24.11.12

Jugendamt

Rechten Eltern farbige Pflegekinder weggenommen

Ein britisches Ehepaar galt seit Jahren als fürsorgliche Pflegeeltern. Doch als sie in eine rechtspopulistische Partei wechseln, entzieht ihnen das Jugendamt das Sorgerecht für nicht-britische Kinder.

Foto: Getty Images/WIN Initiative RM

Eine Mutter und ihr Sohn: „Für Kinder ist nur entscheidend, eine liebevolle Familie zu haben.
Eine Mutter und ihr Sohn: "Für Kinder ist nur entscheidend, eine liebevolle Familie zu haben.

In England musste ein Ehepaar seine Pflegekinder ausländischer Herkunft abgeben – wegen der Mitgliedschaft in einer rechtspopulistischen Partei. Die Kinder "nicht-weißer, nicht-britischer Herkunft" seien bei den Pflegeeltern nicht in einem für sie optimalen kulturellen Umfeld gewesen, so rechtfertigte die Jugendbehörde der Stadt Rotheram in South Yorkshire ihren Schritt, berichtet die britische Tageszeitung "Daily Telegraph".

"Wir fühlen uns wie Verbrecher"

Die UK Independence Party (UKIP), zu deren Mitgliedern das Ehepaar zählt, will unter anderem die Einwanderung begrenzen. UKIP-Parteiführer Nigel Farage forderte die Jugendbehörde in Rotheram auf, genau darzulegen, wie es zu der Entscheidung kam. Er wies in einer Erklärung Vorwürfe einer rassistischen Politik zurück. Seine Partei, in der Wählergunst derzeit laut Umfragen bei neun Prozent, will auch, dass Großbritannien die Europäische Union verlässt.

"Wir fühlen uns wie Verbrecher, als der Sozialarbeiter uns sagte, wie seien als Pflegeleltern ungeeignet", sagten der Ehemann und seine Frau dem "Telegraph". Das Paar betreut seit fast sieben Jahren Pflegekinder. Die beiden Briten fürchten nun, in der Kartei als "ungeeignet" abgestempelt zu werden und nie wieder Pflegekinder zu bekommen.

UKIP-Chef Farage beschreibt die Aktionen von Rotherham Borough Council als "empörend" und voller "politischer Vorurteile der schlimmsten Art".

Tim Loughton, ehemaliger Familien-Minister, sagt: "Ich finde es besorgniserregend, wenn Entscheidungen über die Zukunft von Kindern auf fehlgeleiteter politischer Korrektheit beruhen. Für Kinder ist es in erster Linie entscheidend, eine liebevolle Familie zu haben."

Die UKIP ist bekannt für ihre ausländerfeindliche und euroskeptische Haltung. Die Partei hat zwar im Parlament von Westminster bisher keine Sitze – das hängt mit dem britischen Wahlsystem zusammen – wohl aber im Europäischen Parlament.

Gepflegtes Einfamilienhaus, die Frau ist Erzieherin

Das Paar, das anonym bleiben will, ist Ende 50 und lebt in einem gepflegten Einfamilienhaus in einem Dorf in South Yorkshire, schreibt der "Telegraph". Der Mann war mehr als 30 Jahre Reservist bei der Royal Navy und arbeitete mit Behinderten, seine Frau ist Erzieherin. Als ehemalige Labour-Wähler wurde ihnen innerhalb der vergangenen sieben Jahren die Vormundschaft für etwa ein Dutzend verschiedene Kinder genehmigt.

Vor ihrem Wechsel zur rechtspopulistischen UKIP galten die beiden als vorbildliche Pflegeeltern: ein verwahrlostes Baby hatte rasch an Gewicht zugelegt und ein älteres Mädchen begann seine Pflegeeltern "Mama und Papa" zu nennen, vermerkten die Sozialarbeiter in ihren Akten.

Doch knapp acht Wochen nach dem Parteiwechsel erhielt das Paar Besuch von einer Sozialarbeiterin und einem Beamten, offenbar hatten die Behörden einen anonymen Hinweis erhalten, heißt es im "Telegraph". Die Kinder – zwei Mädchen und ein Junge – wurden wenige Tage später abgeholt.

"Wir hätten die Kinder nicht bei uns aufgenommen, wenn wir rassistisch gesinnt seien", wird die Frau zitiert, "wir sind tieftraurig. Bis vor kurzem hielt ich ein Baby im Arm, jetzt ist das Kinderbett plötzlich leer."

Quelle: dpa/eb
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