20.03.2012, 16:34

Neuer Bundespräsident Leipziger begrüßen Gauck mit Jubel und Bravo-Rufen

Bundespraesident Joachim Gauck bei Festakt anlaesslich "800 Jahre Thomana"

Foto: dapd / dapd/DAPD

Sein erster öffentlicher Auftritt nach seiner Wahl als Bundespräsident ließ Joachim Gauck am Dienstag über das ganze Gesicht strahlen. Vor der Thomaskirche in Leipzig hatten sich mehrere Hundert Menschen versammelt, um ihr neues Staatsoberhaupt zu begrüßen.

Wurde früher von Kaiserwetter gesprochen, so dürfte heute der Ausdruck Präsidentenwetter angebracht sein: Es herrscht strahlender Sonnenschein, als der frisch gekürte Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt am Dienstag der Stadt Leipzig ihre Aufwartung machen. Wobei die Aufwartung genau genommen drei Geburtstagskindern gilt – der Thomaskirche, der Thomasschule und dem Thomanerchor, die 800. Geburtstag feiern.

Auf dem Thomaskirchhof rund um das Bach-Denkmal warten Hunderte Schaulustige – Leipziger und Touristen – bei mildem Frühlingswetter auf den ersten Mann im Staat. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) halten in der Sonne noch ein Schwätzchen, da rollt plötzlich die schwarze Limousine mit dem Kennzeichen 0 – 1 und der Standarte des Bundespräsidenten heran.

"Guten Tag, Leipzig"

Noch ehe die Türen geöffnet werden, brandet Beifall auf. Als Gauck und Schadt aussteigen, erschallen "Bravo"-Rufe. Der Bundespräsident wendet sich der jubelnden Menge zu und ruft zurück: "Guten Tag, Leipzig". Nun wird er noch von Thomaskantor Georg Christoph Biller herzlich begrüßt, ehe er pünktlich 10.55 Uhr in die bis auf den letzten Platz gefüllte Thomaskirche geht.

In der Kirche begrüßt ihn Jung ganz offiziell und freut sich, dass Gauck noch vor seiner Vereidigung seinen ersten offiziellen Termin ausgerechnet in Leipzig hat, "der Stadt der Friedlichen Revolution." Tillich bedankt sich für den Besuch des Bundespräsidenten in Sachsen und erklärt: "Sie haben es beim Empfang draußen und hier in der Kirche gemerkt: Die Menschen wünschen Ihnen für Ihre Amtsführung Gottes Segen und eine glückliche Hand."

Dann geht es um Kirche, Chor und Schule. Alle Redner unterstreichen die Bedeutung des Thomanerchores und dessen berühmtesten Kantors Johann Sebastian Bach. Doch selbst in die Ansprachen, die doch eigentlich dem Glauben, dem Lernen und der Musik gelten sollten, spielt die Politik immer wieder eine Rolle.

"Wir dürfen stolz darauf sein, das Jubiläum in Frieden und einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft feiern können", sagt Jung. Und auch Tillich verweist darauf, dass die Thomaner ihr erstes großes Jubiläum in einem freien und demokratischen Land feiern können. Diesen Raum der Freiheit verantwortlich zu gestalten, sei Aufgabe aller.

Ständige musikalische Erneuerung

Der Direktor des Bach-Archivs, Christoph Wolff, konzentriert sich dann auf die Musik. Er verweist darauf, dass die Amtszeit Bachs lediglich drei Prozent der bis jetzt 800 Jahre währenden Geschichte von Chor, Kirche und Schule ausgemacht habe. Dennoch habe er den Chor und dessen Musik geprägt wie kein anderer. Bachs Werke hätten sich inzwischen als zeitlos erwiesen.

Wolff sagt, dass die Thomaner, auch wenn sie häufig klassische Musik präsentierten, auch zur Erneuerung der Musik beitrügen. "So lange es solche Chöre, so lange es junge musizierende Menschen gibt, wird auch die Musik stets erneuert werden", meint er.

Gauck zeigt sich von dem Festakt beeindruckt, wie er beim Verlassen der Kirche anmerkt. "Ich bin dankbar, dass das mein erster offizieller Termin war", macht der den Leipzigern ein dickes Kompliment. Und die verabschieden ihn winkend, bevor sie in einem Festumzug zum Campus "forum thomanum" ziehen, wo mit Kindergarten, Grundschule und Gymnasium der Grundstein für die Ausbildung weiteren musischen Nachwuchses gelegt wird.

(dapd/sei)
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