09.01.13

Bischofskonferenz

Katholische Kirche stoppt Aufklärung von Missbrauch

Es sollte eine umfassende Offenlegung vom Missbrauch in der katholischen Kirche werden. Doch diese weigert sich, ihre Daten offenzulegen.

Foto: dapd

Die Bischofskonferenz stellt sich gegen eine volle Aufklärung der Missbrauchsfälle
Die Bischofskonferenz stellt sich gegen eine volle Aufklärung der Missbrauchsfälle

Das Forschungsprojekt zur Untersuchung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche ist vorerst gescheitert.

Wie die Deutsche Bischofskonferenz am Mittwochmorgen erklärte, wurde der Vertrag mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) "aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung" gekündigt.

Die Kirche suche nun einen "anderen Vertragspartner" für die Fortsetzung des Projekts.

Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte in ihrer Mittwochausgabe den Direktor des KFN, Christian Pfeiffer, der schwere Vorwürfe gegen die katholische Kirche erhob. Das Projekt sei "an den Zensur- und Kontrollwünschen der Kirche gescheitert".

Kirche wollte Zensur

Entgegen der ursprünglichen Vereinbarung habe die Kirche darauf beharrt, über die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse sowie über die Auswahl der beteiligten Mitarbeiter mitbestimmen zu dürfen.

Der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) und das Forschungsinstitut hatten im Juli 2011 das Projekt vertraglich vereinbart. Laut KFN war es als weltweit umfassendste Untersuchung zu dem Thema angelegt. Akten aller Diözesen sollten teilweise seit Kriegsende auf Missbrauchsfälle untersucht und sämtliche Opfer schriftlich befragt werden. Zudem waren Interviews mit Opfern und Tätern geplant.

Der Zeitung zufolge forderte der VDD Änderungen an den Vereinbarungen, wonach die Kirche letztlich darüber hätte bestimmen können, ob die Ergebnisse veröffentlicht oder nie bekannt werden. Pfeiffer sagte am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin", dies sei für einen Doktoranden "inakzeptabel".

Er rief die mutmaßlichen Missbrauchsopfer zudem auf, sich nun freiwillig zu melden, um das Projekt fortführen zu können. Dazu sollten entsprechende Fragebögen verschickt werden.

Scharfe Kritik von Opferverbänden

Das Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt (netzwerkB) hat die Position der katholischen Kirche bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals kritisiert. "Die Kirche ist noch nicht so weit sich zu öffnen", teilte der Verband mit.

Der Vorsitzende des Opferverbandes, Norbert Denef, erklärte derweil, dass das Prinzip der freiwilligen Selbstverpflichtung nicht greife. Er forderte eine gesetzliche Reform mit einer Anzeige und Meldepflicht von Missbrauch.

2010 erschütterte das Bekanntwerden eines Missbrauchsskandals am Canisius-Kolleg in Berlin die Kirche. Im Jahr 2011 wurde das Forschungsinstitut damit beauftragt, sexuelle Übergriffe an Minderjährigen durch Mitarbeiter der katholischen Kirche wissenschaftlich zu untersuchen.

Quelle: dpa/dapd/oje
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