08.11.12

NSU-Mordserie

Bundesanwalt klagt Zschäpe wegen Beihilfe zum Mord an

Die Ermittler bringen Beate Zschäpe und weitere Beschuldigte vor Gericht. Sie sollen den Tod von zehn Menschen auf dem Gewissen haben.

Foto: dpa

Die NSU-Mitglieder Uwe Bhönhardt und Beate Zschäpe bei einem Urlaub im Jahr 2004
Die NSU-Mitglieder Uwe Bhönhardt und Beate Zschäpe bei einem Urlaub im Jahr 2004

Im Verfahren um die Neonazi-Mordserie hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen Beate Zschäpe und weitere Beschuldigte erhoben.

Die mutmaßliche Rechtsterroristin wird als Mittäterin wegen Mordes angeklagt. Zschäpe sei nicht nur Mitglied der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) gewesen, sondern selbst als Mittäterin für die Morde verantwortlich, sagte Generalbundesanwalt Harald Range am Donnerstag in Karlsruhe.

Neben Zschäpe sind auch vier mutmaßliche Unterstützer und Helfer der sogenannten Zwickauer Terrorzelle vor dem Oberlandesgericht München angeklagt. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei u.a. um Ralf Wohlleben. Er und Zschäpe sitzen als einzige Verdächtige noch in Untersuchungshaft.

Die 37-jährige Zschäpe ist die einzige Überlebende der Terrorzelle. Ihre mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt töteten sich selbst.

Die rechtsradikale Gruppe hatte sich den Namen "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) gegeben. Ihr werden insgesamt neun Morde gegen Bürger ausländischer Herkunft zugerechnet, außerdem der Mordanschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn und zwei Bombenattentate in Köln.

Das Neonazi-Trio war vor einem Jahr nur durch Zufall aufgeflogen, als Böhnhardt und Mundlos sich nach einem Banküberfall erschossen und Zschäpe danach die gemeinsame Wohnung in Brand setzte. Untersuchungsausschüsse in Bund und Ländern prüfen seither, wie es dazu kommen konnte, dass der rechtsextremistische Hintergrund der Mordserie über Jahre hinweg nicht ans Licht kam. Den Sicherheitsbehörden werden zahlreiche Ermittlungspannen vorgeworfen.

Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages erhofft sich durch den anstehenden Prozess neue Anstöße für die Aufklärung. Der FDP-Obmann Hartfrid Wolff sagte der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag am Rande einer Sitzung des Gremiums, er begrüße die Anklageerhebung gegen Zschäpe. "Ich erwarte mir von dem Prozess weitere Erkenntnisse und zusätzliche Impulse für unsere Arbeit." Wolff äußerte die Hoffnung, dass Zschäpe in dem Verfahren ihr Schweigen bricht.

Quelle: dpa/rtr/alu
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