13 0:45 min.
Im Duell mit Google zieht Facebook einen neuen Trumpf aus dem Ärmel. Der Firmengründer Mark Zuckerberg schickt eine neue Suchfunktion ins Rennen. Sie heißt "Graph Search".
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