23.01.13

Karnevalspreis

Schwaben verleihen Thierse die "Goldene Narrenschelle"

Ein schwäbischer Karnevalsverein sieht die Lästerei des Berliners mit Humor. Auch Thierse nimmt es nicht bierernst und kommt zur Verleihung.

Foto: dpa

Wolfgang Thierse (SPD) kann nun mit der „Goldenen Narrenschelle“ läuten
Wolfgang Thierse (SPD) kann nun mit der "Goldenen Narrenschelle" läuten

Am Anfang gab es die Sorge, ob Wolfgang Thierse die Chuzpe haben und zusagen würde, wie Roland Wehrle, der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), sagte. Schließlich wollte man den Bundestagsvizepräsidenten ja mit einer "Goldenen Narrenschelle" beehren, dieser nicht ganz ernst gemeinten Auszeichnung des Narrenverbandes, deren Ziel es ist, mit Augenzwinkern "den Torheiten des Alltags eine Schelle zu verpassen".

Keine Frage, worum es den Narren, die laut Vereinssatzung dem deutschen Michel das Lachen beibringen wollen, ging: Jene inzwischen legendären Lästereien, zu denen sich Thierse im Silvester-Interview der Berliner Morgenpost über die zugezogenen Schwaben in Prenzlauer Berg hatte hinreißen lassen. Doch nach einem Telefonat mit Baden-Württembergs Europaminister Peter Friedrich (SPD), der am Mittwochabend im Europa-Park Rust auch die Festrede auf Thierse hielt, erklärte sich der Berliner SPD-Politiker einverstanden. Denn die Veranstaltung am Mittwochabend gab ihm ja noch mal die Gelegenheit zu beweisen, dass es eben doch nur eine "unernste Nebensächlichkeit" gewesen war, die er da über die Schwaben mitgeteilt hatte, die nach Berlin kämen, weil hier alles so quirlig sei – und es dann doch bald wieder so haben wollten wie in ihrer "Kleinstadt mit Kehrwoche". Und kein Generalangriff.

>> Die Laudatio von Minister Peter Friedrich im Wortlaut

Thierse sagte dann auch: "Ich komme gerne, weil ich – gegen mancherlei Vorurteil – ein ziemlich humorvoller Mensch bin, wie ja auch meine lockeren, ironischen Bemerkungen zu den Schwaben zeigen." Vermutlich hätten die "allermeisten Empörten" sein "langes Interview" gar nicht gelesen, erklärte sich Thierse die mehr als 3000 Hass-Mails, die ihn seitdem erreicht haben. Ganz abgesehen von den wütenden Reaktionen prominenter Schwaben wie Günther Oettinger & Co.

Das wiederum war auch Peter Friedrich aufgefallen, der sich vorgenommen hatte, nun "vieles durch Humor zu lösen, was an Irritationen entstanden ist". Und das sollte gelingen. Denn Friedrich nahm in seiner launigen Rede die Blüten, die der "Schwabenkrieg" getrieben hatte, liebevoll-genüsslich aufs Korn: "Grad die, die keiner gerne hört, haben sich besonders laut empört ... Wolfgang, Deine Worte wurden Inspiration für eine gigantische Konfusion." Dabei wisse in Baden "doch jedes Kind, dass d'Schwaben sehr sensibel sind, was immer du dir denksch dabei, das war e pure Narretei." Diese Reime wiederum erfreuten Thierse, der die Narrenschelle als "Zeichen der preußisch-schwäbischen Versöhnung" annahm.

>> Die Laudatio von Minister Peter Friedrich im Wortlaut

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