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27.05.11

Serbischer Kriegsverbrecher

Mladic bei Festnahme mit Gewehren bewaffnet

Bei seiner Festnahme trug der "Schlächter vom Balkan" Waffen bei sich. Die erste Vernehmung musste jedoch abgebrochen werden: wegen schlechter Gesundheit.

AFP

Serbische Nationalisten haben nach der Festnahme von Ratko Mladic zu Protesten aufgerufen – obwohl die serbische Polizei alle öffentlichen Versammlungen verboten hat

7 Bilder

Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic war der serbischen Regierung zufolge bei seiner Festnahme bewaffnet. Mladic habe zwei geladene Gewehre bei sich gehabt, aber keinen Widerstand geleistet, sagte der für die Verfolgung von Kriegsverbrechern zuständige Minister Rasim Ljajicg.

Anderen Berichten zufolge sei Mladic von den Einsatzkräften im Schlaf überrascht worden. Er sei "aus dem Bett heraus verhaftet" worden, berichteten die Zeitungen in Belgrad. Seine angeblich umfangreiche Leibwache, die ihn bei einer Festnahme hätte erschießen sollen, sei weit und breit nicht in Sicht gewesen. Auch seien keine modernen Kommunikationsmittel wie Handy oder Laptop gefunden worden.

Bei dem Haus seines Onkels Branislav Mladic im Dorf Lazarevo - eine Autostunde nordwestlich von Belgrad – handele es sich um "ein typisches Bauernhaus", hieß es in den Presseberichten weiter. Das Gebäude sei in der Vergangenheit von den Sicherheitskräften mehrmals ohne Ergebnis durchsucht worden, Mladic sei erst vor zwei Wochen hier eingetroffen.

Zuvor habe er sich in der Umgebung von Belgrad versteckt gehalten. Schon früher hatten die Verfolger herausgefunden, dass Mladic seine Verstecke in schneller Folge änderte.

Mladic habe bei der Festnahme blass ausgesehen, so als ob er lange nicht an der frischen Luft gewesen wäre. Der frühere General soll eingefallen und deutlich älter ausgesehen haben. "Kaum jemand konnte ihn erkennen", sagte Minister Rasim Ljajicg. Mladic hatte falsche Ausweisdokumente bei sich, die ihn als Milorad Komadic ausgaben.

"Schlechter körperlicher Zustand"

Der serbische Kriegsverbrecher ist mittlerweile unter Ausschluss der Öffentlichkeit einem Richter in Belgrad vorgeführt worden. Von vier Wächtern begleitet trat der geschwächt wirkende Mladic am Donnerstagabend langsam vor den Untersuchungsrichter, der ihm die Anklageschrift vorlas.

Mladic erschien in einer marineblauen Jacke und einer Baseballmütze vor Gericht, in seiner linken Hand schien er ein Handtuch zu tragen. Mladics Anwalt Milos Saljic erklärte, der Richter habe die Befragung seines Mandanten wegen seines "schlechten körperlichen Zustands" abbrechen müssen. Der frühere serbische Militärbefehlshaber habe nicht kommunizieren können.

"Ratko sollte nicht nach Den Haag gebracht werden, weil er sehr krank ist", sagte Saljic. Mladic habe deutlich gemacht, dass er die Rechtmäßigkeit des UN-Kriegsverbrechertribunals, an das er ausgeliefert werden soll, nicht anerkenne. In Sicherheitskreisen hieß es, Mladic habe einen Schlaganfall erlitten, in dessen Folge eine Hand steif geblieben sei. Seine Anhörung in Belgrad soll am Freitag, 27. Mai, fortgesetzt werden.

Massaker von Srebrenica

Mladic wurde vom UN-Tribunal in Den Haag wegen Völkermords angeklagt. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, die serbischen Einheiten beim Massaker von Srebrenica befehligt zu haben, bei dem im Juli 1995 mehr als 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet wurden.

Der Ex-General war nach Kriegsende 1995 untergetaucht. Zuletzt war in Serbien ein Kopfgeld von zehn Millionen Euro ausgesetzt, die USA hatten zusätzliche fünf Millionen Dollar für seine Ergreifung ausgelobt.

Seine Ergreifung gilt als Voraussetzung für einen Beitritt Serbiens zur Europäischen Union . Die EU begrüßte umgehend die Verhaftung von Mladic und forderte seine unverzügliche Überstellung nach Den Haag.

"Jetzt ist ein Kapitel in unserer unglücklichen Geschichte abgeschlossen", sagte Tadic. "Der Auslieferungsprozess ist im Gange", ergänzte der Präsident, ohne nähere zeitliche Angaben zu machen. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sagte, dass eine schnelle Auslieferung von Mladic und eine volle Kooperation mit dem Internationalen Strafgerichtshof unerlässlich für die angestrebte EU-Mitgliedschaft Serbiens seien. Sie rechne mit einer Überstellung innerhalb von neun bis zehn Tagen.

Nach Angaben des für das ehemalige Jugoslawien zuständigen UN-Gerichts soll Mladic erst nach Den Haag überstellt werden, wenn alle nach serbischem Recht notwendigen juristischen Verfahren abgeschlossen sind.

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die Verhaftung des Kriegsverbrechers. "Die Verhaftung von Ratko Mladic ist eine gute Nachricht, nicht nur für Bosnien und Herzegowina, sondern auch für Serbien, den Westbalkan und damit für ganz Europa", sagte sie. Der Schritt habe Serbien der EU näher gebracht.

Schwedens Außenminister Carl Bildt sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Serbiens Chancen auf einen EU-Beitritt seien nun besser als jemals zuvor. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ergänzte, die EU solle klar signalisieren, dass das Serbiens Bestimmung der Beitritt zur Union sein sollte. Erweiterungskommissar Stefan Füle sagte, dass die Festnahme des 69-Jährigen ein großes Hindernis für Serbien auf dem Weg in die EU beseitigt habe. Das Land müsse jetzt seine Reformbemühungen intensivieren.

Quelle: dpa/Reuters/jw/mcz
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