22.11.12

Fall Jonny K.

"Der Fahndungsdruck war wohl zu hoch"

Nach der tödlichen Prügelattacke auf Jonny K. (20) am Berliner Alexanderplatz hat sich ein weiterer mutmaßlicher Schläger den Behörden gestellt. Zwei Verdächtige sind aber immer noch flüchtig.

Quelle: Reuters
29.10.12 2:01 min.
Der 20-jährige Jonny K. war am Berliner Alexanderplatz so schwer verprügelt worden, dass er seinen Verletzungen erlag. Jetzt nahmen Angehörige, Freunde und Bürger Abschied von Jonny.

Im Fall des vor knapp sechs Wochen am Alexanderplatz getöteten Jonny K. hat sich ein weiterer Beschuldigter den Ermittlungsbehörden gestellt. Der 21-jährige Hüseyin I. sei um 11 Uhr im Beisein seines Verteidigers bei der Mordkommission an der Keithstraße erschienen, sagte Martin Steltner von der Staatsanwaltschaft.

In seiner Vernehmung soll der 21-Jährige eine Aussage gemacht haben. Ob er die Tat einräumte, ist jedoch unklar. Noch am Nachmittag wurde er einem Ermittlungsrichter zur Verkündung des bereits bestehenden Haftbefehls vorgeführt.

Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) begrüßte die Nachricht. "Der Fahndungsdruck war wohl zu hoch", sagte er im Abgeordnetenhaus.

Vollzug ausgesetzt

Mit Hüseyin I. sind nun vier der insgesamt sechs Tatverdächtigen gefasst. Melih Y. (21) und Memet E. (19) hatten sich bereits kurz nach der am 14. Oktober begangenen Tat gestellt. Beide waren jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt worden: Y. erhielt zwar einen Haftbefehl, jedoch wurde dessen Vollzug ausgesetzt.

Gegen E. wurde kein Haftbefehl erlassen, weil er nicht Jonny K., sondern dessen Begleiter geschlagen haben soll. Wenige Tage nach der Entscheidung des Ermittlungsrichters wurde dann einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft stattgegeben und die Haftverschonung gegen Melih Y. widerrufen.

Er sitzt seitdem wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Untersuchungshaft. Auch der 19-jährige Osman K. befindet sich in U-Haft. Ihn hatten die Ermittler wenige Tage nach der Tat festgenommen. Eine Haftbeschwerde des 19-Jährigen hat das Landgericht am Donnerstag verworfen.

Noch zwei Verdächtiger auf der Flucht

Weiter auf der Flucht sind demnach zwei Beschuldigte, darunter der Haupttatverdächtige Onur U. (19). Er war nach der Tat in die Türkei gereist und hält sich offenbar noch immer dort auf.

Die Staatsanwaltschaft schweigt zu den laufenden Ermittlungen. Auch zu Informationen, wonach sich der andere Flüchtige in Griechenland aufhalten soll, wollte sich Martin Steltner nicht äußern. Ein Ermittler bestätigte, dass Hüseyin I. in Griechenland war, bevor er sich stellte.

Jonnys Schwester Tina K. (28) und ihr Freund Kaze C., der in der Tatnacht mit Jonny unterwegs war, haben unterdessen am Mittwoch den gemeinnützigen Verein "I am Jonny" gegründet. Mit dem Verein wollen sie an den 20-Jährigen erinnern und durch Aufklärungsarbeit an Schulen und Benefizkonzerte gegen Gewalt und Rassismus vorgehen. Der Berliner Opferbeauftragte Roland Weber hatte ihnen bei der Gründung des Vereins geholfen.

Quelle: ur
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