Kommentar

Nur US-Präsident Obama könnte Google zerschlagen

„Google zerschlagen!“, forderten die EU-Parlamentarier in der vergangenen Woche. Ein richtiger Ansatz, aber leider wie so oft fernab des EU-Machtbereichs, kommentiert Hajo Schumacher.

Die EU-Parlamentarier haben mal wieder ihre liebste Übung zelebriert: mit großer Geste Theoretisches fordern anstatt erst einmal Machbares abarbeiten. Google zerschlagen!, so lautete vergangene Woche die kämpferische Parole. Ein richtiger Ansatz, aber leider fernab des EU-Machtbereichs, wo globale Firmen nicht einmal zum fairen Steuerzahlen bewegt werden können.

Darf der Staat ein Unternehmen überhaupt zerlegen? Aber ja: Rockefellers Standard Oil Company wurde vor 125 Jahren im Mutterland des freien Marktes aufgeteilt, weil Raffinerien, Pipelines, Handel in einer Hand lagen – ein lupenreines Monopol.

Googles Macht reicht weiter: Durch die marktbeherrschende Suche kann der mächtigste Konzern der Welt nachgelagerte eigene Firmen bevorzugen und Konkurrenten marginalisieren. Zudem ist Google nicht nur Wirtschaftsmacht, sondern kann die globalen Informations- und Meinungsströme lenken.

Nur mal theoretisch: Wenn im Kopf-an-Kopf-Rennen um das Präsidentenamt der eine Kandidat pro Google ist, der andere contra – liegt da nicht die Verlockung nah, ein bisschen nachzuhelfen? Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um einen unausgesprochenen Deal zwischen Weißem Haus und Silicon Valley zu vermuten: Nachrichtendienste und Datenriesen marschieren gemeinsam im Kampf gegen das Böse der Welt. Schließlich möchte niemand ein Standard Oil 2.0. Der selbstbewusste Google-Frontmann Eric Schmidt mit seinen Weltmachtphantasien ist jedenfalls nicht geeignet, Verdacht zu zerstreuen. Und wer protestiert mit Kettenbriefen gegen den EU-Beschluss? Zufällig US-Politiker, die mit Google-Spenden alimentiert wurden.

Kann Google überhaupt entflochten werden?

Bleibt die Frage: Kann Google überhaupt entflochten werden? Ja, aber nicht von Europa-Parlamentariern, die gern von einer europäischen Suchmaschine träumen. Es gibt nur einen Menschen, der Google zerlegen kann, und das ist der US-Präsident. Doch egal, ob der Chef im Weißen Haus Bush, Obama oder Clinton heißt – weder Republikaner noch Demokrat wird jene Unternehmen aus dem Silicon Valley schwächen, die sicher eine konkrete ökonomische und vielleicht eine nachrichtendienstliche Weltmacht verteidigen helfen.

So, und was machen wir jetzt? Aufmerksam surfen, verschlüsseln, Google-Detox üben – und darauf hoffen, dass der Markt auch diesmal funktioniert und eines baldigen Tages neue, smarte Unternehmen auftauchen, die Umsatz mit Transparenz machen. Es lebe ein marktwirtschaftliches Denken, das die Gefahren von Monopolen ernst nimmt.

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