08.10.12

Spätgebärende

Kinder von älteren Müttern sind oft fitter

Nicht der Zeitpunkt der Schwangerschaft, sondern der Bildungsgrad der Mutter beeinflusst die Gesundheit des Nachwuchses. Das hat das Max-Planck-Institut für Demografische Forschung herausgefunden.

Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Annegret Raunigk brachte im Sommer 2006 mit 55 Jahren ihre Tochter Lelia zur Welt – das 13. Kind der Berlinerin
Annegret Raunigk brachte im Sommer 2006 mit 55 Jahren ihre Tochter Lelia zur Welt – das 13. Kind der Berlinerin

Spätgebärende Mütter sind unter prominenten Stars schon lange keine Seltenheit mehr: Hollywood-Star Nicole Kidman bekam ihr erstes Kind mit 41 Jahren, die Französin Carla Bruni brachte "le premier bébé " mit 43 zur Welt und die italienische Sängerin Gianna Nannini wurde gar erst mit 54 Jahren Mutter. Die Zahl der Spätgebärenden nimmt zu. Deren Kinder sind – anders als bislang angenommen – keineswegs anfälliger für Krankheiten, wie eine neue Studie aus Rostock zeigt.

Längst hat das Phänomen der "Last-Minute-Mütter" auch die breite Bevölkerung erreicht. Das hat Gründe: Weil das Durchschnittsalter der Bürger steigt, bekommen Frauen oft erst spät ihre Kinder: 2011 kamen laut Statistischem Bundesamtes in Deutschland 28.470 Babys zur Welt, deren Mütter 40 Jahre oder älter waren.

Ein weiterer Grund, der die Schwangerschaft oft weit nach hinten verschiebt, sind die langen Ausbildungszeiten. 2008 waren den Statistikern zufolge 54 Prozent der Hochschulabsolventinnen bis zu ihrem 35. Lebensjahr kinderlos. Warum also sind späte Schwangerschaften noch immer recht verpönt?

Risiko eines Erbgutddefektes steigt

Fakt ist, dass die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, mit zunehmendem Alter deutlich abnimmt. Gleichzeitig steigt das Risiko eines Erbgut-Defektes an: Von der Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt, ist statistisch gesehen bei 35-jährigen Müttern ein Kind von 350 betroffen. Bei 44-jährigen Frauen ist es eins von 14.

Doch wie sieht es aus, wenn eine sogenannte Spätgebärende ein gesundes Kind zur Welt gebracht hat? Bislang wurde häufig angenommen, dass deren erwachsener Nachwuchs später häufiger krank ist – etwa weil der Körper der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt bereits abgebaut hatte, die Eizellen schlechter oder die Plazenta schwächer war.

Doch eher das Gegenteil trifft zu, wie das Max-Planck-Institut für Demografische Forschung in Rostock herausgefunden hat. "Für das Erwachsenenalter der Kinder scheinen frühe Geburten bedenklicher zu sein als späte", sagte Mikko Myrskylä.

Je jünger desto kränker

Der Leiter der Forschungsgruppe "Dynamik des Lebensverlaufes und Demografischer Wandel" wertete die Daten von 18.000 US-Amerikanerinnen aus und kam zu dem Ergebnis, dass der Nachwuchs im Erwachsenenalter umso kränker wurde, je jünger die Mütter gewesen waren. Demnach litten die Kinder von 20- bis 24-jährigen Müttern unter fünf Prozent mehr Krankheiten als die der 25- bis 34-Jährigen Mütter. Bei Teenager-Müttern (14 bis 19 Jahre) bekamen die Kinder später als Erwachsene sogar 15 Prozent mehr Krankheiten.

Entscheidend für die spätere Gesundheit der Kinder sind nach Erkenntnis von Myrskylä vor allem der Bildungsgrad der Mutter und die Anzahl der Jahre, die sie mit ihrem Kind gemeinsam erlebt. "Der Bildungsstand der Mutter hat direkte Auswirkungen auf ihr Gesundheitsbewusstsein, etwa in Bezug auf Rauchen, körperliche Bewegung und Alkoholkonsum."

Was ist zu jung, was zu alt?

Etwas ältere Mütter verfügten in der Regel über mehr sozialökonomische Ressourcen und hätten mehr Zeit in ihre Bildung investieren können. Dadurch seien sie oft besser in der Lage, ihrem Kind zu einer Schul- und Berufsqualifikation zu verhelfen, was wiederum erneut Auswirkungen auf das Gesundheitsbewusstsein des erwachsenen Kindes habe, so Myrskylä.

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Kinder sehr junger Mütter besser dran wären, wenn ihre Mütter ein paar Jahre länger gewartet hätten", sagt der Forscher. Allerdings lasse sich daraus natürlich nicht ableiten, was zu jung und was zu alt sei.

"Rein biologisch mag es am besten sein, mit Mitte 20 Kinder zu bekommen", schreibt Katja, die selbst Mutter ist, in einem Internetforum zu diesem Thema. Junge Frauen hätten jedoch oft keine abgeschlossene Berufsausbildung, hätten weniger gearbeitet, und Partnerschaften gingen schneller in die Brüche: "Insofern kann es durchaus sinnvoll sein, erst mit Mitte 30 Kinder zu bekommen." Eine andere Internetnutzerin hält dagegen: "Wann eine Frau ein Kind bekommt, sollte doch am besten jede selbst entscheiden."

Quelle: epd
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