Show im Gerichtssaal
Massenmörder Breivik genießt den Medienrummel
Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik hat sich für seine Gerichtsverhandlung die maximale öffentliche Aufmerksamkeit gewünscht – und eine massives Kamera-Aufgebot zu seinem Haftprüfungstermin bekommen. Dort sprach er von "vorbeugenden Anschlägen".
Donnerstag, 21. Juli: Norwegens Außenminister Jonas Gahr Støre (M.) besucht einen Tag vor dem Attentat das Jugendlager der regierenden sozialistischen Partei auf Utoya. Die Sonne scheint, die Stimmung ist gelöst.
Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik ist bei einem Gerichtstermin am Montag in Oslo erstmals öffentlich von einem massiven Medienaufgebot fotografiert und gefilmt worden. Der rechtsradikale Islamhasser hatte im vergangenen Sommer bei zwei Anschlägen 77 Menschen getötet und sitzt seitdem hinter Gittern.
Unmittelbar vor einem Haftprüfungstermin konnte der 32-Jährige beim Betreten des Gerichtssaales abgelichtet werden. Er hob seine gefesselten Hände kurz in Richtung Zuhörer und Medien, was der Verteidiger Geir Lippestad später als "Versuch zu einem rechtsextremistischen Gruß" darstellte.
Der erklärtermaßen an öffentlicher Aufmerksamkeit interessierte Attentäter hatte vorab sein Einverständnis für Fotos und TV-Bilder gegeben. Das Gericht wollte nach der kurzen Verhandlung im Tagesverlauf über die Verlängerung der Untersuchungshaft entscheiden. Sie galt als sicher. Breivik soll sich ab 16. April vor Gericht für die Morde verantworten.
Bei seinem Haftprüfungstermin forderte Breivik seine sofortige Freilassung. "Ich akzeptiere meine Inhaftierung nicht, ich fordere, umgehend freigelassen zu werden", sagte der 32-Jährige. Seine beiden Attentate vom Juli, bei denen er insgesamt 77 Menschen getötet hatte, nannte Behring Breivik "vorbeugende Anschläge gegen Staatsverräter" zur Verteidigung der "ethnisch norwegischen Bevölkerung". Er nannte das rechtspsychiatrische Gutachten "lächerlich", mit dem ihn zwei Gutachter als nicht zurechnungsfähig eingestuft haben.
Norwegens größte TV-Sender übertrugen live, wie Breivik in dunklem Anzug und Schlips den Gerichtssaal betrat. Internetmedien ließen ihre Reporter direkt und nach Möglichkeit wörtlich aus dem Gerichtssaal wiedergeben, was Breivik dort äußerte. Überlebende der Anschläge und Angehörige der 77 Toten haben sich wiederholt kritisch über die massive Medienaufmerksamkeit für den Attentäter geäußert.
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