08.10.12

Steinbrück bei Jauch

"Ich habe von allen dasselbe Honorar genommen"

Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nutzt seinen Soloauftritt bei Günther Jauch und spricht über seine Nebeneinkünfte als Redner, seine Familie – und die Gefahren beim Brötchenholen.

Foto: dpa

Peer Steinbrück war am Sonntagabend einziger Gast in der ARD-Talkshow „Günter Jauch“. Er bewies, dass er schlagfertig, geradeheraus und zuweilen auch witzig sein kann.

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Er spricht über seine Nebenjobs, seine Familie, den Glauben an Gott – und warum er sich bei Andrea Nahles entschuldigt hat: Peer Steinbrück, am Sonntagabend einziger Gast in der ARD-Talkshow "Günther Jauch", zeigt sich schlagfertig, geradeheraus und zuweilen ziemlich witzig.

Das Publikum im Berliner Gasometer ist angetan und applaudiert dem SPD-Kanzlerkandidaten immer wieder. In der vorletzten Stunde einer eher durchwachsenen ersten Kandidaten-Woche erscheint Steinbrück nicht einmal pikiert oder angefasst. Er beweist damit vielmehr vor allem: Gute Nerven.

Familie von Kandidatur nicht "besonders begeistert"

Floskeln und Formeln sind Steinbrücks Sache nicht. Auf Jauchs Frage, wie denn seine Familie die Kanzlerkandidatur bewerte, redet der erst gar nicht drum herum. "Offen gesagt: Nicht besonders begeistert", berichtet Steinbrück. Ehefrau und Kinder fürchteten Auswirkungen der Kandidatur nicht nur auf sein, sondern auch auf ihr Leben. Und die Wahlkampfbühne werde seine Familie nicht betreten.

"Ich will die Privatheit meiner Familie weiter schützen, und hoffe, dass das respektiert wird." Mit Angela Merkel, sagt Steinbrück später, wolle er einen "Wahlkampfkodex" vereinbaren. Er jedenfalls werde "nicht mit Steinen schmeißen", kündigt er an, um dann doch einen Florettangriff gegen die Kanzlerin von der CDU zu wagen: "Ich habe Ecken und Kanten, bin nicht rund geschliffen. Das ist vielleicht ein kleiner Vorteil ihr gegenüber."

Immer dasselbe Honorar genommen

Natürlich, es dauert nur wenige Minuten, bis Jauch den früheren Finanzminister auf seine erklecklichen Honorare bei zahlreichen Vorträgen in den Jahren 2009 bis 2012 anspricht. Steinbrück erklärte in recht ruhigem Ton, aber alles andere als duckmäuserisch. Er habe nach Recht und Gesetz gehandelt, nun aber gelernt, dass "Misstrauen vorhanden ist". Daher werde er alsbald das Durchschnittshonorar seiner Vorträge nennen, sobald alle Unterlagen aufgearbeitet seien.

Warum nur das Durchschnittshonorar, kontert Jauch. Er habe privatrechtliche Verträge einzuhalten, antwortet Steinbrück, "und will nur das zusagen, was in meiner Hand liegt". Dann gewährt Steinbrück dem Publikum doch noch eine Neuigkeit: "Ich habe von allen dasselbe Honorar genommen." Na, dann sei das mit dem Durchschnitts-Honorar ja so schwer nicht, spottet Jauch. Manchmal weiche das Honorar nach unten, "und ein-, zweimal nach oben ab", relativiert sich Steinbrück.

Nein, er werde seine Steuererklärung nicht veröffentlichen; ja, er habe Leistungen erbracht und Gegenleistungen verlangt, sagt der SPD-Kanzlerkandidat: "Ich hab eine Nachfrage, ich habe einen Markt." Und er sei "gerne dabei", die Transparenz-Richtlinien zu verschärfen, sollten Union und FDP dazu bereit sein. "Nervt Sie das Thema?", fragt Jauch. "Nee. Glauben Sie, mir das anmerken zu müssen?" fragt Steinbrück zurück.

Steinbrück fordert für sich "Spielraum" von der Partei

Themenwechsel: Steinbrücks Beinfreiheit, um die er kürzlich die eigene Partei gebeten hat. "Ich habe manchmal gegen den Stachel gelöckt, bin anstrengend, aber ich bin kein Opportunist", so spricht Steinbrück über Steinbrück.

Als Kandidat benötige er einen "Spielraum", schließlich werde die SPD die Wahl nicht allein mit ihren 500.000 Mitgliedern gewinnen. Und schon jetzt kündigt Steinbrück an, in Erinnerung an Gerhard Schröders Basta-Politik: "Mit Rücktritt droht man nicht. Niemals. Das macht keinen Sinn."

Entschuldigung bei Andrea Nahles

"Ohne Frau Nahles wäre mein Leben genauso reich wie mit Frau Nahles" – dieses einstige Zitat aus dem Mund Steinbrücks hält Jauch seinem Gast vor, und der reagiert kleinlaut, fast geknickt. "Der Satz tut mir leid, und ich entschuldige mich dafür." Er sei in dieser Situation "begriffsstutzig" gewesen, und er habe sich bei der Generalsekretärin der SPD bereits entschuldigt, verwendet er das E-Wort ein zweites Mal.

So kennt man Steinbrück eher selten. Dabei hat er im Laufe seines Lebens schon manches Mal Parteifreunde um Entschuldigung gebeten, etwa Heide Simonis oder Gerhard Schröder, ebenfalls für flapsige Bemerkungen.

Für ein Mitsingen der deutschen Hymne

Jauchs Bitte um Ja-Nein-Antworten mag Steinbrück nur in einigen Fällen erfüllen: Ist das Steuerabkommen mit der Schweiz tot? "Ja." Soll die Nato in Syrien eingreifen? "Nein" (plus Beifall im Publikum), Soll auf deutschen Schulhöfen nur Deutsch gesprochen werden? "Nein." Sollen Nicht-Deutsche in der Nationalelf die deutsche Hymne mitsingen? "Ja" (plus Beifall). Sie werden bald 66, fängt dann das Leben erst an, frei nach Udo Jürgens? Steinbrück, über beide Wangen strahlend: "Schauen Sie mich an!"

Kurz vor dem Ende der Sendung geht Jauch noch ans Eingemachte. Warum er mit 18 aus der Kirche ausgetreten und 40 Jahre später wieder eingetreten sei, will er von Steinbrück wissen. Steinbrück windet sich erstmals um eine Antwort, spricht von der "stabilisierenden Funktion" der Kirche, "über die Glaubensstiftung hinaus".

Sind Sie gläubig? "Ich bin gläubig, wenn ich Gott als Prinzip für das friedliche Zusammenleben verstehe." Und dann, wieder ganz im Jenseits, konfrontiert Jauch Peer Steinbrück mit einem Zitat von dessen Ehefrau, im Brötchenholen nämlich, da sei er "sehr gut". Jauch: "Was kann man beim Brötchenholen falsch machen?" Steinbrück, trocken und norddeutsch knapp: "Sich verlaufen!"

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