17.01.13

Terrorangriff

Nervenkrieg um ausländische Geiseln in Algerien

Al-Qaida hält 41 Geiseln auf einem algerischen Erdgasfeld – unter ihnen viele Norweger und US-Amerikaner. Algerien will mit den Terroristen nicht verhandeln. Ein Brite wurde kaltblütig erschossen.

Quelle: Reuters
17.01.13 0:40 min.
Die islamistischen Entführer erklären, sie hätten 41 Ausländer in der Gewalt. Das sei eine Vergeltung dafür, dass Algerien Frankreich Überflugrechte bei der Intervention in Mali gewährt habe.

Die blutige Geiselnahme auf einem Erdgasfeld in Algerien entwickelt sich zum Nervenkrieg. Regierungstruppen blockierten am Donnerstagmorgen weiterhin den Fluchtweg der Extremisten und kesselten sie mit Soldaten und Hubschraubern ein. Zuvor hatten die Islamisten nach eigenen Angaben 41 Ausländer auf dem Gelände im Süden des Landes in ihre Gewalt gebracht, mindestens zwei wurden getötet.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta sprach von einem "Terroranschlag" und drohte mit Gegenmaßnahmen, ohne diese näher zu erläutern. Die algerische Regierung lehnt Verhandlungen mit den ringsum belagerten Geiselnehmern kategorisch ab.

Inzwischen haben die Regierungen Irlands, Norwegens, Großbritanniens, Japans und der USA bestätigt, dass Staatsbürger ihrer Länder gefangen genommen wurden. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe geißelte den Überfall als "unverzeihlich".

Zu dem Angriff bekannte sich laut einem Bericht der mauretanischen Nachrichtenagentur NIA die dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestehende "Maskierte Brigade" des einäugigen Extremistenführers Moktar Belmoktar. Zuvor hatte Algerien der französischen Luftwaffe wegen ihres Kampfes gegen die Rebellen im benachbarten Mali Überflugrechte gewährt und sich damit den Zorn der Islamisten zugezogen.

Extremisten drohen mit globalisiertem Konflikt

"Die Vereinten Nationen haben grünes Licht für diese Intervention gegeben, und alle westlichen Länder werden den Preis dafür zahlen", sagte ein Vertrauter Belmoktars der Nachrichtenagentur AP. "Jetzt tragen wir unseren Konflikt in die Welt hinaus."

Der algerische Innenminister Daho Ould Kabila sprach lediglich von "ungefähr 20" Geiseln, eine genaue Zahl ist schwer zu ermitteln. Durch die Regierungen ihrer Heimatländer definitiv bestätigt ist die Verwicklung von sieben amerikanischen und 13 norwegischen Geiseln. Nach Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur wurden auch Hunderte algerische Arbeitskräfte gefangen genommen, später aber nach und nach unversehrt freigelassen.

Der Erdgaskomplex Ain Amenas, auf dem sich das Geiseldrama abspielt, liegt 1300 Kilometer südlich der Hauptstadt Algiers tief in der Sahara-Wüste, unmittelbar an der libyschen Grenze. Der britische Ölkonzern BP betreibt das Gasfeld zusammen mit dem norwegischen Energiekonzern Statoil und dem algerischen Staatsunternehmen Sonatrach. Die japanische Firma JGC Group ist als Dienstleister vor Ort.

Algerische Regierung lehnt jegliche Verhandlungen ab

Nach algerischen Regierungsangaben hatten 20 schwer bewaffnete Angreifer in drei gepanzerten Fahrzeugen am Mittwoch zunächst einen Bus mit Mitarbeitern der Gasanlage attackiert, der auf dem Weg zum nahegelegenen Flughafen war.

Unter den Opfern sind demnach ein Brite und ein Algerier, hinzu kommen sechs Verletzte, darunter ebenfalls zwei Briten und ein Norweger. Örtlichen Medienberichten zufolge soll es bereits erste Gefechte zwischen den Streitkräften und den Extremisten gegeben haben. Die britische Regierung hat inzwischen den Tod eines Landsmannes bestätigt und von "kaltblütigem Mord" gesprochen.

"Algerien wird nicht auf die Forderungen von Terroristen eingehen und lehnt jegliche Verhandlungen ab", sagte Kabila und nährte damit Spekulationen über eine gewaltsame Geiselbefreiung. Meldungen wonach die Angreifer aus Mali oder Libyen stammen sollen, wies er zurück.

Algerien ist das größte Land auf dem afrikanischen Kontinent und gilt als Verbündeter der USA und Frankreichs im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Die Beziehungen zwischen Algiers und Paris sind allerdings latent belastet durch die jahrzehntelangen Spannungen mit der früheren Kolonialmacht und den blutigen Unabhängigkeitskrieg vor 50 Jahren.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

BVG-Tarifverhandlungen stehen vor einer kritischen Runde
13:43Kritische Tarifrunde
Bei der BVG laufen bereits Vorbereitungen für einen Streik

In Berlin drohen neue Streiks im Nahverkehr. Am Dienstag treffen sich die Gewerkschaft und die BVG-Arbeitgeberseite, um über noch einmal über den Tarifvertrag zu beraten, Streikvorbereitungen laufen. mehr...


Eine Sambatänzerin beim Festumzug des Karnevals der Kulturen der Welt teil
11:34Umzug in Kreuzberg
Karneval der Kulturen - So feierte Berlin seine Vielfalt

Pfingsten ist die Zeit der Berliner Version des Karnevals: Am Sonntag zeigte sich Kreuzberg besonders bunt - beim großen Umzug. Rund 700.000 Menschen feierten mit. Das Fest in Bildern und Videos. mehr...


Der BER war vor allem wegen Mängeln beim Brandschutz nicht gestartet - die zuständige Behörde hatte die Genehmigung der Anlage verweigert
13:07Brandschutzanlage
Am BER startet das erste Umbauprojekt seit Mehdorns Antritt

Wann der BER eröffnet, ist noch immer völlig unklar. Nun soll zumindest ein großes Manko beseitigt werden: Die Sprinkleranlage wird umgebaut, statt einer zentralen soll es drei separate Anlagen geben. mehr...


2011 hatten sich noch alle lieb - Berlins Piraten nach ihrem Einzug ins Abgeordnetenhaus
14:29Abgeordnetenhaus
Neuer Krach bringt Berliner Piraten vor eine Zerreißprobe

Fraktionschef Lauer beschuldigt Parteifreunde, Gerüchte gegen ihn zu streuen. Er droht dem oder der Schuldigen mit Rauswurf. Susanne Graf, die einzige Frau der Fraktion, wirft ihm "Angstmache" vor. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
Unwetter Starke Tornados verwüsten vier US-Bundesstaaten
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Zweite Liga

Die Aufstiegsfeier von Hertha

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote