30.12.2012, 12:39

Pharmaindustrie Ostpolitiker empört über Medikamenten-Versuche in DDR


Westdeutsche Pharmafirmen sollen Versuche an DDR-Patienten unternommen haben

Foto: Franziska Koark / dpa

Westdeutsche Pharmafirmen sollen Versuche an DDR-Patienten unternommen haben Foto: Franziska Koark / dpa

Vor Kurzem war bekannt geworden, das Pharmafirmen aus Westdeutschland Versuche in der DDR durchgeführt hatten.

Der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU), hat empört auf Berichte über Pharmaversuche westdeutscher Firmen in der DDR reagiert. Der ehemalige Ministerpräsident Sachsen-Anhalts sprach in der "Mitteldeutschen Zeitung" von Konsequenzen – im Sinne von möglichen Entschädigungszahlungen an Betroffene. Auch strafrechtliche Folgen seien denkbar. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Fälle, die jetzt Aufregung verursachen, im Einklang mit dem westdeutschen Recht gewesen sind. Experimente ohne Einwilligung der Betroffenen halte ich für skandalös", sagte Bergner.

Der Thüringer FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Kurth will, dass sich der Bundestag einschaltet und die Vorfälle untersucht. "Die Skrupellosigkeit von SED und Westfirmen bei Pharmatests an DDR-Patienten bedeutet auch für den Bundestag Verantwortung", erklärte er am Sonnabend.

Einem Bericht des "Tagesspiegel" zufolge wurden Patienten in DDR-Krankenhäusern als Probanden für Arzneimittelversuche westdeutscher Pharmafirmen herangezogen; zumindest in einigen Fällen wohl ohne ihr Wissen. Für einzelne Studien sollen bis zu 860.000 D-Mark (knapp 440.000 Euro) an die DDR gezahlt worden sein. In Unterlagen des DDR-Gesundheitsministeriums seien mehr als 50 Firmen mit 165 Medikamentenstudien aufgeführt.

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