Protestbewegung
Tausende demonstrieren in New York gegen Banken
Die Proteste an der Wall Street finden immer größeren Zulauf. Am Mittwoch schlossen sich mehrere US-Gewerkschaften den Demonstranten an, die seit Wochen ihren Unmut über die Macht von US-Banken auf die Straße tragen. Rund 5000 Menschen demonstrierten in New York – so viele wie noch nie.
Tausende Demonstranten haben in New York gegen die Macht der Banken und die wachsende Ungleichheit in den USA protestiert. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot zog der Marsch am Mittwoch durch den Finanzdistrikt in Manhattan. Die Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie "Rettet unsere Republik" und "Gleichheit, Demokratie, Revolution".
Die zumeist jungen Protestteilnehmer skandierten "Wir sind 99 Prozent" und spielten damit auf das reichste Prozent der US-Bevölkerung an, von dem sie sich hintergangen fühlen. Sie fordern höhere Steuern für Konzerne und für Reiche und einen Umbau des Sozialsystems zugunsten ärmerer Schichten, der Bildung und der Umwelt. Nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen beteiligten sich bis zu 12.000 Menschen an der Demonstration, die Polizei sprach von 5000 bis 7000 Teilnehmern.
Die Protestbewegung hatte in den vergangenen Tagen immer mehr Zulauf erhalten, nachdem Mitte September erste Aktivisten im Zuccotti-Park unweit der Wall Street ein Protestcamp aufgeschlagen hatten. Mittlerweile hat die Bewegung die Rückendeckung von führenden Gewerkschaften, etwa dem Dachverband AFL-CIO, der Automobilgewerkschaft UAW und der Transportarbeitergewerkschaft TWU. Auch in Los Angeles, Boston, Chicago und anderen Städten haben sich kleine Ableger der Wall-Street-Kritiker formiert. Eine ähnliche Demonstration war für Donnerstag in Washington geplant.
Bereits Stunden vor der Demonstration versammelten sich am Mittwoch rund 2000 Menschen im New Yorker Zuccotti-Park. Am vergangenen Wochenende waren bei einem ähnlichen Protestmarsch auf der New Yorker Brooklyn Bridge mehr als 700 Menschen vorübergehend festgenommen worden. Die Brücke musste wegen der Kundgebung am Samstagnachmittag für mehrere Stunden gesperrt werden.
Die genauen Ziele der heterogenen Gruppe mit dem Motto "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street") sind unklar. Die Liste der Beschwerden reicht von teuren Studiengebühren über die hohe Arbeitslosigkeit bis zu sinkenden Renten. US-Präsident Barack Obama war gleichermaßen Ziel von Spot und Kritik, aber auch Hoffnung und Unterstützung.
Zusammengehalten wird die Bewegung von der Wut darüber, dass vor allem die Mittelschicht und die ärmere Bevölkerung unter den Folgen der Finanzkrise zu leiden hätten. "Wall Street hat schuld", riefen Hunderte Menschen immer wieder in Sprechchören. Redner forderten ein neues Steuersystem, dass vor allem die Finanzhäuser zur Kasse bittet. "Was wir heute haben, ist nicht fair, nicht fair, nicht fair", rief eine Rednerin. "Macht dieses Land sozial", sagte ein anderer.
"Ich glaube, dass sich jeder hier ausgeraubt fühlt", sagte die 29-jährige Lindsey Personette. "Sie haben es schwer, über die Runden zu kommen." Die 26-jährige Kelly Wells, die eigens aus dem Bundesstaat Oregon an der Westküste für die Proteste nach New York gekommen war, hofft auf weiteren Schwung durch die wachsende Unterstützung: "Mehr Teilnehmer, mehr Macht, mehr Öffentlichkeit."
Die New Yorker Abgeordnete Louise Slaughter, die für die Demokraten im Repräsentantenhaus sitzt, äußerte ihre Sympathie für die Bewegung. Slaughter sagte, sie sei "so stolz", dass die Wall-Street-Kritiker sich gegen die "ungezügelte Gier" bei Banken und Konzernen erheben würden und "friedlich an unserer Demokratie teilhaben".
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