20.09.12

"Vermisst"-Aktion

Minister Friedrich lässt umstrittene Kampagne platzen

Sie sollte die islamistische Radikalisierung Jugendlicher stoppen. Doch kurz vor dem Start hat der Innenminister die Kampagne gestoppt.

Foto: initiative-sicherheitspartnerschaft.de

Die umstrittene Plakat-Aktion soll vor der islamistischen Radikalisierung Jugendlicher warnen. Am Donnerstag stoppte Innenminister Friedrich die Kampagne
Die umstrittene Plakat-Aktion soll vor der islamistischen Radikalisierung Jugendlicher warnen. Am Donnerstag stoppte Innenminister Friedrich die Kampagne

Im Zusammenhang mit den Protesten radikaler Muslime hat das Bundesinnenministerium den Start seiner umstrittenen Plakataktion gegen eine islamistische Radikalisierung Jugendlicher kurzfristig gestoppt.

Der für diesen Freitag geplante Beginn der Kampagne unter dem Motto "Vermisst" werde wegen einer aktuellen Gefährdungsbewertung des Bundeskriminalamtes verschoben, teilte das Ministerium von Hans-Peter Friedrich (CSU) am Donnerstag mit.

Die Öffentlichkeitskampagne werde ansonsten planmäßig fortgesetzt. Ein neuer Starttermin wurde nicht genannt.

Keine Erkenntnisse über konkrete Gefährdung

Der Sprecher des Innenministeriums, Jens Teschke, sagte, es gebe zwar keine Erkenntnisse über eine konkrete Gefährdung. Allerdings spiele der Kontext der Proteste gegen das islamfeindliche Schmähvideo und andere Unruhen in islamischen Ländern eine Rolle.

Es sei nicht auszuschließen, dass dies bei fanatisierten Einzeltätern "einen Tatimpuls" auslösen könnte.

Vier muslimische Verbände hatten wegen der Aktion die Zusammenarbeit mit dem Innenministerium in der sogenannten Sicherheitspartnerschaft aufgekündigt. Sie warfen Friedrich vor, die Plakate stellten Muslime unter Generalverdacht. Die Plakate ähneln Vermisstenanzeigen.

Der Text lautet zum Beispiel: "Das ist unser Sohn. Wir vermissen ihn, denn wir erkennen ihn nicht wieder. Wir haben Angst, ihn ganz zu verlieren an religiöse Fanatiker und Terrorgruppen."

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth forderte, die Kampagne komplett abzusagen. "Herr Friedrich gibt zu, dass seine Plakataktion nicht nur unsensibel, sondern sogar gefährlich ist", betonte sie. Deshalb müssten die Plakate eingestampft werden.

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