02.12.12

CDU-Parteitag

Berliner erwartet knappe Entscheidung zur Homoehe

Der CDU-Abgeordnete Jan-Marco Luczak ist einer der Wortführer der "Wilden 13". Morgenpost Online sprach mit ihm über seinen Antrag.

Foto: MdB

Initiator: Jan-Marco Luczak
Initiator: Jan-Marco Luczak

Morgenpost Online: Herr Luczak, Sie stören mit Ihrem Antrag den vorweihnachtlichen Frieden in der CDU!

Jan-Marco Luczak: Ich habe keine Angst vor lebhaften Debatten. Außerdem haben Bundesparteitage immer ihre eigene Dynamik, sodass man nie genau weiß, wie es letztendlich ausgeht. Mein Prognose ist: Die Entscheidung wird am Ende knapper ausfallen, als mancher Kritiker unserer Initiative glaubt. Die Delegierten denken selber, und sie kennen die Umfragen, die besagen, dass 80 Prozent der Deutschen und 71 Prozent der Unionsanhänger für diese Gleichstellung sind. Es ist höchste Zeit, darauf zu reagieren.

Morgenpost Online: Die Antragskommission empfiehlt den Delegierten das Gegenteil.

Luczak: Auch deshalb ist das politische Signal wichtig, dass die Union in großen Teilen moderner denkt, als mancher das glauben will oder es früher der Fall war. Die CDU vereint viele liberale, fortschrittliche Kräfte, die mit dem Thema Homosexualität völlig offen umgehen. Mir ist wichtig, dass die Menschen sehen, dass die Union sich bei ihrer Politik an den gesellschaftlichen Realitäten orientiert und darauf konkrete Antworten gibt. Unser Antrag leistet dazu einen Beitrag.

Morgenpost Online: Die CDU-Führung will das Urteil des Bundesverfassungsgerichts abwarten.

Luczak: Wenn ich mir die Rechtsprechung der letzten Monate ansehe, scheint es mir eindeutig zu sein, dass wir hier in eine juristische Niederlage hineinlaufen. Das sollten wir vermeiden. Eine Partei wie die CDU hat zudem einen politischen Gestaltungsauftrag, den sie wahr- und annehmen muss. Es wäre gut für uns, selbstbewusst Position zu beziehen. Wir sagen: Aus gleichen Pflichten, die bei der eingetragenen Lebenspartnerschaft genau wie bei der Ehe bestehen, müssen auch gleiche Rechte folgen. Es wird keinem Ehepaar in Deutschland etwas weggenommen und es wird kein Kind weniger geboren, weil homosexuelle Partnerschaften nicht länger steuerlich benachteiligt werden. Der Gegensatz, den einige hier aufmachen wollen, ist keiner. Es gibt kein Konkurrenzverhältnis zwischen diesen Lebensentwürfen. Ich wehre mich auch dagegen, dass die Kritiker unserer Antrags sich als Vorkämpfer konservativer Werte inszenieren. In eingetragenen Lebenspartnerschaften haben Menschen zueinandergefunden, die dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen wollen. Das ist ein zutiefst konservativer Ansatz.

Morgenpost Online: Auch Angela Merkel – bislang nicht bekannt als Parteirechte – versagt Ihnen aber die Unterstützung.

Luczak: Als Vorsitzende muss sie natürlich die verschiedenen Strömungen miteinander vereinen. Ich verstehe schon, wenn sie diesen Meinungsbildungsprozess zunächst moderieren will. Es ist nicht ihre Aufgabe, sich in alle Themen einzumischen, die in der CDU diskutiert werden. Das finde ich gar nicht problematisch – sie lässt damit schließlich auch Raum für Debatten.

Morgenpost Online: Glauben Sie, dass die CDU im Wahljahr keine anderen Sorgen hat? Das Thema betrifft ja nur eine Minderheit.

Luczak: Deshalb interessiert es aber nicht zwingend nur eine Minderheit. Viele CDU-Mitglieder machen sich Sorgen über unsere Wahlergebnisse in großen Städten. Als Berliner Abgeordneter bin ich der festen Überzeugung, dass wir endlich die Realität in den Metropolen anerkennen und darauf programmatisch reagieren müssen.

Morgenpost Online: Warum engagieren Sie sich selbst so stark für die Gleichstellung?

Für einen Schöneberger Bundestagsabgeordneten ist es nun wirklich das normalste der Welt, im Freundes- und Bekanntenkreis viele Schwule zu haben. Für mich ist das Alltag. Und deshalb weiß ich auch, dass viele Homosexuelle die Union eigentlich gerne wählen würden – aber erst, wenn sie sich von unserer Partei anerkannt fühlen.

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