14.10.12

SPD-Kanzlerkandidat

Warum ein Teddy-Peer nichts bewegen kann

Macht hat Peer Steinbrück zurzeit nur wenig. Er beginnt seinen Wahlkampf aus dem schwarzen Loch der Einsamkeit, sagt Autor Hajo Schumacher.

Den Mythos von der Männermörderin begründete Angela Merkel im Jahre 2002, als sie nach der Bundestagswahl dem Wirtschafts- und Finanzexperten Friedrich Merz den Fraktionsvorsitz entriss. Parteivorsitzende war sie schon.

CSU-Chef Stoiber hatte soeben die Wahl gegen Schröder vergeigt. Damit war die Führungs- und Kandidatenfrage geklärt: Angela Merkel ruhte auf den zwei Säulen der Macht – Partei und Fraktion. Gerhard Schröder immerhin brachte einen glänzenden Wahlsieg aus Niedersachsen mit, die störrische SPD hielt ihm Oskar Lafontaine vom Hals. 1998 hielt der Kandidat nicht alle, aber viele Machtressourcen in der Hand.

Macht, das bedeutet zuerst Handlungsfreiheit, das Gegenteil von Getriebensein. Peer Steinbrück hat davon derzeit wenig. Ohne Führungsfunktion, ohne großen Sieg im Gepäck beginnt der SPD-Herausforderer seinen Wahlkampf aus dem schwarzen Loch der Einsamkeit. Denn wer keinen Posten hat, hat wenig Mitarbeiter. Und Steinbrück wird so leicht keine finden.

Die fähigen Kräfte sind in den Oppositionsjahren abgewandert, in die Freiheit oder die Länder, zum Beispiel Kajo Wasserhövel und Matthias Machnig. Die beiden haben seit 1998 alle vier Bundestagswahlkämpfe der SPD geprägt, die immerhin in drei Regierungsbeteiligungen mündeten. Der eiserne Franz Müntefering hatte das Duo einst installiert und ihm Freiheit, Sicherheit und Vertrauen vermittelt. Machnig ist Minister in Thüringen, Wasserhövel glücklich mit seinem eigenen Büro und beide kaum in der Stimmung, sich mit Andrea Nahles über Plakatmotive austauschen zu wollen.

Die Generalsekretärin der SPD ist derzeit das größte Problem Steinbrücks. Sigmar Gabriel hat es geschafft, die Personalie Nahles ausdauernd zu vertagen. Noch so eine ungeklärte Machtfrage, die vordergründig für Ruhe, in Wirklichkeit aber für Unsicherheit sorgt, was sich bei Steinbrücks Wahlkampfstart deutlich zeigte. Ein gelungener Auftakt wäre gewesen, den Kandidaten mit einer gewissen Dramaturgie in den Wahlkampf zu schießen, ein Team zu präsentieren, mit einer großen Rede die ersten Wegmarken zu setzen.

Profis machen dafür lange vorher Pläne. Doch im Willy-Brandt-Haus ist von strategischem Vermögen wenig zu spüren; hier herrscht das Prinzip Misstrauen. Drei Reklamebuden belauern sich gegenseitig, wer denn wohl den großen Wahlkampfetat bekommt. Die Mitarbeiter gehören zum Nahles-Lager oder zum Gabriel-Clan. Wer kann, haut ab. Und Totstellen ist nicht nur im Tierreich eine Überlebenstaktik. Keine guten Leute, keine erfahrene Agentur, dafür eine ungeliebte Kampagnen-Anführerin, die aber faktisch auf der Wahlkampfkasse sitzt – mit diesen Strukturen wird der Kandidat Steinbrück alles, vor allem irre, aber garantiert nicht Kanzler.

Zu den immer gültigen Machiavellismen der Politik gehört die Weisheit, dass Grausamkeiten am Anfang zu begehen sind. Maximal bis Weihnachten hat Steinbrück den Schwung des Aufbruchs im Kreuz, um die Kleinkrieger im Willy-Brandt-Haus zu bändigen. Wer Macht will, muss manchmal brutal sein, gerade am Beginn des Weges. Ein Teddy-Peer wird nicht viel bewegen.

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