01.01.2013, 13:32

Umfrage Die Deutschen gehen optimistisch ins Jahr 2013

Di, 01.01.2013, 11.18 Uhr

Im Jahr der Bundestagswahl fällt die Praxisgebühr weg, Hartz-IV-Empfänger erhalten mehr Geld und Mini-Jobber dürfen wieder mehr verdienen. Das und viel mehr erwartet die Bundesbürger im Jahr 2013.

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Von Carsten Dierig

Die Euro-Krise kann die Zuversicht der Deutschen für das Jahr 2013 nicht dämpfen. Sorgen machen den Bürgern vielmehr die Energiepreise.

Euro-Krise, Rezessionsängste, Inflationssorgen: Das Jahr 2012 war von vielen wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt, die die Deutschen auch 2013 nicht loslassen werden. Dem Optimismus vieler Menschen hierzulande kann das aber nichts anhaben: Drei von vier Bundesbürgern sehen positiv in die Zukunft, heißt es in einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Ernst&Young, die der "Welt" vorliegt.

"Die europäische Schuldenkrise mit ihren Unsicherheiten ist in der Wahrnehmung der Verbraucher fast schon Normalität", begründet Studienautor Thomas Harms die gute Stimmung. Und solange sie keine negativen persönlichen Konsequenzen spüren würden, bleibe die Krise daher relativ abstrakt und weit weg.

Zahl der Optimisten könnte noch steigenTatsächlich zeigt sich ein Großteil der Deutschen mit der eigenen finanziellen und wirtschaftlichen Lage zufrieden. 41 Prozent bewerten sie als gut. Zu Beginn des vergangenen Jahres lag dieser Wert noch bei 37 Prozent, Anfang 2008 sogar nur bei 24 Prozent. Gleichzeitig hat sich in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Unzufriedenen auf zehn Prozent halbiert.

Und die Zahl der Optimisten könnte im Jahresverlauf noch weiter steigen. Denn schon gut jeder fünfte Bundesbürger geht von einer Verbesserung seiner persönlichen Finanzlage aus. Bei den jungen Verbrauchern unter 35 Jahren ist es sogar fast jeder zweite.

Aufgeteilt nach Einkommensklassen sind es vor allem die Gutverdiener, die mit Vorfreude auf das neue Jahr blicken. Während in den Haushalten mit einem Nettoeinkommen von mehr als 50.000 Euro 31 Prozent mit einer besseren persönlichen Finanzlage rechnen, sind es in der Einkommensklasse unter 25.000 Euro nur noch 20 Prozent. Insgesamt erwarten die Verbraucher für 2013 ein Einkommensplus von durchschnittlich 0,3 Prozent.

Stabiler Arbeitsmarkt macht zufriedenHauptgrund für die allgemein große Zuversicht ist der Umfrage zufolge der stabile Arbeitsmarkt in Deutschland. Immerhin 88 Prozent der 2000 befragten Konsumenten glauben, dass der eigene Job sicher ist. 57 Prozent halten ihn sogar für sehr sicher – mehr als je zuvor seit Beginn der Erhebung im Jahr 2008.

"Verbraucherzufriedenheit und Konsumbereitschaft fußen zu einem hohen Anteil auf Arbeitsplatzsicherheit", erklärt Experte Harms. Diese Zufriedenheit erweise sich daher als stabilisierender Faktor in der aktuellen Schwächephase der Konjunktur.

Das hatte sich gerade erst im Weihnachtsgeschäft gezeigt. Laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) haben die Bundesbürger in den Wochen vor dem Fest für 80,4 Milliarden Euro eingekauft, das waren nominal 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Deutsche sehen schwarz für KonjunkturUnd das obwohl die Verbraucher für Deutschland insgesamt eher schwarz sehen. Nur 13 Prozent der Konsumenten sind der Überzeugung, dass sich die Wirtschaftslage in der Bundesrepublik im neuen Jahr verbessern wird, 38 Prozent rechnen dagegen mit einer Verschlechterung. Als Grund nennen sie neben der europäischen Schuldenkrise auch die hohen Energiepreise.

Ein Widerspruch zur geringen Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes muss das aber nicht sein. Das zeigt der Umgang mit der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009. "Die Unternehmen konnten die Krise so gut meistern, weil sie die Beschäftigung weitgehend stabil gehalten haben", sagt Thomas Harms. "Im Aufschwung 2010 konnten sie dann mit eingespielten Teams an den Start gehen und direkt von dem starken Anstieg der weltweiten Nachfrage profitieren." Der Experte von Ernst&Young rechnet daher auch jetzt damit, dass die Unternehmen alles daran setzen werden, Entlassungen zu vermeiden.

Vorsicht bei GroßanschaffungenDennoch wollen die Deutschen 2013 zunächst Vorsicht walten lassen, zumindest bei großen Einzelanschaffungen. Jeder zweite will auf größere Investitionen wie den Kauf eines Autos verzichten, und auch Renovierungen müssen warten. Im Kleinen dagegen wollen es sich die Verbraucher der Umfrage zufolge gut gehen lassen.

"Konsumverzicht steht nicht auf der Tagesordnung. Im Gegenteil: Die Menschen wollen sich durchaus etwas gönnen", sagt Harms, der bei Ernst&Young das Handelsteam leitet. Bei Kleidung zum Beispiel dürfte das Geld eher locker sitzen. Und für Lebensmittel wollen die Deutschen sogar deutlich mehr Geld ausgeben. "In der Gesellschaft sind die Ansprüche an Qualität und Herkunft von Lebensmitteln gestiegen. Das schlägt sich natürlich im Preis nieder."

Sorge um hohe EnergiepreiseZu einer Gefahr für Stimmung und Konsumlaune könnten in den kommenden Monaten aber die hohen Energiepreise werden. Die stehen im Sorgen-Ranking der Konsumenten ganz oben. Immerhin 85 Prozent der Befragten haben Angst vor steigenden Benzin-, Strom- und Heizkosten.

"Die Energiepreise stellen für die deutschen Haushalte eine erhebliche Belastung dar – und deswegen auch eine Gefahr für die Konjunktur", bestätigt Harms. "Denn was die Menschen für eine Tankfüllung ausgeben, steht an anderer Stelle nicht mehr für den privaten Konsum zur Verfügung." Der aber dürfte als Stütze der Binnenkonjunktur auch im Jahr 2013 sehr wichtig sein.

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