09.11.12

Umfrage

Mehrzahl der Wähler nimmt Piraten nicht mehr ernst

Zwei Drittel der Bürger ist der Meinung, die Piraten seien "keine ernst zu nehmende Partei". In Umfragen kommen sie nur auf vier Prozent.

Von Daniel Friedrich Sturm
Foto: dpa

Ein Pirat beim Parteitag in Neumünster im April dieses Jahres: In Umfragen erreicht die Piratenpartei nur noch vier Prozent der Wählerstimmen
Ein Pirat beim Parteitag in Neumünster im April dieses Jahres: In Umfragen erreicht die Piratenpartei nur noch vier Prozent der Wählerstimmen

Die Piratenpartei verliert knapp elf Monate vor der Bundestagswahl erheblich an Zuspruch und Ansehen. Fast vier von fünf Bürgern sind der Auffassung, die Piraten würden "nur gewählt, um den anderen Parteien einen Denkzettel zu verpassen". So äußerten sich 78 Prozent der Befragten im aktuellen Deutschlandtrend, den das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap ermittelt hat. Dafür wurden in dieser Woche mehr als 1000 Bürger telefonisch interviewt.

Zwei Drittel der Bürger (66 Prozent) sagen, die Piraten seien "keine ernst zu nehmende Partei". Dabei handelt es sich um einen Rekordwert. Vor einem halben Jahr vertraten nur 44 Prozent diese Auffassung. Dabei war es den Piraten in diesem Jahr gelungen, nach dem Erfolg von Berlin auch in die Landtage von Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und von Schleswig-Holstein einzuziehen. Bei der Frage, welche Partei man bei einer Bundestagswahl am kommenden Sonntag wählen würde, entscheiden sich nur vier Prozent für die Neulinge. Offenbar schlägt durch, dass die Piraten seit Monaten vor allem mit internen Querelen von sich reden machen. Die positiven Zuschreibungen der Piraten sind allesamt rückläufig. Nur noch jeder Dritte (34 Prozent) ist überzeugt, die Piraten sorgten dafür, dass Politik "offener und transparenter" werde.

Steinbrück nur auf Rang sechs der beliebtesten Politiker

So findet sich auch kein Vertreter der Piraten in der Liste der beliebtesten Politiker. In dieser Wertung kommt die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) auf Rang drei – nach Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU). Kraft erfährt eine Zustimmung von 58 Prozent (plus drei). SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier wird nach seinem Verzicht auf die Spitzenkandidatur ebenfalls positiver gesehen: Er liegt nun bei 56 Prozent (plus drei), gefolgt von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU, 55 Prozent, wie bisher).

Nur noch auf Rang sechs liegt der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, dem offenbar die Debatte um seine Nebenhonorare geschadet hat. Steinbrücks Zustimmungswerte sackten von 59 auf nur noch 50 Prozent ab. Ihm folgen im Beliebtheits-Ranking Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU, 47 Prozent) und Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin (39 Prozent).

53 Prozent würden Merkel direkt wählen

Auch bei der Frage nach einer Direktwahl des Kanzlers baut Angela Merkel ihren Vorsprung gegenüber ihrem SPD-Herausforderer Steinbrück aus. Merkel kommt auf 53 Prozent, das sind vier Punkte mehr als im Oktober. Steinbrück verliert zwei Punkte und kommt auf nur noch 36 Prozent. Während Merkel über das schwarz-gelbe Lager (44 Prozent) erheblich hinausgreifen kann, versammelt Steinbrück nicht einmal alle Wähler von SPD und Grünen (zusammen 43 Prozent) hinter sich. In konkreten Zahlen ausgedrückt: Gut jeder fünfte SPD-Anhänger (22 Prozent) würde für Merkel votieren, aber nur jeder 20. Sympathisant von CDU/CSU (fünf Prozent) für Steinbrück.

Angela Merkel kann sich mit 17 Prozentpunkten vor Steinbrück auf den größten je gemessenen Abstand zum Herausforderer freuen: Vor einem Jahr noch lag er vor Merkel. Merkel gilt als stärkere Führungspersönlichkeit (das sagen 62 Prozent) als Steinbrück (22 Prozent). Die Bürger schreiben ihr einen größeren Rückhalt in der jeweils eigenen Partei zu (55 zu 24 Prozent). In puncto Glaubwürdigkeit macht Merkel mit elf Punkten auf 47 Prozent einen erheblichen Sprung nach vorn, während Steinbrück auf 25 Prozent (minus eins) absackt. Die Bürger sind zudem der Auffassung, Merkel könne die Euro-Schuldenkrise am ehesten bewältigen. So äußern sich 42 Prozent (plus sieben), während dies von Steinbrück 25 Prozent (wie bisher) sagen.

Steinbrück punktet mit Sachverstand

Vor Merkel liegt Steinbrück wiederum bei der Frage nach dem größten wirtschaftspolitischen Sachverstand. Hier kommt der SPD-Kanzlerkandidat auf 38 Prozent (plus eins), Merkel auf 33 Prozent (minus vier). Außerdem sind 35 Prozent (minus fünf) der Befragten der Ansicht, Steinbrück setze sich am stärksten für soziale Gerechtigkeit ein. Von Merkel sagen dies 31 Prozent (plus sieben). Selbst in diesem Themenfeld, das als SPD-Kernkompetenz gilt, sieht die Kanzlerin also nicht schlecht aus.

Das Ergebnis der Union bei der Sonntagsfrage von 40 Prozent – der beste Wert seit fünf Jahren – spiegelt sich in der Zufriedenheit ihrer Anhänger. Zwei Drittel derjenigen, die 2009 für die CDU/CSU gestimmt hatten, sind mit ihrer Entscheidung zufrieden. Nur 27 Prozent äußern sich enttäuscht. Umgekehrt verhält es sich bei den FDP-Wählern von 2009. Nur jeder Vierte (25 Prozent) ist mit seinem Votum zufrieden. 45 Prozent bedauern ihre damalige Entscheidung.

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