05.03.2013, 12:50

Bürgerkrieg Syrische Rebellen nehmen Gouverneur gefangen

Di, 05.03.2013, 07.58 Uhr

Rebellen haben im Osten Syriens offenbar erstmals eine größere Stadt unter ihre Kontrolle gebracht. Die Provinzhauptstadt Rakka sei erobert, teilte ein Vertreter des oppositionellen Nationalrats mit.

Video: Reuters
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Aufständische haben in Syrien die Provinzhauptstadt Rakka fast vollständig eingenommen und feiern einen „entscheidenden Sieg“. Außerdem konnten sie ranghohe Funktionäre des Regimes festsetzen.

Bei der Einnahme der nordsyrischen Provinzhauptstadt Rakka haben Rebellen nach Angaben von Aktivisten den Gouverneur der Region gefangengenommen. Die oppositionsnahe "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" veröffentlichte am Dienstag ein Video, das den Gouverneur der Provinz Rakka, Hassan Dschalili, und den Generalsekretär der regierenden Baath-Partei, Suleiman Suleiman, sitzend inmitten von Rebellen zeigt. Einer der Aufständischen sagt in der Sequenz: "Alles, was wir wollen, ist, uns von dem Regime zum befreien."

Nach Angaben der Beobachtungsstelle sind Dschalili und Suleiman die beiden hochrangigsten Funktionäre, die seit dem Beginn des Syrien-Konflikts vor fast zwei Jahren von Aufständischen gefangengenommen wurden. "Rakka hat unter der Korruption des Gouverneurs sehr gelitten", sagte der Chef der Organisation, Rami Abdel Rahman.

Die Rebellen hatten am Montag die meisten Viertel der Stadt eingenommen. Rund um den Sitz des militärischen Geheimdienstes gab es laut der Beobachtungsstelle in der Nacht aber weiterhin Kämpfe mit syrischen Truppen und Milizen.

Weiterhin Kämpfe mit regulärer Armee

Die Einnahme Rakkas werde sich als "entscheidender Sieg" im Kampf gegen Assad erweisen, erklärte der Nationalrat. Die Rebellen würden nun über eine Verbindung zwischen den großen bereits eroberten Gebieten im ölreichen Osten Syriens und den ebenfalls von den Aufständischen gehaltenen Regionen im Norden der Provinzen Aleppo und Idlib verfügen.

Von unabhängiger Seite ließen sich die Angaben nicht überprüfen. Assad versucht seit zwei Jahren, einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen. Zehntausende Menschen wurden getötet, Hunderttausende sind vor dem Konflikt, der sich zu einem Bürgerkrieg ausgewachsen hat, außer Landes geflohen.

Die regierungstreue Zeitung "El Watan" berichtete am Dienstag, "tausende bewaffnete Männer" hätten Rakka innerhalb weniger Tage in einen "Schauplatz des Terrors" verwandelt.

Deutscher Journalist freigelassen

Die syrische Regierung hat unterdessen einen deutschen Journalisten freigelassen, der ihren Angaben zufolge wegen illegaler Einreise festgenommen worden war. Der stellvertretende Außenminister Faisal Mekdad habe den Mann Namens Billy Six an die russische Botschaft in Damaskus übergeben. Damit sei man einem Wunsch aus Moskau nachgekommen, teilte ein Sprecher des syrischen Außenministeriums am Dienstag mit. Six hatte im vergangenen Jahr für die Wochenzeitung "Junge Freiheit" mehrere Berichte aus dem Bürgerkriegsland Syrien geschrieben und galt seit dem Herbst als verschleppt.

(AFP/Reuters/pku)
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