Syriens Führung gehackt
12345 – Präsident Assads unkreatives E-Mail-Passwort
"Anonymous" soll rund 80 E-Mail-Konten des syrischen Präsidentenbüros geknackt haben. Dokumente zeigen, wie sich Assad auf ein wichtiges US-Interview vorbereitete.
Das Hacker-Netzwerk Anonymous soll in der Nacht von Sonntag auf Montag die E-Mail-Konten von insgesamt 78 Mitarbeitern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad geknackt haben.
Dabei sei der Gruppe der Zugriff auf hunderte Mails gelungen – darunter E-Mails des Ministers für Angelegenheiten des Präsidenten, Mansour Fadlallah Azzam, und Assads Medienberater Bouthaina Shaaba. Das berichtete die israelische Zeitung "Haaretz" auf ihrer Online-Seite und veröffentlichte teilweise sogar Auszüge .
Offensichtlich waren die Sicherheitsvorkehrungen des syrischen Präsidentenbüros nicht besonders groß: Viele der E-Mail-Konten sollen mit dem Passwort "12345" geschützt worden sein.
Besonders interessant: "Haaretz" zitiert aus einem Dokument, das Assad offenbar als Vorbereitung für ein wichtiges Interview im US-Fernsehen diente. In dem aufsehenerregenden Gespräch im Dezember 2011 hatte der Diktator behauptet, er wolle sein Volk nur schützen – und sich als weitestgehend unschuldig dargestellt.
Manipulation der amerikanischen Psyche
"Haaretz" zitiert aus einer Mail der Pressesprecherin und syrischen UN-Vertreterin Sheherazad Jaafari, die unter anderem an Assads Medienberater Shaaba gerichtet war. Darin gibt sie dem Präsidenten detaillierte Ratschläge, wie er die Psyche des amerikanischen Publikums manipulieren kann. So empfiehlt sie etwa, einen Fehler zu Beginn der Krise einzugestehen – und zu versprechen, diesen zu beheben.
Tatsächlich nahm Assad den Rat an und gestand ein, dass Sicherheitskräfte teilweise Maschinengewehre benutzt hätten.
Auch auf die "Occupy Wall Street"-Bewegung und die harten Reaktionen der amerikanischen Polizisten gegen die Proteste solle er eingehen, so der damalige Vorschlag für das Interview mit der US-Talkerin Barbara Walters.
Assad sagte damals auch einen Satz, an dem man ihn noch heute erinnern kann: "Keine Regierung in der Welt bringt das eigene Volk um, es sei denn, sie wird von Verrückten geführt".
Derzeit prüfen die Vereinten Nationen nach Monaten der Gewalt mit Tausenden Toten die Entsendung einer Beobachtermission nach Syrien. Auch über einen UN-Sondergesandten werde nachgedacht. Die Arabische Liga will die Arbeit ihrer Beobachter in Syrien wiederaufnehmen und hat deshalb einen gemeinsamen Einsatz mit den Vereinten Nationen vorgeschlagen.
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