18.12.12

Plagiatsvorwürfe

Uni treibt Verfahren gegen Ministerin Schavan voran

Die Promotionskommission empfiehlt, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels zu eröffnen. Das teilte die Hochschule mit.

Foto: dapd

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bei einer Pressekonferenz
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bei einer Pressekonferenz

Die Universität Düsseldorf treibt das Plagiatsverfahren um die Doktorarbeit von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) weiter voran. Die Promotionskommission habe nach eingehender Prüfung der Arbeit und Anhörung Annette Schavans empfohlen, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels zu eröffnen, teilte die Hochschule mit.

Befinden muss darüber der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät. Das Gremium werde sich am 22. Januar 2013 mit der Frage befassen, "ob die von der Kommission ermittelten Befunde als schwerwiegend genug betrachtet werden können", um das Verfahren zu eröffnen. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes soll das nicht in öffentlicher Sitzung geschehen. "Für die Fakultät ist es unausweichlich, diesen Weg der Überprüfung weiter zu gehen", sagte der Rektor der Universität, Michael Piper, der "Süddeutschen Zeitung".

Schavan hatte 1980 an der Düsseldorfer Universität ihre Dissertation geschrieben, der Titel lautet "Person und Gewissen" . Mitte Oktober war ein erstes vertrauliches Gutachten durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangt. Darin wirft der Beauftragte Gutachter Stefan Rohrbacher Schavan nach Medienberichten eine Täuschungsabsicht vor. Die Ministerin bestreitet das. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht fest hinter Schavan; die beiden Frauen haben seit längerem ein enges politisches Vertrauensverhältnis. Die Opposition sieht die Sache freilich anders: Grüne und SPD sehen nicht ein, wie das Amt der Bildungsministerin mit diesen Vorwürfen zusammen passen kann.

Schavans Doktorvater Gerhard Wehle, der die Arbeit damals mit der zweitbesten Note "Magna cum laude" benotet hatte, stellt sich zuletzt hinter seine Doktorandin. Der emeritierte Professor würdigte sogar die "sehr beachtliche Leistung" Schavans, die in ihrer Dissertation einen interdisziplinären Ansatz gewählt habe, der damals für eine junge Studentin ein "Wagnis" gewesen sei. Die Arbeit habe "absolut dem wissenschaftlichen Standard" entsprochen. "Wie kann man eine Arbeit über das Gewissen schreiben und dabei täuschen", fragte der 88 Jahre alte Professor.

Quelle: dpa/dapd/BM
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