02.09.12

Kommentar

Antisemitismus - das Drama nimmt seinen Lauf

Der Angriff auf einen Rabbiner liegt im Trend. Und die Gesellschaft schaut betreten zur Seite, meint Rainer Haubrich. Ein Kommentar.

Foto: DAPD

Teilnehmer eines Flashmobs tragen am Sonnabend auf dem Kurfürstendamm eine Kippa.

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In Berlin wird auf der Straße ein Rabbi zusammengeschlagen, er hatte gerade seine Tochter vom Klavierunterricht abgeholt. "Wir f… deine Frau, wir f... deinen Gott", schrien die "mutmaßlich arabischstämmigen" Täter (wie es so schön heißt), bevor sie Daniel A. bewusstlos prügelten. Das Entsetzen ist groß. Aber auch wieder nicht so groß, dass dieser Gewaltakt national Schlagzeilen gemacht hätte. Schließlich liegt er im europäischen Trend.

In Toulouse forderte im März der Amoklauf eines islamistischen Attentäters vor einer jüdischen Schule vier Todesopfer, drei waren Kinder. Frankreich, das EU-Land mit dem höchsten muslimischen Bevölkerungsanteil, empfinden immer mehr Juden als unsicheren Ort, viele kaufen schon Wohnungen in Tel Aviv.

In Amsterdam wurden bereits Polizisten in Zivil mit Kippa als "Lockvögel" eingesetzt, um die fast immer marokkanischstämmigen Schläger auf frischer Tat zu erwischen. Der ehemalige EU-Kommissar und Israel-Freund Frits Bolkestein stellte 2010 resignierend fest, dass es für "erkennbare" Juden in den Niederlanden keine Zukunft gebe – wegen des wachsenden Anteils intoleranter Muslime.

Dramatische Lage im schwedischen Malmö

Am dramatischsten aber ist die Lage im schwedischen Malmö, wo eine große islamische Community den wenigen Juden das Leben so schwer macht, dass schon viele junge Familien ausgewandert sind. Der dortige sozialdemokratische Bürgermeister glaubt, alles werde besser, wenn sich die schwedischen Juden "vom Staat Israel distanzieren".

Der Berliner Überfall hat zu Recht für Empörung gesorgt. Zum Glück kamen auch vom Zentralrat der Muslime klare Worte. Aber die islamischen Geistlichen hierzulande müssten mehr als bisher ihre Jugendlichen ins Gebet nehmen. Es geht eben nicht allgemein um den "Antisemitismus in unserer Gesellschaft", es geht um ein bestimmtes Milieu: gewaltbereite junge Muslime, die ihren Frust über die eigene Mittelmäßigkeit an Juden auslassen.

Die Mehrheitsgesellschaft schaut immer noch betreten zur Seite. Man will ja auf keinen Fall ausländerfeindlich sein – oder gar "islamophob". Und irgendwie sei das ja auch "nicht in Ordnung, was die Israelis machen". So nimmt das Drama seinen Lauf, in Frankreich, in erzliberalen Ländern wie den Niederlanden oder Schweden – und jetzt auch in Deutschland.

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