Belgien
Ein Königsmärchen, das nicht wahr sein darf
König Albert II. holt Flüchtlinge ins Schloss – eigentlich Stoff für ein Märchen. Doch die nationalistische Opposition findet sogar in dieser Suppe ein Haar.
Von Stefanie Bolzen
Kalt war es in den Ardennen, bitterkalt, das Thermometer sank in der Nacht auf elf Grad unter null. Was für eine schöne Geschichte in diesem harten Winter könnte es da sein, dass ein König die Tore seines Schlosses öffnet für die Ärmsten der Armen, ihnen Schutz und Wärme bietet.
Nicht so in Belgien, wo Wallonen und Flamen stets auf der Suche nach einem Anlass für politische Scharmützel sind.
Diesmal gilt die Attacke dem Königshaus. Dabei hatte es der Monarch ganz sicher sehr gut gemeint, als er vor rund drei Jahren einer Gruppe Asylsuchenden eine Wohnung auf dem Gelände seiner Sommerresidenz zur Verfügung stellte.
Genug Platz für vier gestrandete Menschen
Albert II. weilt ohnehin nicht oft auf dem Château Royal de Ciergnon, und das Anwesen hoch oben auf den bewaldeten Hügeln ist riesig. Genug Platz also, um die vier gestrandeten Menschen unterzubringen, und eine Geste des Königs, der sich nicht nur mit voller Kraft für den Zusammenhalt seines zerstrittenen Landes engagiert, sondern auch für humanitäre Zwecke.
Doch der 77-Jährige bedachte offensichtlich nicht, dass er wie jeder andere Vermieter für die Unterbringung von Flüchtlingen vom Sozialamt finanzielle Unterstützung bekommt. 40 Euro pro Person zahlt ihm die örtliche Behörde am Tag, wie erst jetzt herauskam.
Premierminister Elio Di Rupo mochte zu beschwichtigen versuchen, dass der Monarch keinesfalls Miete eintreibe, sondern die Zahlungen lediglich die Kosten für Heizung, Wasser und Verpflegung deckten – der Skandal war perfekt, zumindest für die N-VA, die nationalistische Partei des Flamen Bart De Wever.
Obwohl haushohe Gewinnerin bei den Parlamentswahlen 2010, ist die N-VA trotzdem nicht in Regierungsverantwortung gekommen und ätzt so weiter nach Herzenslust gegen alles, was das vereinte Königreich symbolisiert.
Albert II. habe genug leer stehenden Besitz, wo er Flüchtlinge unterbringen könne – doch stattdessen kassiere er lieber Miete, forderten De Wevers Parlamentarier den Monarchen heraus. Der Königspalast aber gab sich kalt wie das Wetter und sah von jedem Kommentar ab.
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