Straßenschlachten
Proteste in Athen gegen Sparpaket eskalieren
Stundenlange Krawalle begleiten in Athen die entscheidende Parlamentsdebatte. Protestierende werfen Flaschen, Steine und Rauchbomben auf Polizisten.
Die Proteste gegen das im griechischen Parlament zur Debatte stehende Sparpaket sind am Sonntag eskaliert. Die Unruhen begannen am Nachmittag, als mehr als 100.000 Demonstranten auf dem Athener Syntagma-Platz vor dem Parlament gegen die Beschlüsse protestierten.
Rund 100 von ihnen warfen Flaschen, Steine, Geröll und Rauchbomben auf die Sicherheitskräfte. Diese setzten wiederum Tränengas ein. Friedliche Demonstranten suchten in nahegelegenen Seitenstraßen Zuflucht. Nach Polizeiangaben wurde ein Beamter mit einer Schussverletzung ins Krankenhaus eingeliefert. Etliche weitere Sicherheitskräfte und Demonstranten wurden verletzt. Eine ungenannte Zahl von Randalierern wurde festgenommen.
Wenige Stunden später weiteten sich die Unruhen auf umliegende Straßen aus. Mindestens zehn Gebäude gingen in Flammen auf, darunter eine Bank, ein Geschäft für Mobiltelefone sowie ein Glaswarengeschäft und Café, wie die Feuerwehr mitteilte. Auf Fernsehaufnahmen war ein Eckgebäude zu sehen, das lichterloh brannte. Feuerwehrleute versuchten, die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Ob sich jemand in den brennenden Gebäuden aufhielt, war zunächst unklar.
Unterdessen ging das Ringen um die von der griechischen Regierung beschlossenen drastischen Sparmaßnahmen im Parlament weiter. Die Einschnitte sind Bedingung für ein zweites Rettungspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro von Europäischer Union, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF), ohne die Griechenland im März zahlungsunfähig wäre.
Gegenstand der Debatte ist auch eine Einigung mit privaten Gläubigern, durch die Griechenland mindestens 100 Milliarden Euro seiner Schulden in Höhe von 360 Milliarden Euro erlassen bekäme. Mit der Abstimmung wurde gegen Mitternacht gerechnet. "Es gibt nur wenige solcher Momente in der Geschichte einer Nation", sagte Finanzminister Evangelos Venizelos. "Für unser Land geht es ums blanke Überleben."
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