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21.01.12

"Pussy Riot"

Russische Feministinnen erobern den Roten Platz

Wo einst Zarenerlasse verlesen wurden, hat eine feministische Punk-Band Wladimir Putin den Kampf angesagt. Die Frauen rufen dazu auf, öffentliche Orte in Russland zu besetzen.

© REUTERS
Moskau

Bunte Sommerkleider, Strumpfhosen und Masken auf dem Kopf. Eine feministische Punk-Gruppe tritt bei minus 12 Grad direkt auf dem verschneiten Roten Platz in Moskau auf. "Eine Rebellen-Kolonne geht auf den Kreml, in Kabinetten der Geheimdienstler platzen Scheiben", singt die Band "Pussy Riot". Das Lied heißt "Putin hat Schiss" und handelt über die Angst der russischen Machthaber vor der Revolution.

Die kleine Bühne, auf der die Band auftritt, trägt den Namen "Lobnoje Mesto" ("Stirnstätte"). Hier wurden im Mittelalter Zarenerlasse verlesen und Ende des 17. Jahrhunderts aufständische Strelizen, die Palastgarde des Tsaren, hingerichtet. Im August 1968, als die Sowjetischen Truppen in die Tschechoslowakei einmarschierten, protestierten am "Lobnoje Mesto" acht Dissidenten gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings.

Alle acht wurden festgenommen, verprügelt und zu Gefängnisstrafen verurteilt oder in Irrenanstalten gesteckt.

Aufruf – Öffentliche Orte in Russland besetzen

"Wir erinnern uns an die Ereignisse des Jahres 1968", schreiben "Pussy Riot" in ihrem Blog. "Die gleichen Machtstrukturen wie bei Breschnew regieren das Land immer noch, sie sind nicht weg. Nur die Formen des Autoritarismus, der Kontrolle und des staatlichen Terrors haben sich geändert... Bürger werden in Russland bis heute von den Machthabern für psychisch Kranke gehalten, die keine Entscheidungen selbstständig treffen können".

Die Feministinnen rufen auf, öffentliche Orte in Russland zu besetzen und für politische Reformen zu kämpfen. Sie erinnern an die Revolutionen in Ägypten und daran, dass der "Demonstrant" vom Time Magazine zur Person des Jahres gekürt wurde .

"Aufstand in Russland – Charisma des Protests, Aufstand in Russland – Putin hat Schiss". Nachdem dieser Refrain zum letzten Mal gesungen wurde und das Konzert zu Ende war, nahm die Polizei alle acht Frauen fest. Einige Stunden später wurden sie freigelassen.

Die Punk-Gruppe ist für ihre illegalen Konzerte in der U-Bahn und auf den Dächern der Busse bekannt. Der populäre Aktivist und Politiker Alexei Nawalny lobte die Band in seinem Blog. "Pussy Riot" traten bereits vor den Fenstern des Gefängnisses auf, wo er zusammen mit den anderen Aktivisten saß. Nach einer Demonstration gegen die Fälschungen bei den Parlamentswahlen wurde Nawalny Anfang Dezember zu 15 Tagen Haft verurteilt.

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