30.08.13

Vor dem TV-Duell

Stapler und Schelle – Gesten von Merkel und Steinbrück

"Gesten sind meist ehrlicher als die Zunge", sagt Peter Ditko. Vor dem Rede-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück hat der Chef der Deutschen Rednerschule deren Gesten analysiert. Von Max Boenke und Julius Tröger

Der Wegdrücker

Merkel drückt etwas von sich weg, verteidigt sich. Die Geste ist nicht optimal, da sie etwas in Richtung des Zuschauers schiebt. Dennoch bleibt sie näher mit ihren Händen am Körper als Steinbrück und wirkt dadurch ausgeglichener.

Der Stapler

Peer Steinbrück benutzt eine Schlag-Geste und setzt dabei seinen ganzen Körper ein. Er signalisiert: "Ich kann mich durchsetzen". Nicht optimal: synchrone Gesten sind weniger überzeugend als asynchrone.

Der Vertrauenstanz

Das ist eine für Merkel sehr charakteristische Gefühlsgestik, die zeigt, dass sie stetig abwägt und austariert, bevor sie eine Entscheidung trifft. Merkel schafft mit der Geste Vertrauen – auch weil sie mit den Armen nicht weit ausholen muss.

Der Nadelstich

Auch wenn die Geste mit einem dominant-erhobenen Zeigefinger beginnt, so geht sie zum Ende hin fließend über in eine Gefühlsgestik. Mit einem guten Argument möchte Steinbrück so einen Punkt machen und Vertrauen erzeugen.

Der Italo-Schüttler

Ganz wichtig bei der Geste: Merkel formt keine Faust – sondern deutet diese mit der halbgeschlossenen Hand nur an. Mit der asynchronen Geste versucht sie elegant aber nachdrücklich ihr Durchsetzungsvermögen zu unterstreichen.

Die Faust-Wippe

Kraft-Gesten wie die Faust können schnell daneben gehen, es steckt zu viel Druck dahinter. Steinbrück signalisiert Härte und Durchsetzungs-vermögen. Er zeigt offen: "Ich bin im Angriffsmodus." Aber: Merkel ist mit Freundlichkeit, nicht mit Dominanz im Rededuell zu schlagen.

Das Macht-Dreieck

Für diese antrainierte Geste, die die Kanzlerin in Ruhephasen anwendet, hat sie schon viel Spott ertragen müssen. Sie hat sie aller Kritik zum Trotz als Markenzeichen beibehalten und drückt somit aus : "Ich lasse mir nichts einreden."

Der Pfahl

Steinbrück setzt mit seiner Geste von weit oben an, nimmt sehr viel Platz ein. Diese Dominanz-Geste wird man von Angela Merkel nie sehen. Beim Rede-Duell sollte Steinbrück auf solche Gesten verzichten – sie können dem Zuschauer Angst machen.

Der Breitmacher

Das Aufstützen am Pult ist eine Macht- oder Raumgestik. Angela Merkel macht ihren Körper größer, nimmt mehr Raum ein und signalisiert damit ihren Anspruch auf Macht. In schwierigen Phasen verschafft sie sich so auch mehr Halt.

Die Schelle

"Schluss. Aus. Keine Diskussion" – so mutet diese ausladende Geste an. Wieder sieht man, dass Steinbrück im Gegensatz zu Merkel weitaus mehr Raum in Anspruch nimmt. Steinbrück sollte seine Gestik reduzieren und mehr an einer freundlicheren Mimik arbeiten.