Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
13.02.12

Zoff im Zwergstaat

Ist Liechtensteins Fürst zu mächtig?

Gewählt ist er nicht, doch er hat stets das letzte Wort. Jedes Gesetz kann Liechtensteins Fürst per Veto aushebeln. Nun haben Kritiker eine Monarchiedebatte losgetreten.

© dpa/DPA
Verärgerter Fürst
Liechtensteins Erbprinz Alois

Sein Staat mag klein sein. Der kleinste deutschsprachige der Welt, der sechstkleinste überhaupt. Doch im Vergleich mit dem deutschen Präsidenten hat Liechtensteins Staatsoberhaupt deutlich mehr Befugnisse.

Dass Erbprinz Alois derzeit trotzdem ähnlich verschnupft wirkt wie Christian Wulff, liegt an Liechtensteins kecker Demokratiebewegung: Sie will die Macht des Landesfürsten beschneiden, will im Zwergstaat keinen politischen Riesen neben dem Parlament mehr dulden – und stellt damit die konstitutionelle Erbmonarchie im Alpenländle grundsätzlich infrage.

Mit der Volksinitiative "Ja – damit Deine Stimme zählt" soll das uralte Sanktionsrecht für den Herrn auf Schloss Vaduz per Verfassungsänderung eingeschränkt werden. Bislang bedeutet dieses Veto-Privileg, dass jedes neue oder abgeänderte Gesetz der Zustimmung des Fürstenhauses bedarf. Selbst wenn es im Ergebnis eines Volksentscheids zustande kam, kann der "Landesvater" es versenken.

Artikel 113 der Verfassung ermöglicht Abschaffung der Monarchie

Nach dem Willen der Monarchiekritiker soll künftig schlicht und einfach das Volk das letzte Wort haben. Eine entsprechende Initiative für einen Volksentscheid über eine Verfassungsänderung wurde vorige Woche bei der Regierungskanzlei in Vaduz eingereicht. Sie hat Sprengkraft. Das machte die ebenso umgehende wie verärgerte Reaktion aus dem Schloss deutlich.

Mit "Erstaunen" habe man zur Kenntnis genommen, dass die Forderung lanciert worden sei – "ohne zuvor überhaupt den Kontakt mit dem Fürstenhaus gesucht zu haben", hieß es in einer Verlautbarung. Dann nämlich hätte man die Initiatoren darauf hinweisen können, dass ihr Ziel allein "nach Artikel 113 der Landesverfassung" erreichbar sei.

Das ist genau jener Artikel, der die Abschaffung der Monarchie zumindest theoretisch ermöglicht. Das "Liechtensteiner Volksblatt" brachte die fürstliche Reaktion auf die Formel: "Ganz oder gar nicht." Ohne Veto wäre Erbprinz Alois (43) so machtlos wie so manch andere formelle Staatsoberhäupter, etwa die Königin von England. Schon sein Vater Hans-Adam II. (67), für den Alois seit 2004 amtiert, hatte sich dagegen gewehrt, zum "Grüßaugust" degradiert zu werden.

Streit um Legalisierung von Abbrüchen löste Debatte aus

Dass nun in Liechtenstein erneut über die Monarchie diskutiert wird, scheint sich der Erbprinz allerdings selbst eingebrockt zu haben. Im letzten Jahr waren die 19.000 Wahlberechtigten des Fürstentums aufgerufen, über die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen abzustimmen. Thronfolger Alois wartete den Urnengang jedoch gar nicht erst ab. Schon vorher kündigte er an, eine Abort-Legalisierung werde sowieso per Fürsten-Veto unterbunden.

Die Initiative wurde dann mit 52 Prozent Nein-Stimmen verworfen. Liechtensteinerinnen, die abtreiben wollen, fahren wie bisher über die Grenze in die Schweiz. Doch die Art, wie das Staatsoberhaupt mit dem Veto gewedelt hatte, wurmte viele.

Kein Wunder, dass Initiatoren des damaligen Volksentscheids ein neues Thema suchten und fanden: Die Einschränkung des Fürsten-Vetos. Darüber war freilich schon früher jahrelang diskutiert worden. Bis schließlich 2003 bei der Abstimmung über eine neue Verfassung 64,3 Prozent der Teilnehmer entschieden, den Fürsten dieses Privileg zu lassen.

Quelle: dpa
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Wendig: Dieses autonome Auto deutscher Forscher ("EO") parkt selbsttätig ein und dreht dabei seine Räder um 90 Grad
Die Geisterautos sind da

Diese Autos kommen ohne Fahrer aus

Video Nachrichten mehr
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
EM 2012 Deutschland plant 10 Spiele und 10 Siege
Atemnot Elton John sagt Vegas-Konzerte ab
Spitzentreffen Immer noch keine Einigung zum Fiskalpakt
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Kaufberatung

Günstige Digitalkameras unter 150 Euro im Test

Habgier

Deutscher wegen Lego-Diebstahls vor US-Gericht

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote