20.08.12

Studie

Nacht- und Wochenendarbeit nimmt in Deutschland zu

Die Deutschen arbeiten immer häufiger nachts und an Wochenenden. Auch die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse hat zugenommen.

Foto: dpa
Mähdrescher ernten inzwischen auch bei Dunkelheit. Nicht nur bei Bauern hat insgesamt die Nacht- und Wochenendarbeitszeit zugenommen
Mähdrescher ernten inzwischen auch bei Dunkelheit. Nicht nur bei Bauern hat insgesamt die Nacht- und Wochenendarbeitszeit zugenommen

Die Nacht- und Wochenendarbeit in Deutschland nimmt zu. Ein Viertel der Beschäftigten (24,5 Prozent) arbeitete 2011 auch samstags, 1996 waren es 18,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Der Anteil der Menschen, die nachts arbeiten, erhöhte sich im selben Zeitraum von 6,8 auf 9,6 Prozent.

Vollzeitbeschäftigte in Deutschland arbeiteten im vergangenen Jahr im Schnitt 40,7 Stunden pro Woche, wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte. Damit lag der Wert leicht über dem Durchschnitt der EU-Länder von 40,4 Stunden. Am niedrigsten war die Arbeitszeit EU-weit in Dänemark mit 37,7 Stunden sowie in Irland und Norwegen mit jeweils 38,4 Stunden. Die höchste Wochenarbeitszeit gab es in Großbritannien mit 42,2 Stunden und in Österreich mit 41,8 Stunden.

Teilzeitbeschäftigte in Deutschland arbeiteten demnach 2011 im Schnitt 18,2 Stunden pro Woche und damit weniger als im EU-Durchschnitt (20,2 Stunden).

Mehr Flexibilität - mehr Befristung

Der flexiblere Arbeitsmarkt hat den Einstieg ins Berufsleben verändert: "Junge Erwerbstätige beginnen ihr Arbeitsleben heute mit weniger Beschäftigungssicherheit", erklärten die Statistiker. Laut Statistikbehörde hatten im vergangenen Jahr 19 Prozent der Erwerbstätigen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren einen befristeten Arbeitsvertrag. Dieser Anteil lag 1996 bei zehn Prozent und hat sich damit nahezu verdoppelt. 40 Prozent der Erwerbstätigen, die 2011 seit weniger als zwölf Monaten bei ihrem aktuellen Arbeitgeber tätig waren, hatten einen befristeten Arbeitsvertrag.

Die Linken-Bundestagsfraktion forderte, Nacht- und Wochenendarbeit auf ein unvermeidbares Maß zu reduzieren. "Die Flexibilisierung von Beschäftigung hat ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr tragbar ist", sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin Jutta Krellmann. Sie verlangte zugleich ein Ende ausufernder befristeter Beschäftigung. "Junge Beschäftigte brauchen sichere Arbeitsverhältnisse statt Leiharbeit, unbezahlte Dauerpraktika und Hangeln von Befristung zu Befristung."

Auch die Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe (SPD) fordert die Bundesregierung zum Gegensteuern auf dem Arbeitsmarkt auf. "Regulierung von Leih- und Teilzeitarbeit und eine gerechte Bezahlung bei angemessenen Arbeitsbedingungen sind notwendig, um den Trend zu stoppen", sagte Kolbe.

Quelle: Reuters/dpa/nbo
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