09.11.12

Uhrzeit

Grüner beantragt Abschaffung der Zeitumstellung

Der Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit ist für viele ein Ärgernis. Die Grünen sollen nun darüber abstimmen, wieder eine ganzjährig gültige Zeit einzuführen. Aber welche?

Von Matthias Kamann
Foto: dapd

Zwei Mal im Jahr werden in Mitteleuropa die Uhren umgestellt: Im Frühjahr eine Stunde vor - dann gilt die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) - und im Herbst eine Stunde zurück, so dass dann wieder die astronomisch korrekte Winterzeit gilt
Zwei Mal im Jahr werden in Mitteleuropa die Uhren umgestellt: Im Frühjahr eine Stunde vor - dann gilt die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) - und im Herbst eine Stunde zurück, so dass dann wieder die astronomisch korrekte Winterzeit gilt

Kaum ein Film eignet sich für die Bildung heranwachsender Kinder so gut wie "12 Uhr mittags" mit Gary Cooper. Holt man sich Fred Zinnemanns Meisterwerk von 1952 aus der Videothek, so kann man daheim dem Nachwuchs nicht nur vor Augen führen, was große Filmkunst ist und was Heldenmut und Pflichterfüllung mit Angst und Gewissen zu tun haben.

Vielmehr kann man den Kindern auch noch ein bisschen Englisch beibringen – "High Noon" ist mit "12 Uhr mittags" zu übersetzen – und ihnen damit sogar noch eine Eselsbrücke zur Astronomie bauen: Um 12 Uhr, so kann man ihnen erklären, steht die Sonne an ihrem "High"-Punkt, wird also von uns aufgrund der Erdrotation an ihrem höchsten Stand des Tages gesehen. Doch diese Eselsbrücke trägt derzeit nur im Winter: Denn nur dann ist es dank der astronomisch richtigen Winterzeit tatsächlich 12 Uhr, wenn die Sonne "high" steht. Bei der Sommerzeit gilt das nicht.

Sommerzeit ist nutzlos

Dieses Durcheinander will der hessische Grünen-Politiker Philipp Schmagold nun beenden. Für den Bundesparteitag der Grünen vom 16. bis zum 18. November in Hannover hat er einen Antrag gestellt, wonach sich seine Partei im Bund und in Europa dafür einsetzen soll, die Zeitumstellung mit Winterzeit und Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) abzuschaffen.

Der Antrag hat viel für sich: Schmagold verweist darauf, dass laut Umweltbundesamt die Umstellung keinerlei Energieeinsparungseffekte bringt, dass aber viele Menschen in den Tagen nach der jeweiligen Umstellung unter erheblichen Schlafstörungen leiden, dass Milchkühe nur unter Mühen und protestierendem Muhen auf die veränderten Melkzeiten eingestellt werden können und dass der organisatorische Aufwand etwa bei der Bahn oder bei Nachtschicht-Dienstplänen erheblich ist.

Zwei Abstimmungsvarianten

Doch wer diesen Argumenten folgt, steht dann natürlich vor dem Problem, welche Einheitszeit denn stattdessen gelten sollte. Da jedoch bietet Schmagold zwei Möglichkeiten an. Die eine Variante ist die jetzt im Winter gültige, astronomisch korrekte Winterzeit mit dem höchsten Sonnenstand um 12 Uhr.

Laut Antrag möglich ist es aber auch, für die ganzjährige Gültigkeit der Sommerzeit zu stimmen, bei der die Uhren eine Stunde vor gestellt werden, sodass die Sonne erst um 13 Uhr ihren höchsten Stand erreicht und Mitternacht um ein Uhr morgens stattfindet.

Probleme bei der Kindererziehung

Würden die Grünen für diese permanente MESZ stimmen und sich damit dann auch durchsetzen, so hätten wir ganzjährig die astronomisch falsche Zeit, und man könnte in Mitteleuropa keinem Kind mehr erklären, dass die menschliche Tageseinteilung zwischen 0 Uhr, 12 Uhr und 24 Uhr auf dem Stand der Sonne beruht.

Nein, man müsste dann stets noch komplizierteste Erläuterungen zur einstündigen Zeitverschiebung einfügen - und deshalb beim Gespräch über Zinnemanns Film das Thema Uhrzeit tunlichst zu vermeiden haben.

Gefahr böser Witze

Hinzu käme, dass sich die Grünen mit einem Beschluss über die Dauergeltung der verschobenen Zeit, der MESZ, noch böse Witze über notorische Verzögerung einhandeln könnten. Denn geradezu aufdrängen würde sich dann ja zu sagen: So wie bei den Grünen der höchste Sonnenstand immer erst eine Stunde später stattfinden soll, so werden sie nicht schon 2013, sondern erst vier Jahre später wieder mit der SPD an die Regierung kommen.

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