Mutmasslicher Kriegsverbrecher
Deutscher Richter entscheidet im Mladic-Prozess
Im Völkermord-Verfahren gegen Ratko Mladic hat der UN-Strafgerichtshof einen deutschen Juristen zum Vorsitzenden Richter ernannt.
Von Dusan Stojanovic
Ratko Mladic, der 15 Jahre lang auf der Flucht war, ist festgenommen worden.
Der UN-Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) hat für das Völkermord-Verfahren gegen den serbischen Ex-General Ratko Mladic einen deutschen Juristen als Vorsitzenden Richter bestimmt.
Der 63-jährige frühere Berliner Justizstaatssekretär Christoph Flügge wird dabei von einem niederländischen und einem südafrikanischen Richterkollegen unterstützt. Das entschied der amtierende Präsident des ICTY, der türkische Jurist Mehmet Güney, am Freitagabend.
Flügge war 2008 von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in das Amt eines Richters beim ICTY berufen worden. Er gilt als ausgewiesener Experte des Völkerstrafrechts. Der an der Freien Universität Berlin ausgebildete Jurist leitete seit 1989 die Abteilung Strafvollzug in der Berliner Senatsverwaltung für Justiz. Flügge war in Deutschland auch als Staatsanwalt und Richter tätig.
Die beiden anderen Richter im Mladic-Verfahren sind der Niederländer Alphonse Orie (63) und der Südafrikaner Bakone Justice Moloto (66). Der bereits 1995 wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen Menschlichkeit angeklagte Mladic war am Donnerstag - fast 16 Jahre nach dem Ende des Bosnienkrieges – in Serbien verhaftet worden.
Dem früheren Militärchef der bosnischen Serben wird tausendfacher Mord vorgeworfen. Er wird unter anderem für das Massaker von Srebrenica verantwortlich gemacht, bei dem etwa 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet wurden.
Nach Angaben der serbischen Staatsanwaltschaft vom Freitag soll die Auslieferung von Mladic an das UN-Tribunal in Den Haag "spätestens in sieben Tagen" erfolgen. Alle Voraussetzungen dafür seien erfüllt, entschied ein Gericht in Belgrad. Allerdings hat der Anwalt von Mladic für den kommenden Montag Berufung gegen den Auslieferungsbeschluss angekündigt.
Vor seiner Auslieferung soll Mladic noch zwei mysteriöse Morde in Belgrad aufklären. Das verlangten die Anwälte der Soldaten Dragan Jakovljevic und Drazen Milovanovic in serbischen Medien. Die Soldaten waren am 5. Oktober 2004 bei einem mysteriösen Zwischenfall in einer Belgrader Kaserne ums Leben gekommen. Als Grund wurde spekuliert, die beiden Soldaten hätten den flüchtigen Mladic in der Kaserne gesehen. Um sie als Zeugen zu beseitigen, seien sie von den Mladic-Leibwächtern ermordet worden.
Nach offizieller Darstellung der Armee soll dagegen Jakovljevic aus unbekannten Gründen zuerst seinen Kameraden umgebracht und sich dann selbst getötet haben. Eine unabhängige Expertenkommission kam allerdings zu dem Schluss, beide seien von einem Dritten aus nächster Nähe erschossen worden.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- Prozess in Den Haag: Ratko Mladic nennt Anklageschrift "widerlich"
- Mutmaßlicher Kriegsverbrecher: Ratko Mladic versteckte sich im Frauenkloster
- Serbien: Gewaltexzess nach Pro-Mladic-Demonstration
- Kriegsverbrecher-Prozess: Mladics Verteidiger will Auslieferung hinauszögern
- Vor Auslieferung: Mladic besucht noch einmal das Grab seiner Tochter
- Auslieferung: Ratko Mladic wartet in Einzelzelle auf UN-Tribunal
-
17:59Britz: Dreiste Schmuckdiebe tarnen sich als Touristen
-
17:54Missbrauchskandal: Parkeisenbahn-Chef tritt nach Vorwürfen zurück
-
17:51Misswirtschaft: Wie sich Griechenlands Elite die Taschen vollstopf...
- 1. Live-Ticker Herthas Raffael hatte Tränen in den Augen
- 2. Drogeriekette Berggruen macht Schlecker-Mitarbeitern Hoffnung
- 3. Bauexperten Zweifel am neuen Eröffnungstermin für BER wachsen
- 4. "Ein Scherz" Flugsicherung prüft juristische Schritte gegen RBB
- 5. Entscheidungslösung Der Bundestag beschließt Organspende-Reform














