22.11.12

UN-Klimabericht

Gefährliche Erderwärmung kaum noch zu stoppen

Die Realität übertrifft selbst düstere Prognosen: Statt zu sinken, erreicht der Ausstoß von Treibhausgasen immer neue Rekorde. Der Temperaturanstieg sei kaum aufzuhalten, warnt die UN im Klimabericht.

Foto: Infografik Die Welt

China und die USA gehören zu den Ländern, die das meiste Kohlendioxid (CO
2
) bei der Verbrennung von Kraftstoffen zum Beispiel in Kraftwerken, Industrie und Verkehr erzeugen
China und die USA gehören zu den Ländern, die das meiste Kohlendioxid (CO 2 ) bei der Verbrennung von Kraftstoffen zum Beispiel in Kraftwerken, Industrie und Verkehr erzeugen

Ohne enorme Anstrengungen wird der Ausstoß an Treibhausgasen nach Angaben von Klimaforschern weiter stark zunehmen. Dadurch sei das Ziel, den Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, immer schwerer zu erreichen, mahnt das UN-Umweltprogramm Unep.

Die Welt entfernt sich immer weiter von dem Ziel, die Erderwärmung rechtzeitig zu stoppen. Ohne einschneidende Maßnahmen sei ein Plan, die Temperatur auf ein Plus von maximal zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, nicht erreichbar, heißt es in einem Bericht der UN-Umweltbehörde Unep.

Der Bericht bestätigte Beobachtungen von Wissenschaftlern, dass die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre steigt, nicht sinkt. Seit dem Jahr 2000 sei demnach der Ausstoß an Treibhausgasen um etwa 20 Prozent gestiegen. Jüngst hatte die Weltmeteorologieorganisation (WMO) erklärt, dass der Anteil von Treibhausgasen in der Atmosphäre im vergangenen Jahr ein Rekordhoch erreicht habe.

Treibhausgasausstoß steigt bis 2020 enorm an

Ohne massivem Umschwung zum Klimaschutz werde der Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 auf 58 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) steigen, warnte Unep-Exekutivdirektor Achim Steiner. Um das Zwei-Grad-Klimaziel zu halten, dürfe der Ausstoß bis dahin jedoch nicht mehr als 44 Gigatonnen betragen.

Dafür müssten die Länder ihre im Zuge von UN-Konferenzen vorgelegten lose versprochenen Absichtserklärungen stark erhöhen. Denn selbst, wenn die einzelnen Staaten ihre jeweils am weitesten gehenden Klimaschutzzusagen einhielten, bleibe bis 2020 eine Lücke von 8 Gigatonnen.

Falls die nötigen Emissionsreduktionen bis 2020 nicht erreicht werden, würde ihre spätere Umsetzung danach mindestens 10 bis 15 Prozent mehr kosten, betonen die 55 Forscher aus 22 Ländern in dem Bericht.

Rückgang der Emissionen theoretisch erreichbar

Dem Unep-Bericht zufolge ist der angestrebte Rückgang der Emissionen mit bestehender Technologie jedoch erreichbar. Derzeit müssten noch keine neuen, teils unausgereiften Technologien wie etwa die umstrittene CO 2 -Speicherung zum Einsatz kommen.

Die Forscher nannten einige wirtschaftliche Bereiche, darunter Verkehr und Bauwirtschaft, bei denen es in einigen Ländern bereits interessante technische Ansätze zur Emissionsreduktion gebe. Dort seien aber noch starke Sparmaßnahmen und Effizienzsteigerungen möglich.

Steiner lobte auch die weltweiten Investitionen in Höhe von insgesamt fast 260 Milliarden Dollar (203,1 Milliarden Euro) in erneuerbare Energien im vergangenen Jahr.

Der Bericht wurde im Vorfeld des 18. UN-Klimagipfels vorgelegt, bei dem ab kommenden Montag in Doha (Katar) weiter über die Reduktion der Treibhausgase verhandelt werden soll.

Komplettes Abschmelzen des Grönlandeises befürchtet

Nach Ansicht von Forschern drohen bei einem Temperaturanstieg von mehr als zwei Grad Celsius über den Wert vor der Industrialisierung unter anderem ein komplettes Abschmelzen des Grönlandeises sowie Dürren und Unwetter unbekannten Ausmaßes.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete den Unep-Bericht als ein "Alarmsignal an die Weltgemeinschaft". Er unterstreiche die Notwendigkeit, beim kommenden Klimagipfel eine drastische Reduzierung der globalen Treibhausgas-Emissionen zu vereinbaren.

"Die Welt gerät unter Zeitdruck", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Die Industriestaaten sollten strengere Ziele und wirksamere Klimaschutz-Maßnahmen vereinbaren, als bisher zugesagt.

Extreme Wetterereignisse in Europa

Der Klimawandel führt in Europa bereits jetzt zu steigenden Kosten. Nach einer neuen Studie der Europäischen Umweltagentur (EUA) führten extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Überschwemmungen und Dürren in Europa während der vergangenen Jahre zu wachsenden Schäden. Es gebe derzeit keine Schätzungen über die künftigen Kosten des Klimawandels, heißt es in dem Bericht.

Festgestellt werden könne, dass die Schäden infolge von Extremwetterereignissen inflationsbereinigt von neun Milliarden Euro in den 1980er Jahren auf mehr als 13 Milliarden in den 2000er Jahren angestiegen seien.

Das vergangene Jahrzehnt (2002-2011) war demnach das wärmste, das in Europa jemals registriert wurde. So lag die Temperatur im Durchschnitt um 1,3 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Die EUA erwartet, dass extreme Wettereignisse in Europa künftig häufiger auftreten und intensiver sein werden.

Quelle: dpa/dapd/oc
Foto: Infografik Welt Online

Die Kurve der Wissenschaftler gilt für die Bewohner der USA, doch das demografisch-ökonomische Modell ist auch auf andere Staaten übertragbar. Demnach beginnt das Leben mit knapp zwei Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr um dann zum Renteneintrittsalter mit 63 bis 65 den Kulminationspunkt bei 14,9 Tonnen pro Kopf und Jahr zu erreichen.

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