01.09.12

Nach Überfall

Kippa-Flashmob in Berlin setzt Zeichen gegen Antisemitismus

Innenminister Friedrich hat sich betroffen über die Attacke auf den Berliner Rabbiner gezeigt. Am Sonnabend demonstrierten die Berliner.

Foto: DAPD

Teilnehmer eines Flashmobs tragen am Sonnabend auf dem Kurfürstendamm eine Kippa.

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Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat sich tief betroffen über die Attacke auf den Berliner Rabbiner und dessen kleine Tochter gezeigt.

"Ich bin erschüttert und verurteile den Übergriff", sagte Friedrich und fügte hinzu: "Solche Taten sind abscheulich, und solche Angriffe auf den Wert der Toleranz dürfen uns und die jüdische Gemeinde nicht einschüchtern." Der Innenminister appellierte, alle Bürger müssten "täglich für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft eintreten".

Der Rabbiner war am vergangenen Mittwoch im Berliner Stadtteil Schöneberg von mehreren Jugendlichen umstellt, verprügelt und verhöhnt worden. Seiner Tochter drohten die Angreifer mit dem Tod. Laut Berliner Staatsanwaltschaft gibt es bislang nach wie vor keine weiteren Hinweise auf die Täter.

Spontane Demonstration gegen Antisemitismus

Am Sonnabend haben mehr als einhundert Menschen in Charlottenburg mit einer spontanen Demonstration gegen Antisemitismus protestiert. Bei dem sogenannten Kippa-Flashmob zogen die Teilnehmer schweigend von der Fasanenstraße bis zum Kaufhaus des Westens am Kurfürstendamm. Ein Großteil der Demonstranten trug dabei die traditionelle jüdische Kopfbedeckung.

Polizeiangaben zufolge war die Veranstaltung kurz zuvor noch angemeldet worden. "Es ist aber alles friedlich geblieben", sagte ein Sprecher. Auf Facebook hatten die Veranstalter zu der Aktion aufgerufen. "Wir nehmen nicht hin, dass auf unseren Straßen Menschen angegriffen werden, weil sie sich sichtbar als jüdisch zu erkennen geben", schrieben sie auf der Internetseite. Der Rabbiner war am vergangenen Mittwoch im Berliner Stadtteil Schöneberg von mehreren Jugendlichen umstellt, verprügelt und verhöhnt worden.

Ebenfalls am Sonnabend demonstrierten auf dem Schloßplatz in Mitte junge Berliner Gläubige, darunter Muslime, Juden und Christen, in Berlin für ein friedliches Miteinander in der deutschen Hauptstadt. Der "feige Überfall" auf einen Rabbiner habe gezeigt, dass sich die Gesellschaft konsequent gegen Hass und Intoleranz wenden müsse, sagte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU), der zugleich Schirmherr der Kampagne ist.

Mehr als 9800 politisch motivierte Gewalttaten

Politisch motivierte Straftaten sind in Deutschland keine Seltenheit: In den ersten beiden Quartalen des laufenden Jahres registrierte das Bundeskriminalamt (BKA) nach vorläufigen Angaben bundesweit 9868 solcher Fälle. Davon waren 870 Gewalttaten, 13 hatten antisemitische Beweggründe. Elf Menschen wurden bei judenfeindlichen Angriffen verletzt. Insgesamt zählte das BKA 436 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund. Davon waren 85 Propagandadelikte.

Die vorliegenden Zahlen lassen sich anhand der Antworten der Bundesregierung auf sechs kleine parlamentarische Anfragen ermitteln. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass es sich dabei um vorläufige Daten handelt. Die abschließende Jahresstatistik der Polizei kann aufgrund von Nachmeldungen und Korrekturen davon abweichen.

Nach den bereits bestätigten Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz war die Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten mit antisemitischer Zielsetzung in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken: 2007 wurden noch 59 solcher Straftaten registriert, 2011 waren es 22. Laut dem jüngsten Bericht der Sicherheitsbehörde wurden im vergangenen Jahr insgesamt 30.216 politisch motivierte Straftaten gezählt. 2010 waren es 27.180.

Quelle: dapd/EPD/sei
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