US-Liquidierungsaktion
Bin Laden ist tot – "Sieg der Gerechtigkeit"
Knapp zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September spüren US-Soldaten den Terrorführer in Pakistan auf und erschießen ihn in seinem Haus.
Von Günther Lachmann
Es ist die Nachricht des Jahres: Der Topterrorist Osama Bin Laden ist tot. Weltweit titeln die Zeitungen mit der Liquidierungsaktion. Wie hier in Japan.
Der meistgesuchte Terrorist der Welt ist tot. US-Elitesoldaten erschossen Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden bei einer gezielten Kommandoaktion in Pakistan – knapp zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001.
Noch während US-Präsident Barack Obama den Tod Bin Ladens verkündete, feierten jubelnde Massen vor allem in Washington und New York den – laut Obama – "Sieg der Gerechtigkeit".
Gleichzeitig wächst die Angst vor Vergeltungsschlägen. Rund um den Globus warnten Regierungen, der Kampf gegen den Terrorismus sei nicht beendet.
Nach Angaben Obamas tötete eine Spezialeinheit Bin Laden bei einem Schusswechsel. Nach Informationen des US-Nachrichtensenders CNN starb der 54-Jährige durch einen Kopfschuss. Es habe sich um eine "Kill Mission" gehandelt – eine gezielte Liquidation, berichtete der Sender unter Berufung auf offizielle Quellen.
Eine Festnahme sei nicht das Ziel gewesen. Bin Ladens Leiche sei umgehend im Meer bestattet worden.
US-Fernsehsender strahlten Videoaufnahmen vom Anwesen Bin Ladens aus: Die Bilder zeigten zerwühlte Betten und Chaos in einem Zimmer. Auf dem Fußboden vor zwei der Betten waren Blutlachen zu sehen.
Zuvor hatte die US-Einheit in einer 40-minütigen Blitzaktion den stark gesicherten Gebäudekomplex in Abbottabad nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad gestürmt.
Bin Laden setzte sich zur Wehr. Bei dem Feuergefecht wurden auch drei weitere Männer und eine Frau getötet. Unter den Toten sind nach Vermutungen der US-Stellen Bin Ladens erwachsener Sohn und zwei Kuriere, die eine wichtige Spur zu dem Terror-Chef waren. Keiner der Amerikaner kam zu Schaden.
"Der Gerechtigkeit ist Genüge getan", sagte Obama in seiner Fernsehansprache. Er betonte: "Bin Laden war kein muslimischer Führer, er war ein Massenmörder von Muslimen."
Die Vereinigten Staaten befürchten Vergeltungsaktionen. Die diplomatischen Vertretungen der USA wurden in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Die US-Regierung appellierte dringend an ihre Bürger in besonders brisanten Regionen, Massenversammlungen oder Demonstrationen zu meiden.
Die Kontrollen an den New Yorker Flughäfen wurden erheblich verstärkt. Der radikalislamische Prediger Abu Bakar Bashir kündigte in Indonesien eine harte Bestrafung der USA an.
Bin Laden gilt als der Kopf hinter den schlimmsten Terroranschlägen der vergangenen Jahre, unter anderem am 11. September 2001. Fast 3000 Menschen waren damals getötet worden, als seine Gefolgsleute Flugzeuge in die Türme des World-Trade-Centers in New York gesteuert hatten.
Ein amerikanischer Beamter hatte vor Journalisten erklärt, es werde sichergestellt, dass der Umgang mit der Leiche Bin Ladens "im Einklang mit islamischen Praktiken und islamischer Tradition" stehe. Das sei "etwas, dass wir sehr ernst nehmen, und deshalb wird das in einer angemessenen Weise gehandhabt".
Dem früheren Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) wäre ein rechtsstaatliches Strafverfahren gegen Bin Laden lieber gewesen. In einem Interview auf "Morgenpost Online" sagte Schily: "Wenn die Alternative bestanden hätte, ihn festzunehmen und vor Gericht zu stellen, dann wäre die Festnahme die bessere Lösung gewesen. Selbst bei militärischen Maßnahmen ist manchmal die Gefangennahme die bessere Lösung. Aber ich gehe davon aus, dass diese Möglichkeit nicht bestanden hat."
Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte den Tod Bin Ladens ausdrücklich. "Ich freue mich, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten", sagte sie.
Entscheidend sei, dass von ihm als einem Drahtzieher des internationalen Terrorismus keine weitere Gefahr mehr ausgehe. Sie habe US-Präsident Obama deshalb ihren Respekt über die Aktion mitgeteilt.
"Besiegt ist der internationale Terrorismus damit noch nicht", warnte Merkel. Auch in Deutschland müsse man weiter wachsam sein, wie die jüngsten Verhaftungen gezeigt hätten. "Die Sicherheitslage in Deutschland hat sich aber durch die Aktion nicht geändert."
Obama erhielt nach eigenen Angaben im August 2010 erste Hinweise auf den Unterschlupf Bin Ladens. In der vergangenen Woche habe er ausreichend Informationen gehabt und sich entschlossen zu handeln. Der Präsident bekräftigte, dass sich die Amerikaner nicht im Krieg mit dem Islam befänden.
Wie aus pakistanischen Sicherheitskreisen verlautete, begann die Operation kurz nach Mitternacht Ortszeit (deutsche Zeit kurz nach 21Uhr am Sonntagabend) und dauerte insgesamt vier Stunden. Bin Laden sei zwischen 1.30 und 2 Uhr Ortszeit am frühen Montag getötet worden.
Noch mitten in der Nacht versammelten sich vor dem Zaun des Weißen Hauses in Washington mehrere Tausend Menschen. Sie jubelten: "Wir haben ihn, wir haben ihn" oder "Am Ende gibt es doch Gerechtigkeit".
Nach Einschätzung amerikanischer Medien bedeutet die Aktion Rückenwind für Obama bei der Präsidentschaftswahl im Herbst 2012.
Die Nachricht vom Tod Bin Ladens bewegte kurzfristig auch die Märkte. An den wichtigen Börsen rund um den Globus legten die Aktienkurse am frühen Morgen zu. Dagegen gab der Ölpreis deutlich nach.
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