30.12.12

SPD

Peer Steinbrück – Und täglich grüßt das Fettnäpfchen

Der SPD-Kanzlerkandidat beklagt das karge Kanzlergehalt und Merkels angeblichen Frauenbonus. Die Partei ist irritiert.

Von Jörg Blank
Foto: dapd

Sagen Sie jetzt nichts: Für seine Anmerkungen erntet SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück erneut Widerspruch aus den eigenen Reihen
Sagen Sie jetzt nichts: Für seine Anmerkungen erntet SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück erneut Widerspruch aus den eigenen Reihen

Ob sich Peer Steinbrück so den Jahresausklang gewünscht hat? Viele in seiner SPD wohl sicher nicht. Gerade ist die monatelange Debatte über Steinbrücks Millionenhonorare für Vorträge bei Banken, Investmenthäusern und den Stadtwerken Bochum einigermaßen verraucht. Da zündet der SPD-Kanzlerkandidat zum Jahresausklang einen Kracher, der ins neue Jahr hineinhallen dürfte. Schon wieder geht's ums Geld – und um die Frauen.

Viele weibliche Wähler, bei denen Steinbrück bekanntermaßen ohnehin nicht besonders gut ankommt, dürften angesichts der Wortwahl des Kandidaten irritiert sein. Die Kanzlerin "ist beliebt, weil sie einen Frauenbonus hat", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Auch was die Rolle seiner Frau Gertrud betrifft, gibt sich Steinbrück offen: Im Wahlkampf werde sie "sehr selten in Erscheinung treten". Und schiebt – angesichts seiner langen Ehe – gleich nach, warum: "Das Risiko, dass meine Frau eine flammende Rede auf mich hält, würde ich auch lieber nicht eingehen."

Und dann also das Geld. Genauer gesagt das Gehalt für Bundeskanzler. Laut Peer Steinbrück ist es viel zu niedrig. "Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig – gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt", konstatiert der Mann, der Angela Merkel (CDU) ablösen will, in der "FAS". "Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin."

Wasser auf die Mühlen der Kritiker

Knapp 18.000 Euro verdient Angela Merkel im Monat. Im Vergleich zu den Spitzengehältern in der Wirtschaft durchaus ein Klacks. Einer Studie zufolge kassierten Deutschlands Topmanager für das Jahr 2011 im Schnitt 4,3 Millionen Euro – ganz zu schweigen etwa von den 17,5 Millionen Euro für Volkswagen-Lenker Martin Winterkorn. "Manche Debatte, die unsere Tugendwächter führen, ist grotesk und schadet dem politischen Engagement", sagt Steinbrück deshalb dazu. Auch der Aussage: "Abgeordnete des Bundestags arbeiten fast sieben Tage die Woche, durchschnittlich zwölf bis 13 Stunden. Sie sind gemessen an ihrer Leistung nicht überbezahlt", dürften sich etliche Parlamentarierkollegen und auch Experten anschließen. Eigentlich.

Doch zu Beginn des Wahljahres 2013, nur gut drei Wochen vor der Abstimmung in Niedersachsen, kommen die steinbrückschen Gedankengänge vielen in der SPD mehr als ungelegen. Die Worte dürften neues Wasser auf die Mühlen jener sein, die schon immer vermutet haben, der Mann sei vielleicht doch nicht der richtige Herausforderer Merkels – weil er nicht so recht für soziale Gerechtigkeit stehe. Dabei erhofft sich die SPD einen immensen Schub von Niedersachsen, falls dort eine rot-grüne Regierung nach zehn Jahren Schwarz-Gelb ablösen könnte.

Und so versuchen Parteifreunde bereits, das Feuer auszutreten. "Als Bundeskanzler zu dienen ist eine hochfaszinierende Tätigkeit, die nicht ganz schlecht bezahlt wird", sagte etwa der altgediente Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz. "Unsere Gehälter sichern uns eine gute bürgerliche Existenz – mehr muss nicht sein." Und der Kieler Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels, ein Gewerkschaftsmann, assistiert, ein politisches Spitzenamt wie das des Kanzlers sei eine Ehre. "Man macht es nicht, um reich zu werden."

Richtig deutlich wurde Altkanzler Gerhard Schröder: "Nach meinem Eindruck werden die Politiker in Deutschland angemessen bezahlt. Ich habe jedenfalls davon immer leben können", teilte er via "Bild am Sonntag" mit. "Und wem die Bezahlung als Politiker zu gering ist, der kann sich ja um einen anderen Beruf bemühen."

Der politische Hauptgegner konnte sich da entspannt zurücklehnen. Gemessen an der Verantwortung der Kanzlerin sei ihr Gehalt sehr niedrig, meint zwar auch der Parlamentsgeschäftsführer der Union, Michael Grosse-Brömer (CDU). Aber: "Beschwerden darüber hat man von der Bundeskanzlerin selbst bisher jedenfalls nicht gehört."

Beim SPD-Wunschpartner, den Grünen, legte man sich zunächst Zurückhaltung auf. Deren Chefs Claudia Roth und Cem Özdemir äußerten sich lieber nicht. Dafür machte sich der Ex-Vorsitzende Reinhard Bütikofer Luft. Der Grünen-Fraktionsvize im Europaparlament ätzte via Twitter: "'Wahlkampfgenie' Steinbrück besucht zwanghaft die Fettnäpfchen und dann flattert der aufgeregte SPD-Hühnerhof – ein wirklich starkes Team!"

Quelle: dpa
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