03.01.13

Trauerfeier

Familie und Freunde nehmen Abschied von Peter Struck

Hunderte kamen ins niedersächsische Uelzen, um sich in einer Trauerfeier von dem SPD-Politiker zu verabschieden.

Foto: dapd

In Uelzen kamen Hunderte zur Trauerfeier für den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Peter Struck zusammen. Ein großes Bild Strucks schmückte die Kirche, daneben der Kranz seiner Frau Brigitte.

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Einigen stehen die Tränen in den Augen. Hunderte sind am Donnerstag zur Kirche St. Marien gekommen, um Abschied zu nehmen von Peter Struck. Er war am 19. Dezember 2012 im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.

Hier in Uelzen war er fest verwurzelt, einer von ihnen. Bevor er Karriere gemacht hat in Bonn und Berlin, als Abgeordneter, Verteidigungsminister und Chef der SPD-Bundestagsfraktion, da war er hier Stadtrat und stellvertretender Stadtdirektor. Von hier aus steuerte der geradlinige Parteisoldat mit Schnauzbart, Pfeife und Hang zum Klartext gerne seine schwere Maschine über die niedersächsischen Landstraßen. Und in den nur drei verbliebenen Jahren nach dem Rückzug aus der Bundespolitik war er wieder einer von ihnen, fast jeder kann von einer Begegnung berichten.

Angehörige, Freunde, Politiker und Soldaten sind am Donnerstag zur Trauerfeier gekommen. Hinter den Absperrungen Hunderte Bürger, die in der schlichten gotischen Kirche keinen Platz mehr gefunden haben. "Wir sind Biker, wir haben viele Touren gemacht", sagt Detlef Renner, der im Nieselregen in der ersten Reihe hinter den Absperrungen steht. "Peter war ein unwahrscheinlich guter Kamerad", schiebt der 70-Jährige traurig hinterher.

In einem der wenigen Interviews nach seiner Zeit als Verteidigungsminister hat Struck sich mehr Zeit für seine Familie gewünscht – für seine Ehefrau Brigitte, die in Uelzen jahrelang stellvertretende Bürgermeisterin war, die drei erwachsenen Kinder und seine acht Enkel. Viel Zeit ist nicht geblieben.

"Er war ein Typ: knorrig, rau, herzlich, direkt, humorvoll"

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) würdigt in der Trauerfeier Disziplin und Menschlichkeit des Sozialdemokraten. "Dieser scheinbar locker lässige Mann war ein Mensch voller Disziplin und gleichzeitig voller Empfindsamkeit", sagt der CDU-Politiker. "Er war ein Typ: knorrig, rau, herzlich, direkt, humorvoll – auch scharf."

De Maizière vertritt die Bundesregierung, nachdem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) abgesagt hat. Sie hatte es nicht einfach mit Struck als SPD-Fraktionschef zu Zeiten der großen Koalition zwischen 2005 und 2009. "Die CDU kann mich mal", hat Struck etwa gepoltert. Das wurde zu einem seiner bekanntesten Aussprüche neben dem klaren Bekenntnis zum Einsatz der Bundeswehr auch in Afghanistan. "Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt", erklärte er 2002.

SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier nennt Struck in seiner Rede einen "Glücksfall für die parlamentarische Demokratie in Deutschland". Er sei ein großartiger Mensch gewesen.

Zu Beginn der Trauerfeier haben die Angehörigen in der St. Marien-Kirche Abschied genommen, für den offiziellen Teil werden dann die Fernsehkameras zugeschaltet. Auch die beiden Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder (beide SPD) sind gekommen, außerdem Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, SPD-Chef Sigmar Gabriel und Unionsfraktionschef Volker Kauder.

Beisetzung Strucks später im engsten Familienkreis

Die Bundeswehr hält Totenwache und stellt ein sogenanntes Großes Ehrengeleit mit sechs Generälen. Vor der Kirche, wo eine Ehrenkompanie des Wachbataillons wartet, spielt ein Musikkorps der Bundeswehr anschließend das "Ave verum" von Wolfgang Amadeus Mozart und die Nationalhymne. Am Ende tragen sechs Soldaten den Sarg entlang der Ehrenformation zum Leichenwagen; ein Trompeter bläst das alte Militärlied "Ich hatte einen Kameraden", das auch zum Abschied von Gefallenen erklingt.

Nicht nur Peer Steinbrück muss mit den Tränen kämpfen. Eine Ehreneskorte von Feldjägern auf ihren Maschinen begleitet dann den abfahrenden Wagen mit dem Sarg des passionierten Motorradfahrers bis er hinter einer Kurve verschwunden ist.

Die Beisetzung Strucks soll später im engsten Familienkreis stattfinden, der Termin wird nicht genannt. "Wir haben ihn so geliebt", heißt es in der Traueranzeige der Familie nur. Oft ist Großes ganz einfach und schlicht.

Quelle: dpa/sei
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