Gedenkstätte Yad Vashem
Westerwelle, die Shoa und deutsche Verantwortung
In der Gedenkstätte Yad Vashem hat Guido Westerwelle Holocaust-Überlebende getrofffen. "Wir müssen die Erinnerung wach halten", sagte der Außenminister.
Von Claudia Ehrenstein
Bereits kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begann die Entrechtung der Juden in Deutschland.
Ehud Loeb stützt sich auf seinen Gehstock und lächelt freundlich. 78 Jahre ist er jetzt alt. Die meiste Zeit seines Lebens hat er in Jerusalem verbracht.
Er ist verheiratet, hat vier Kinder und neun Enkelkinder: "Heimat ist dort, wo man glücklich ist", sagt er. Geboren wurde Ehud Loeb 1934 als Herbert Odenheimer im badischen Bühl.
1940 deportierten ihn die Nazis zusammen mit seinen Eltern und seiner Großmutter in das Lager Gurs in Südfrankreich. Er überlebte, weil ihn das französische Kinderhilfswerk O.S.E. bei christlichen Familien versteckte.
Zwei Mal hat er seither seine Geburtstadt besucht. Seine Familie ist dort im Jahr 1710 erstmals urkundlich erwähnt. "Und in nur zwei Stunden wurden wir abgeführt", sagt Ehud Loeb. Der größte Teil seiner Familie kam in Auschwitz ums Leben.
Ehud Loeb bewundert den Kampf Deutschlands
Heute bewundere er den Kampf, den Deutschland führt, um seine Vergangenheit zu überwinden. Dem deutschen Außenminister Guido Westerwelle (FDP) reicht er gern die Hand, weil er "guten Willens" sei.
Westerwelle besucht am vierten Tag seiner fünftägigen Nahost-Reise – nach Stationen in Jordanien und Ägypten – die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.
Dort trifft er auch Ehud Loeb, einen von drei Holocaust-Überlebenden, die dem Minister von ihrem Schicksal berichten. Pessach Anderman stammt aus Galizien im damaligen Polen. Er überlebte in verschiedenen Ghettos und Arbeitslagern.
Vera Dotan ist gebürtig aus Budapest. Sie wurde im Juli 1944 deportiert, war zuletzt im Konzentrationslager Ravensbrück. Im April 1945 gelang es ihr zusammen mit der Mutter, während des Todesmarsches zu fliehen
"Dunkelstes Kapitel deutscher Geschichte"
Damit dieses "dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte", so Westerwelle, niemals in Vergessenheit gerät, fördert die Bundesregierung die Arbeit der Gedenkstätte Yad Vashem in den kommenden zehn Jahren mit einer Millionen Euro jährlich.
Ein entsprechendes Abkommen mit Israel unterzeichnete Westerwelle am Mittwochvormittag: "Wir wissen um unsere Verantwortung."
Das Abkommen sei ein klares Bekenntnis der Bundesregierung und des gesamten deutschen Volkers zur Freundschaft mit Israel. "Wir müssen die Erinnerung wach halten", sagt Westerwelle.
Mit den deutschen Fördermitteln sollen unter anderem Dokumente der Gedenkstätte digitalisiert und im Internet zugänglich gemacht werden. Speziell in Mittel- und Osteuropa, aber auch in Deutschland und anderen Teilen Europas soll in den kommenden Jahren gezielt nach Dokumenten zum Holocaust gesucht werden.
Deutschland hat schon 68 Milliarden Euro bezahlt
Unterstützt werden ausdrücklich auch internationale Projekte zur Fortbildung von Lehrkräften, die schon mit der Holocaustthematik vertraut sind. Deutschland hat seit 1945 insgesamt 68 Milliarden Euro als Entschädigung und Wiedergutmachung an Holocaust-Überlebende gezahlt.
Von Yad Vashem reist Westerwelle weiter in die Westbank nach Ramallah, wo er zunächst Gespräche mit Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas führt.
Anschließend trifft er zusammen mit Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP), der zurzeit ebenfalls in der Region unterwegs ist, den palästinensischen Ministerpräsidenten Salam Fayyad.
Thema der Konsultation ist der stockende Nahostfriedensprozess und die nach wie vor ungeklärte Flüchtlingsfrage. Westerwelle kündigt an, die Bundesregierung werde die palästinensischen Flüchtlinge in diesem Jahr mit elf Millionen Euro unterstützen.
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