01.01.13

Umfrage

Die Deutschen gehen optimistisch ins Jahr 2013

Die Euro-Krise kann die Zuversicht der Deutschen für das Jahr 2013 nicht dämpfen. Sorgen machen den Bürgern vielmehr die Energiepreise.

Von Carsten Dierig
Quelle: dapd
01.01.13 1:41 min.
Im Jahr der Bundestagswahl fällt die Praxisgebühr weg, Hartz-IV-Empfänger erhalten mehr Geld und Mini-Jobber dürfen wieder mehr verdienen. Das und viel mehr erwartet die Bundesbürger im Jahr 2013.

Euro-Krise, Rezessionsängste, Inflationssorgen: Das Jahr 2012 war von vielen wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt, die die Deutschen auch 2013 nicht loslassen werden. Dem Optimismus vieler Menschen hierzulande kann das aber nichts anhaben: Drei von vier Bundesbürgern sehen positiv in die Zukunft, heißt es in einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Ernst&Young, die der "Welt" vorliegt.

"Die europäische Schuldenkrise mit ihren Unsicherheiten ist in der Wahrnehmung der Verbraucher fast schon Normalität", begründet Studienautor Thomas Harms die gute Stimmung. Und solange sie keine negativen persönlichen Konsequenzen spüren würden, bleibe die Krise daher relativ abstrakt und weit weg.

Zahl der Optimisten könnte noch steigenTatsächlich zeigt sich ein Großteil der Deutschen mit der eigenen finanziellen und wirtschaftlichen Lage zufrieden. 41 Prozent bewerten sie als gut. Zu Beginn des vergangenen Jahres lag dieser Wert noch bei 37 Prozent, Anfang 2008 sogar nur bei 24 Prozent. Gleichzeitig hat sich in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Unzufriedenen auf zehn Prozent halbiert.

Und die Zahl der Optimisten könnte im Jahresverlauf noch weiter steigen. Denn schon gut jeder fünfte Bundesbürger geht von einer Verbesserung seiner persönlichen Finanzlage aus. Bei den jungen Verbrauchern unter 35 Jahren ist es sogar fast jeder zweite.

Aufgeteilt nach Einkommensklassen sind es vor allem die Gutverdiener, die mit Vorfreude auf das neue Jahr blicken. Während in den Haushalten mit einem Nettoeinkommen von mehr als 50.000 Euro 31 Prozent mit einer besseren persönlichen Finanzlage rechnen, sind es in der Einkommensklasse unter 25.000 Euro nur noch 20 Prozent. Insgesamt erwarten die Verbraucher für 2013 ein Einkommensplus von durchschnittlich 0,3 Prozent.

Stabiler Arbeitsmarkt macht zufriedenHauptgrund für die allgemein große Zuversicht ist der Umfrage zufolge der stabile Arbeitsmarkt in Deutschland. Immerhin 88 Prozent der 2000 befragten Konsumenten glauben, dass der eigene Job sicher ist. 57 Prozent halten ihn sogar für sehr sicher – mehr als je zuvor seit Beginn der Erhebung im Jahr 2008.

"Verbraucherzufriedenheit und Konsumbereitschaft fußen zu einem hohen Anteil auf Arbeitsplatzsicherheit", erklärt Experte Harms. Diese Zufriedenheit erweise sich daher als stabilisierender Faktor in der aktuellen Schwächephase der Konjunktur.

Das hatte sich gerade erst im Weihnachtsgeschäft gezeigt. Laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) haben die Bundesbürger in den Wochen vor dem Fest für 80,4 Milliarden Euro eingekauft, das waren nominal 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Deutsche sehen schwarz für KonjunkturUnd das obwohl die Verbraucher für Deutschland insgesamt eher schwarz sehen. Nur 13 Prozent der Konsumenten sind der Überzeugung, dass sich die Wirtschaftslage in der Bundesrepublik im neuen Jahr verbessern wird, 38 Prozent rechnen dagegen mit einer Verschlechterung. Als Grund nennen sie neben der europäischen Schuldenkrise auch die hohen Energiepreise.

Ein Widerspruch zur geringen Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes muss das aber nicht sein. Das zeigt der Umgang mit der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009. "Die Unternehmen konnten die Krise so gut meistern, weil sie die Beschäftigung weitgehend stabil gehalten haben", sagt Thomas Harms. "Im Aufschwung 2010 konnten sie dann mit eingespielten Teams an den Start gehen und direkt von dem starken Anstieg der weltweiten Nachfrage profitieren." Der Experte von Ernst&Young rechnet daher auch jetzt damit, dass die Unternehmen alles daran setzen werden, Entlassungen zu vermeiden.

Vorsicht bei GroßanschaffungenDennoch wollen die Deutschen 2013 zunächst Vorsicht walten lassen, zumindest bei großen Einzelanschaffungen. Jeder zweite will auf größere Investitionen wie den Kauf eines Autos verzichten, und auch Renovierungen müssen warten. Im Kleinen dagegen wollen es sich die Verbraucher der Umfrage zufolge gut gehen lassen.

"Konsumverzicht steht nicht auf der Tagesordnung. Im Gegenteil: Die Menschen wollen sich durchaus etwas gönnen", sagt Harms, der bei Ernst&Young das Handelsteam leitet. Bei Kleidung zum Beispiel dürfte das Geld eher locker sitzen. Und für Lebensmittel wollen die Deutschen sogar deutlich mehr Geld ausgeben. "In der Gesellschaft sind die Ansprüche an Qualität und Herkunft von Lebensmitteln gestiegen. Das schlägt sich natürlich im Preis nieder."

Sorge um hohe EnergiepreiseZu einer Gefahr für Stimmung und Konsumlaune könnten in den kommenden Monaten aber die hohen Energiepreise werden. Die stehen im Sorgen-Ranking der Konsumenten ganz oben. Immerhin 85 Prozent der Befragten haben Angst vor steigenden Benzin-, Strom- und Heizkosten.

"Die Energiepreise stellen für die deutschen Haushalte eine erhebliche Belastung dar – und deswegen auch eine Gefahr für die Konjunktur", bestätigt Harms. "Denn was die Menschen für eine Tankfüllung ausgeben, steht an anderer Stelle nicht mehr für den privaten Konsum zur Verfügung." Der aber dürfte als Stütze der Binnenkonjunktur auch im Jahr 2013 sehr wichtig sein.

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So entwickeln sich die Lebensmittelpreise
  • Experte

    Felix Jerschabek ist Experte für Rohstoffe und deren Preise beim Kölner Beratungsunternehmen Inverto. Er analysiert die Entwicklung von sechs Grundprodukten.

  • Weizen

    Der Weizenpreis stieg in diesem Jahr von 200 auf 260 Euro pro Tonne und lag damit knapp unter dem Allzeithoch von 280 Euro. Schlechte Ernten lösten den Anstieg aus. „Eigentlich hätte Mehl deshalb deutlich teurer werden müssen. Aber genau das Gegenteil passierte: Der Preis sank leicht“, sagt Felix Jerschabek. Als Grund sieht er den knallharten Wettbewerb der Mühlenunternehmen. Dass das auch 2013 so bleibt, ist seiner Meinung nach aber eher unwahrscheinlich: Und dann werden auch Tiefkühl-Pizzen teurer.

  • Eier

    „Bei Eiern erwarten wir 2013 eher leichte Preissenkungen, obwohl die Futterkosten für die Hühner weiterhin sehr hoch sind“, sagt Jerschabek. Dabei waren die Preise Anfang 2012 noch um 30 bis 40 Prozent gestiegen. Denn die Erzeuger hatten die Hühnerhaltung aufgrund gesetzlicher Vorschriften umgestellt. Dabei sei es zu Kapazitätsengpässen gekommen. „Die werden derzeit behoben, so dass die Preise weiter sinken werden.“

  • Zucker

    Während die Zuckerpreise an den Weltbörsen stark schwanken, tut sich in der Europäischen Union fast nichts. „Die EU hat ihren Zuckermarkt weitgehend abgeschirmt. Die Volatilität auf dem Weltmarkt hat praktisch keine Auswirkungen.“ Preistreibend könnte eher etwas anderes wirken: Es gibt gar nicht so viel Zucker in der EU, wie die Industrie – insbesondere die Süßwarenhersteller – braucht. Das Zuckerregime läuft noch bis 2015 – erste Politiker machen sich bereits für eine Verlängerung bis 2020 stark. Die Bio-Spritproduktion zieht zudem große Mengen Zucker vom Markt ab.

  • Milch

    Bei Milch hat die steigende Nachfrage aus Asien drastische Folgen. Die Chinesen importieren alles, was sie bekommen können. Nach dem Milchpulverskandal vor drei Jahren vertrauen sie heimischen Produkten nicht mehr. „China steigerte seinen Import zuletzt um 20 Prozent, die Weltproduktion stieg aber nur um fünf Prozent. Das bedeutet, dass anderswo Märkte leergesaugt werden.“ Noch ist Milch in Europa billig. „Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass der Milchpreisanstieg auf Dauer über der allgemeinen Preissteigerung liegen wird.“ Diese Entwicklung wird sich auch auf Butter, Käse oder Joghurt übertragen.

  • Schweinefleisch

    Mitte 2012 war der Preis pro Kilo Schlachtfleisch auf das Rekordniveau von 1,80 Euro pro Kilo gestiegen, gleichzeitig wuchs die Nachfrage der Asiaten deutlich. Dennoch hat sich der Preis für Schweinefleisch bei uns bisher kaum erhöht. Denn: „Die Chinesen lieben Schweinerüssel, -ohren und andere Teile, die bei uns bisher allenfalls für das Hundefutter verwendet wurden.“ Das könnte allerdings dazu führen, dass nun wiederum das Hundefutter in Deutschland teurer wird. „Wir glauben wegen dieser neuen zusätzlichen Nachfrage aber nicht an Preissteigerungen bei Schweinefleisch im Jahr 2013.“

  • Kaffee

    „Für Kaffee erwarten wir wieder steigende Preise im Jahr 2013.“ Nach Werten um vier Euro pro Kilo Arabica Rohkaffee war der Preis zuletzt aufgrund guter Ernten auf 2,30 bis 2,40 Euro gefallen. „Jetzt allerdings hatten wir durch Stürme wie „Sandy“ Schäden an Kaffeelagern.“ Das werde den Preis wieder steigen lassen, aber nicht mehr auf das Niveau vor den jüngsten guten Ernten. „Auf dem Kaffeemarkt hat der Kunde allerdings so viel Auswahlmöglichkeit unter verschiedenen Preisklassen wie bei kaum einem anderen Produkt: Die Premiummarken sind bis zu zehnmal so teuer wie die Produkte beim Discounter.“ sl

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