24.01.13

Peter Struck

Trauer um einen Parlamentarier aus Leidenschaft

Bei der Gedenkfeier der Friedrich-Ebert-Stiftung für den ehemaligen Verteidigungsminister Struck gab es bewegende Momente.

Von Florian Kain
Foto: dpa

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, hielt während einer Gedenkveranstaltung für Peter Struck eine bewegende Rede
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, hielt während einer Gedenkveranstaltung für Peter Struck eine bewegende Rede

Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so still war es, als Volker Kauder seine Ansprache auf Peter Struck in der Friedrich-Ebert-Stiftung mit den Worten beendete: "Er war ein feiner Kerl – ja, ich vermisse ihn". Die Gedenkfeier, die die Stiftung zu Ehren ihres am 19. Dezember so überraschend gestorbenen Vorsitzenden organisiert hatte, hatte einige solcher Momente, die wirklich unter die Haut gingen.

Peter Struck, der frühere SPD-Fraktionschef und Verteidigungsminister, wäre an diesem Donnerstag 70 Jahre alt geworden. Und viele waren der Einladung gefolgt, um sich zu diesem Termin noch einmal an den Mann zu erinnern, dessen Konterfei nun in schwarz-weiß über dem Podium prangte. Dabei lässt es die Hektik des Betriebs im Regierungsviertel selten, ja eigentlich fast nie zu, dass Politiker – und dann noch parteiübergreifend – für zwei Stunden zusammenfinden, um einfach nur gemeinsam innezuhalten. Aber Peter Struck hatte – und auch das ist selten in diesem Geschäft – viele Freunde, nicht nur Parteifreunde, sondern echte. Dieser Vormittag war – wie Kurt Beck, der designierte neue Vorsitzende der Stiftung, sagte, in diesem Sinn tatsächlich der Beweis, dass "Demokratinnen und Demokraten füreinander etwas empfinden über die Parteigrenzen hinweg".

"Geradlinigkeit" und "Herzenswärme" attestierte Altkanzler Gerhard Schröder seinem langjährigen Mitstreiter, mit dem er sich am Anfang mehr kabbelte als verstand, in seiner Ansprache. Mit einem "Basta" sei Struck nicht beizukommen gewesen. Viele Momente blieben jedenfalls unvergessen – wenn Struck etwa frühmorgens im Kanzleramt schon seine Pfeife geklopft und so in hektischen Situationen zur allgemeinen Beruhigung beigetragen habe. Wenn er hitzige Streitereien manchmal nur mit dem Satz beendete: "Kinder, jetzt hört mal auf!". Wenn er bei aller Kompromissbereitschaft immer auch kraftvoll für seine Überzeugungen eintrat. "Und ich weiß wahrlich, worüber ich hier rede", fügte Schröder da zur allgemeinen Erheiterung im Publikum an. Peter Struck sei eben ein leidenschaftlicher Parlamentarier gewesen, für den es nichts Schöneres und Ehrenhafteres gegeben habe, als Abgeordneter des Deutschen Bundestages zu sein.

Rezzo Schlauch, Ex-Fraktionschef der Grünen, erinnerte daran, wie Struck ihm nach der Wahl eröffnete: "Rezzo, nur dass Du es weißt, Du bist jetzt der zweitwichtigste Mann der Republik". Schließlich, so Strucks Überzeugung, seien Minister doch "Könige ohne Land, wenn wir die Mehrheiten nicht organsieren". Dazu passte es dann, dass Struck später, zu Zeiten der Großen Koalition, sogleich seinen neuen Konterpart, also Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU), darauf einschwor, dass jeder Minister, der Gesprächsbedarf anmelde, gefälligst in deren Bundestagbüros aufzuschlagen hätte – und nicht etwa umgekehrt.

Kauder beeindruckte diese Haltung, aber mehr noch, dass er sich auf Strucks Wort "immer verlassen konnte". Die Freundschaft, die zwischen den beiden entstand, ist legendär – genauso wie die Treppe, die man nachträglich eingebaut hatte, um die Bundestagsbüros der beiden miteinander zu verbinden. Dabei sei Struck immer auch an Privatem interessiert gewesen. Er habe darauf bestanden, ihn zu Hause zu besuchen, auch seine Frau kennenzulernen, um sich dann später mit dem trockenen Kommentar zu verabschieden: "Hätte ich Dir gar nicht zugetraut." Typisch Peter Struck eben.

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