25.11.12

Wahlkampf

Was Doris Schröder-Köpf anders machen will

Doris Schröder-Köpf, Gattin von Ex-Kanzler Schröder, strebt einen Regierungsjob in Niedersachsen an. Gerade lernt sie, was Wahlkampf bedeutet

Foto: Christian Burkert

Mandat gesucht: Doris Schröder-Köpf will in den niedersächsischen Landtag einziehen
Mandat gesucht: Doris Schröder-Köpf will in den niedersächsischen Landtag einziehen

Ein geräumiges Ladenlokal in Hannover-Döhren, die Stadtbahn hält gleich vor der Tür. Auf dem Fußboden stapeln sich die Wahlplakate, die üblichen Köpfe, die die Mitglieder des SPD-Ortsvereins Döhren-Wülfel in den kommenden Wochen an die Straßenlaternen hängen sollen. Am 20. Januar wird gewählt.

Das Mobiliar des Büros ist spärlich, aber stilvoll. Ein Konferenztisch. Gebäck. Kaffeetassen. Frische Blumen dazu. Doris Schröder-Köpf, immer wie aus dem Ei gepellt, würde hier gut reinpassen. Aber sie ist gar nicht da. Sie ist eigentlich nie hier.

Stattdessen empfängt hinter dem weißen Designer-Schreibtisch: Margot Krey. Dunkelgraue Baumwollhose, gelber Genscher-Pullover mit V-Ausschnitt, darunter eine bis zum obersten Loch geknöpfte Bluse, Dauerwelle, Hornbrille. Margot Krey ist 76 Jahre alt, war nie verheiratet, und Kinder hat sie auch nicht.

1960 ist die gebürtige Stettinerin in die hannoversche SPD eingetreten. Sie war Betriebsrätin bei VW und hat hier schon Wahlwerbung verteilt, da war Gerd Schröder noch nicht mal Juso-Vorsitzender. 2004 ist sie wegen dieses Kerls dann tatsächlich aus der Partei ausgetreten. Weil ihre Leute, ihre Döhrener Nachbarn, viele Genossen, auf einmal keinen Zuschuss für ihre Brille mehr bekamen.

Aber ohne Partei hat es Margot Krey auch nicht ausgehalten. Deshalb ist sie wieder zurück und arbeitet – ehrenamtlich, was denn sonst – für "die Doris", um die sie sich immer ein bisschen Sorgen macht. Und irgendwie ja auch noch für den Gerd, dem sie neulich wieder ihre leckere Wild-Nektarinen-Marmelade gekocht hat. Das Leben kann einem schon ziemlich verrückte Geschichten unterjubeln.

Noch mal straffen, noch mal lächeln

Noch mal straffen. Noch mal lächeln. Noch eine Pose, noch einen Strauß. Jeder Versuch scheitert, doch endlich loszukommen von den Fotografen, Fragestellern, Pocketkamerabesitzern, Genossen, Redakteuren, allesamt Freundlichgesinnten im "Alten Magazin" von Hannover, wo Schröder-Köpf gerade wieder einen ihrer größeren Wahlkampfauftritte absolviert.

Franz Müntefering hat mit ihr über den demografischen Wandel gesprochen, Renate Schmidt war auch schon da und hat gleich das Betreuungsgeld auseinandergenommen nach allen Regeln der sozialdemokratischen Kunst. Demnächst hat sich Frank-Walter Steinmeier angemeldet, um sich für die Frau seines ehemaligen Chefs ins Zeug zu legen. Die Ehefrau des Ex-Kanzlers ist der einzige richtige Renner im lauen Niedersachsen-Wahlkampf.

Auf Schröder-Köpf fällt viel geliehenes Licht, das die Bühne des "Alten Magazins" beleuchtet. Aber dabei soll es, wenn es nach ihr geht, nicht bleiben. Darum geht es ihr ja mit ihrer Kandidatur. Wieder einen eigenen Weg zu finden. Selbst etwas bewegen. Raus aus dem Gattinnen-Gefängnis. Der Weg ist nicht ohne.

Der Landtagswahlkreis 24, Hannover-Döhren, ist alles andere als ein Selbstgänger für eine SPD-Kandidatin. Vor fünf Jahren hat Dirk Toepffer, Hannovers CDU-Vorsitzender, das Mandat geholt mit zehn Prozentpunkten Vorsprung. Zumal die grüne Konkurrenz keinerlei Anstalten macht, der potenziellen Regierungspartnerin die Erststimme freiwillig zu überlassen.

Entsprechende Abspracheversuche der Sozialdemokraten fanden keinerlei Resonanz. Hinzu kommen mögliche Verluste auf der linken Straßenseite dieses Wahlkampfs, auf der der Name Schröder noch immer nicht gut ankommt.

Ein paar Wechselwähler reichen nicht

Also werden eine Handvoll prominent besetzter Salons und ein paar bürgerliche Wechselwähler nicht reichen, wenn man am Ende nicht auf die Landesliste angewiesen sein will. Platz zwölf ist zwar nicht schlecht, aber auch nicht richtig sicher. Und außerdem, das betont Schröder-Köpf sehr nachdrücklich: Erst der aus eigener Kraft gewonnene Wahlkreis mache einen Politiker so richtig frei und wirkungsmächtig.

Sie hat ja selbst jemanden zu Haus, der ein langes Lied von den Mätzchen singen kann, die man bei den Sozis so erlebt, wenn man mal von der Linie abweicht. Mit Wahlkreis und Hausmacht fiele es entschieden leichter, einen eigenen Weg zu gehen.

Margot Krey hat sich zu Hause schon mal ihre neue Winterwäsche zurechtgelegt. Angora. Das wärmt. Margot Krey weiß, dass die Wochen, auf die es ankommt im Kampf um ein Landtagsmandat, erst noch kommen. Wochen, in denen es nicht mehr darum gehen wird, Bella Figura zu machen auf prominent besetzten Podien. Sondern darauf, durchzuhalten am Infostand auf dem Fiedlerplatz; noch eine Reihenhaussiedlung im Mittelfeld abzuklappern auf der Suche nach der einen Stimme, auf die es dann am Ende ankommen kann.

Die großen Pläne liegen schon fertig in der Schublade. Spätestens am 2. Januar wollen Doris Schröder-Köpf und ihr Ortsverein die Taktik wechseln. Straßenwahlkampf statt Salon. Fein säuberlich haben sie im Ortsverein all jene Viertel ihres Wahlkreises aufgelistet, in denen die Genossen glauben, doch noch etwas reißen zu können. Wülfel-Süd, ein paar Döhrener Ecken, auch Waldhausen, wo die Schröders selbst wohnen.

Haus für Haus, Wohnung für Wohnung will die Frau dann mit ihrem "Team Schröder-Köpf" diese Gegenden abklappern. Flyer, Programme, Pappscheiben, die die Bedeutung von Erst- und Zweitstimme erklären. Klinkenputzen. Kugelschreiber, Autogrammkarten, alles längst geordert. Dazu auch noch knallrote Winterwesten für das Team, von denen man aber noch nicht weiß, ob sie wirklich passen über die Anoraks. Im Zweifel muss dann eben Margot Krey ran. Ihre selbst gemachte Hühnersuppe soll ja Wunder wirken. Eigentlich kann also gar nichts mehr schiefgehen.

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