11.11.12

Nach Urwahl

Grünen sorgen sich um ihre Parteichefin Claudia Roth

Nach der deutlichen Schlappe bei der Urwahl ist Claudia Roth auf Tauchstation gegangen. Nun wird sie gedrängt, wieder als Grünen-Chefin zu kandidieren.

Foto: dpa

Katrin Göring-Eckardt errang bei der Urwahl der Grünen mit 47,3 Prozent ein unerwartet gutes Ergebnis. Jürgen Trittin errang 71,9 Prozent. Auf Ko-Fraktionschefin Renate Künast entfielen 38,6 Prozent, auf Parteichefin Claudia Roth (Foto) 26,2 Prozent
Katrin Göring-Eckardt errang bei der Urwahl der Grünen mit 47,3 Prozent ein unerwartet gutes Ergebnis. Jürgen Trittin errang 71,9 Prozent. Auf Ko-Fraktionschefin Renate Künast entfielen 38,6 Prozent, auf Parteichefin Claudia Roth (Foto) 26,2 Prozent

Der Verbleib von Claudia Roth an der Parteispitze der Grünen ist offenbar nicht sicher. Die Grünen luden am Sonntag für Montagmorgen zu einem Statement mit der Parteivorsitzenden ein, die bei der Urwahl für die beiden Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl 2013 eine herbe Schlappe erlitten hatte.

Am Montagmorgen um 8 Uhr will Roth bekanntgeben, ob sie erneut für ihr Amt kandidiert. Anschließend findet in Berlin eine Bundesvorstandssitzung statt.

Am Sonntag mehrten sich die Solidaritätsbekundungen von Grünen-Politikern an Roth. Eine andere Kandidatin war nicht in Sicht.

Es sei offen, wie Roth sich entscheide, hieß es in Parteikreisen. Die Parteilinke könnte gestützt auf auch interne Bitten hochrangiger Grüner – auch von den Realos – weitermachen. Roth hatte sich am Sonntag mit Mitarbeitern getroffen und viel telefoniert. Auf dem Parteitag könnte sie wohl auf ein gutes Ergebnis hoffen – oder sie könnte wegen der bitteren Niederlage aufgeben.

Roth äußerte sich nur per Facebook

Nach Bekanntgabe des Ergebnisses der Urwahl am Sonnabend, bei der Fraktionschef Jürgen Trittin und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt als Spitzenduo hervorgingen, war Roth auf Tauchstation gegangen. Nur auf Facebook äußerte sie sich knapp: "Ich gratuliere von Herzen Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt. Das ist Demokratie!", hinterließ Roth als Nachricht im Internet.

Vor der Urwahl hatte sie noch angekündigt, unabhängig vom Ausgang der Basisbefragung beim anstehenden Bundesparteitag Mitte November in Hannover wieder für den Vorsitz der Grünen zu kandidieren. Bei der Urwahl für die beiden Spitzenkandidaten kam Roth mit 26,18 Prozent abgeschlagen auf Rang vier hinter Trittin, Göring-Eckardt und Ko-Fraktionschefin Renate Künast.

Im Fall Roth gibt es keinen Plan B

Führende Grünen-Politiker drängen Roth nun, erneut zu kandidieren. Göring-Eckardt sagte der "Bild am Sonntag": "Ich wünsche mir, dass Claudia Roth ein gutes Ergebnis beim Parteitag bekommt." Grünen-Fraktionsvize Frithjof Schmidt sagte der "tageszeitung": "Claudia Roth hat die Partei in den vergangenen Jahren maßgeblich zusammengehalten und immer integrierend gewirkt." Er kenne niemanden in der Partei, der nicht hofft, "dass sie dies als Vorsitzende auch im wichtigen Wahljahr tut", sagte Schmidt.

Der Bundestagsabgeordnete Toni Hofreiter sagte der Zeitung: "Claudia Roth sollte wieder antreten. Sie ist eine sehr gute Parteivorsitzende". Die Urwahl sei kein Votum der Basis darüber gewesen, ob sie eine gute Vorsitzende sei.

Roths Ko-Parteichef Cem Özdemir hatte der "taz" bereits am Samstagabend gesagt: "Es ist keine Schande, bei einer Urwahl nicht einen der beiden Spitzenplätze bekommen zu haben."

An der ganzen Parteispitze war bereits am Sonnabend die Sorge groß gewesen, dass Roth enttäuscht aufgeben und ihre Bewerbung für die Wiederwahl als Bundesvorsitzende zurückziehen könnte. Es gibt keinen Plan B im Fall Roth; keine andere Frau ist für den Posten an der Seite von Cem Özdemir in Sicht.

Daher wurde am Sonnabend eifrig mit Roth telefoniert, um sie von Rückzugsgedanken abzubringen. Ein Argument war, dass Roth gerade jetzt auf ein gutes Wahlergebnis hoffen dürfe, schon weil alle sie trösten wollten.

Es wäre hart für die unverheiratete und kinderlose 57-Jährige, wenn sie sich zurückziehen müsste. Gerade erst hatte sie in einem Interview auf die Frage, ob die Grünen für sie eine Art Familienersatz wären, gesagt: "Das wäre übertrieben, aber in der Tat geht es bei den Grünen oft genug familiärer zu als in anderen Parteien. Bei uns ist es wärmer, näher." Ein Leben ohne Politik werde es bei ihr "wohl kaum geben".

Quelle: dapd/BMO/sei
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